Webwissen: Storytelling-Tools für Journalisten

„Innovatives Storytelling“ ist das Stichwort, das durch jede Online-Redaktion schwebt. Text, Bild und Video sind gute Materialien um eine Geschichte für den Leser ansprechend zu erzählen. Aber wie macht der Redakteur etwas Besonderes aus seinem Thema, so dass sich sein Bericht von anderen abhebt? Die Storytelling-Tools, die beim kreativen Verpacken helfen, werden immer vielfältiger. Zwei davon möchte ich heute vorstellen.

Thinglink – Das multimediale Klickbild

Zuerst ein Titelbild, dann Text, eine Bildergalerie oder vielleicht sogar ein Video – so sehen die meisten Geschichten aus, durch die sich der Leser im Internet scrollen kann. Thinglink verbindet die Komponenten Text, Bild und Ton auf eine andere Art und Weise in einem Klickbild.

Meine Kollegin Christina Özlem Geisler arbeitete beispielsweise an einer Reportage über das Leben auf den Philippinen. Aus ihrem Rohmaterial baute sie ein Thinglink, das kleine Geschichten über die Ernte und Verarbeitung des Schilfsgrases Tikog, das zum Weben benutzt wird, erzählt.

Die ganze Reportage lest ihr auf sonntagsblatt.de.

Grundlage eines solchen Klickbildes kann ein aussagekräftiges Motiv oder eine Collage aus Bildern sein. Auf diesem Hauptbild werden mit Icons verschiedene Tags verankert. Jeder Tag erhält einen Beschreibungs- oder Erklärtext und kann mit einem Link verbunden werden. Hier bieten sich vor allem Links zu Youtube-Videos, Soundcloud-Audios oder weiterführenden Informationen an. Mit dem kostenpflichten Premium Account lassen sich sogar 360 Grad Fotos zum Klickbild umwandeln. Mit einem html-Code kann das fertige Klickbild in das CMS eingepflegt werden.

Das Video erklärt wie Thinglink genau funktioniert:

Storify – Die Social-Media Dokumentation

Häufig arbeiten Redakteure nicht mit ihrem eigenen Video- oder Text-Material, sondern bedienen sich in den Sozialen Medien. Dort befindet sich eine wahre Fundgrube an buntem Allerlei zu jedem Thema. Doch wie die Vielzahl an Beiträgen strukturieren und zusammenbringen?

Mit Storify lassen sich Geschichten aus dem Netz schnell und übersichtlich erzählen. Das Tool verbindet Text mit Beiträgen aus Twitter, Youtube, Instagram usw. Die Kanäle können nach Hashtags, Stichworten oder Usernamen durchsucht werden. Eine Übersicht zeigt die Suchergebnisse, die sich via Drag and Drop in die Story einbauen lassen.

Auch die Reihenfolge der einzelnen Beiträge ist per Drag and Drop veränderbar. Zwischen den Social-Media-Post kann eigener Text eingefügt werden. Die fertige Story wird mit Hilfe eines html-Codes in das CMS eingebettet.

Das britisch-amerikanische Newsportal Mashable.com berichtete beispielsweise von den Terroranschlägen in Brüssel am 22. März 2016 und fasste unter dem Titel „Live updates: Brussels terror attacks“ mittels Storify die neusten Erkenntnisse zusammen. Die Ladies Professional Golf Association (LPGA) nutzt Storify für die Nachberichterstattung von Turnieren und auch Human Rights Watch (HRW) nutzt das Tool zum Storytelling über Krise, Aktivisten und Politik.

Aber Vorsicht! Das Tool Storify bedient sich dem User Generated Scrollytelling. Das Einbetten von Inhalten ist eine Urheberrechts-Grauzone. Deshalb solltet ihr immer darauf achten, welche Inhalte ihr einbettet, ob sie eingebettet werden dürfen und welche Lizenzvereinbarungen es für Bilder und Medien gibt.

Fazit

Mit Storytelling-Tools lassen sich Online-Inhalte einfach und ansprechend für den Leser gestalten. Die Zahl der Tools wächst schnell und Redakteure haben die Möglichkeit kreativ zu werden.

Welches Storytelling-Tool habt ihr zuletzt ausprobiert? Und welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Welches Tool könnt ihr empfehlen?

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