Zeitungen braucht heute keiner mehr

Gute drei Stunden saß ich heute im Auto von Karlsruhe zum Verlegerkongress des BDZV in Regensburg - und da hatte ich viel Zeit über die Überschrift dieses Artikels nachzudenken - und auch über die Kommentare auf Facebook, die mein Post gestern bekommen hatte.

Ich bin immer noch der Meinung aus dem Video für den Kongress: Heute braucht eigentlich kein Mensch mehr eine Zeitung. Und damit meine ich das Produkt und nicht oft die synonym verwendeten Begriffe wie „Journalismus“ oder „Verlag“. Menschen brauchen dringend guten Journalismus. Sie brauchen auch die Kuration von Informationen. Das verständliche Aufbereiten davon und die „Verfügbarmachung“ der Inhalte.

Aber muss das jede Nacht von großen Maschinen auf teures Papier aus toten Bäumen gedruckt werden? Und müssen wir es Nacht für Nacht mit großen LKWs durch die Landschaft fahren, um es zu den Menschen zu bringen? Das wissen wir doch heute besser – natürlich gibt es für beide Punkte viel bessere Lösungen.

Manche Menschen mögen das heute noch nicht wissen, dass es diese gibt. Andere entscheiden sich bewusst dafür, trotzdem weiter die gedruckte Zeitung zu kaufen. Aber BRAUCHEN – im Sinne von Maslow – tut sie meiner Meinung nach so keiner mehr. Die Zeitungen sind von „necessity“ zur „commodity“ geworden – und das stürzt die Organisationen deswegen in die Sinnkrise, weil sie heute viel mehr „Fabrik“ sind als „Redaktion“.

Braucht man heute noch Massenwerbung – also die klassischen Anzeigen und Beilagen? Auch hier ist meine Meinung, dass es heute für Unternehmen bessere Wege gibt, um Konsumenten zu erreichen und sie von Produkten und Angeboten zu überzeugen als die klassischen Eckfelder & Co.

Denkt man sich mal die ganzen harten Faktoren weg wie das Druckhaus, die Maschinen, die Papierrollen und die Trucks – dann hält man die Essenz der Verlage in Händen. Die Fähigkeit, relevante Geschichten zu finden und so aufzubereiten, dass sie die Menschen erreichen – physisch wie emotional – und diese sie verstehen und handlungsfähig werden. Journalismus sollte Meinung möglich machen – und das brauchen wir heute mehr denn je – aber das schrieb ich ja bereits mehrfach. Er sollte Menschen auch mobilisieren und motivieren. Das sind die gesellschaftlichen Aufgaben, von denen immer die Rede ist – aber keiner benennen mag.

Unsere Generation hat diese Aufgabe von den vorherigen Verlegergenerationen geerbt – und es ist ein großes und wichtiges Erbe. Und es ist eine große Ehre, diese so wichtige Branche in ihre nächste Ära zu begleiten. Dabei wünsche ich uns allen viel Erfolg und das notwendige Quäntchen Glück für die kommenden Jahre.

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