WebWissen: WordPress Theme kaufen oder individuell entwickeln (lassen)?

Falls ihr euch dazu entschließt eure Website mit WordPress zu betreiben, steht ihr als erstes vor der Frage aller Fragen: „Wer erstellt mein Theme?“ Denn nur eine schöne und schnelle Website, die dem Besucher eine gute User Experience bietet, ist auch erfolgreich. Ich stelle euch heute kurz die Vor- und Nachteile eines gekauften Templates und der Eigenentwicklung vor.

Zeit / Kosten

Hier hat das gekaufte Template einen fetten Pluspunkt: Die Themes kosten meist um die $60 und sind in wenigen Minuten installiert. Dagegen hat eine Eigenentwicklung, die mehrere Designer und Entwickler einige Wochen beschäftigt, keine Chance. Ein gutes Beispiel ist der Bestseller Avada von ThemeFusion, ihn findet ihr auf der bekanntesten Plattform für WordPress Themes ThemeForest, mit mehr als 210.000 verkauften Einheiten bei einem Stückpreis von $59.

Avada hat mehr als doppelt so viele Einheiten verkauft als der Zweitplatzierte
Avada hat mehr als doppelt so viele Einheiten verkauft als der Zweitplatzierte
Zwischenergebnis 1:0

Performance

Performance ist ein extrem wichtiger Faktor. Ihr kennt es alle: Die Seite lädt ewig und ihr seid schnell einfach nur genervt. Das sollte nicht passieren, denn sonst sind meine Besucher schneller weg, als ich “Average response time” sagen kann. Hier hat das gekaufte Template einen erheblichen Nachteil: Durch den sehr niedrigen Preis, versuchen die Entwickler mit einem Theme so viele potentielle Kunden wie möglich anzusprechen. Dementsprechend bauen sie fast jede erdenkliche Funktionalität in das Theme ein, was die Seite teilweise erheblich verlangsamt, und ihr noch dazu vielleicht nur einen Bruchteil der Funktionen benötigt. Hier kann die Eigenentwicklung punkten, denn dort könnt ihr nur die nötigen Funktionen einbauen und so einen größeren Fokus auf Performance-Optimierung legen.

129 Anfragen, 5.2MB Datenmenge und 4.07s Ladezeit sind definitiv zu viel für eine einfache Startseite
129 Anfragen, 5.2MB Datenmenge und 4.07s Ladezeit sind definitiv zu viel für eine einfache Startseite
Zwischenergebnis 1:1

Design

Bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Ich als Webdesigner lege darauf sehr großen Wert und erkenne oft direkt, ob es sich um ein gekauftes oder selbst entwickeltes Template handelt. Wobei ich zugeben muss, dass Themes inzwischen sehr anpassungsfähig sind. Nicht nur individuelle Farben und Schriften, auch die Neuanordnung des Inhaltes oder ein komplett anderes Design ist mit wenigen Klicks möglich. Avada bietet beispielsweise zur Zeit 18 verschiedene Designs an (Stand: 18.04.2016). Damit dürften die Entwickler ihrem Ziel ein Theme für fast jede Anforderung zu bieten, sehr nahe kommen. Doch der individuelle Charakter einer Eigenentwicklung ist schwer zu schlagen, denn nur so könnt ihr einen einzigartigen Auftritt schaffen. Hier würde ich jeweils einen Punkt verteilen, denn fertige Themes haben hier enorm aufgeholt.

Zur Zeit gibt es 18 verschiedene Designs beim Theme Avada
Zur Zeit gibt es 18 verschiedene Designs beim Theme Avada
Zwischenergebnis 2:2

Aktualisierbarkeit

Vor allem populäre Themes werden ständig aktualisiert und verbessert. Solange ihr keine eigenen Änderungen am Code vorgenommen habt, sind sie mit nur wenigen Klicks up to date. Das ist enorm wichtig und sollte immer gemacht werden, da ihr nur so bekannte Sicherheitslücken des Themes schließt. Ein selbst entwickeltes Theme muss nicht aktualisiert werden. Hier geht für mich der Punkt an beide Seiten.

Zwischenergebnis 3:3

Anpassbarkeit

Der letzte Punkt meiner Liste und zugleich größte Knackpunkt ist meiner Meinung nach die Anpassbarkeit. Sobald ihr Templates mit eurem Child Theme (= basiert auf dem gekauften Theme [Parent Theme] und erlaubt euch das Theme geringfügig anzupassen, ohne die Originaldateien zu bearbeiten) überschreibt, können eure Änderungen nach einem Update zu Fehlern führen. Im schlimmsten Fall kann die Seite dadurch nicht mehr aufgerufen werden oder bestimmte Funktionen werden nicht mehr korrekt ausgeführt. Die größte Schwierigkeit besteht darin zwischen der aktualisierten Template-Datei aus der Parent Theme und der vor dem Update kopierten und selbst angepassten Template-Datei im Child Theme zu vergleichen, um dem Fehler auf die Spur zu kommen. Ohne eine gute Versionskontrolle habt ihr da keine Chance. Selbst mit ist es je nach Komplexität der Anpassung schwierig die aktualisierte und die selbst angepasste Template-Datei zu vereinen. Das führt dazu, dass Updates oft ausgelassen oder sehr spät durchgeführt werden. Doch das solltet ihr auf keinen Fall tun! Denn wie schon erwähnt, können durch Updates bekannte Sicherheitslücken geschlossen werden und das macht eure Website für Hacker weniger angreifbar. Diese Problematik besteht bei einer Custom Theme nicht, da ihr die Templates selbst angelegt habt und keine unvorhergesehen Änderungen von Dritten plötzlich eingespielt werden. Hier geht für mich der Punkt ganz klar an die Custom Theme.

Endergebnis 3:4

Fazit

Ein gekauftes Theme eignet sich perfekt für den Anfang, um schnell und ohne große Kosten eine Website online zu stellen. Wenn die Funktionalität des Themes für meine Bedürfnisse ausreicht, kann es selbstverständlich auch zur Dauerlösung werden. Jedoch rate ich dringend davon ab große Änderungen an der Funktionalität des Themes vorzunehmen, denn das führt in den meisten Fällen nur zu Problemen. Wenn die Funktionalität des Themes nicht ausreicht und auf meine Bedürfnisse angepasst werden muss, kommt das Custom Theme zum Einsatz. Auch wenn ihr euch von eurer Konkurrenz abheben und ein individuelles Design haben wollt, ist ein Custom Theme die bessere Wahl.

Headerbild von flickr

Alle Beiträge von Timo

Unsere meistgelesenen Beiträge

Zwei Jahre Chromebook: Ein Erfahrungsbericht

Google Chromebook
|
Gute 25 Jahre PC-Nutzung - von Anfang an mit Windows. Dann raucht im wahrsten Sinne des Wortes mein teures und gar nicht so altes Lenovo-Notebook ab. Und ich bestelle mir einfach ein Chromebook und bin schneller weg aus der Windows-Welt, als ich es für möglich gehalten hätte. Zwei Jahre ist das nun her - und ich habe zwischendurch immer wieder über meine Erfahrungen mit dem Chromebook berichtet.