WebWissen: Instagram Stories Pro und Contra

Der Versuch einer Einordnung. Welche Vor- und Nachteile bringt die neue Instagram Funktion "Stories" mit sich? Ich habe mich einmal damit auseinander gesetzt und folgende Punkte für euch zusammengetragen.

Mittlerweile sollte die neue Instagram Funktion „Stories“ auf allen Installationen angekommen sein. Wenn ihr die runden Icons am oberen Bildschirmrand noch immer nicht sehen könnt, dann solltet ihr vermutlich mal ein App-Update durchführen. 😉

Was ist „Instagram Stories“?

Stories ist eine „neue“ Funktion, mit der ihr chronologische Slideshows erzeugen könnt, die dann 24 Stunden lang auf eurem Profil einsehbar sind. Ihr könnt dort beliebig viele Sequenzen hintereinander packen und habt die Wahl zwischen Fotos, die ihr zusätzlich bemalen und beschriften könnt, oder Videos die maximal 10 Sekunden lang sein dürfen.

Kommt euch bekannt vor? Richtig, gibt es in nahezu der gleichen Form schon bei Snapchat. Laut Instagram-Chef Kevin Systrom handelt es sich dabei aber nicht um eine böswillige Kopie sondern lediglich um die Adaption eines neuen „Social Media Formats“, für dessen Erfindung Snapchat die volle Anerkennung gebührt. Vergleichbar etwa wie damals die Hashtags bei Twitter, die heutzutage auch das komplette Social Web erobert haben.

Wie funktioniert Instagram Stories?

Um ehrlich zu sein, erschien mir die Bedienung relativ selbsterklärend. Man kann die Story-Funktion eigentlich gar nicht mehr übersehen, so auffällig prangern einen die runden Icons auf der Newsfeed-Seite an. Ich schlage vor ihr probiert es am besten selbst einmal aus. Für den Fall, dass ihr doch eine kurze Anleitung braucht, hat Trajan Tosev von IG4BUSINESS hier eine Schritt für Schritt Anleitung zusammengefasst.

Warum sollte ich Instagram Stories benutzen?

Nun, das ist hier wohl die spannendste Frage. Ich bin mir sicher, an dieser Stelle scheiden sich die Geister. Es ist wie mit Snapchat – entweder man versteht/mag es oder eben nicht. Wie bei allen anderen digitalen Trends, finden wir es aber wichtig, zumindest mal einen Blick auf die Neuentwicklungen zu werfen und die Möglichkeiten auszuloten.

Ich möchte mal so einsteigen:

Als Marketing-Strategin kümmere ich mich u.a. um den Social Media Auftritt der netzstrategen – darunter selbstverständlich auch unser Instagram-Profil. Ich bin bekennendes Instagram #Fangirl 😉 und privat seit März 2015 mit dabei. Kein Early Adopter aber definitiv ein Heavy User und wer auf meinem Profil vorbei schaut, der kann neben vielen Reisen nun auch Schnappschüsse meiner Hochzeit sehen. Ich bin definitiv kein Influencer noch bekomme ich in irgendeiner Form Geld für das teil-veröffentlichen meines Privatlebens, sondern ich habe lediglich Spaß daran, schöne Momente, meist fotografisch zumindest „ansprechend“ auf meinem Profil zu sammeln. Ich sehe darin eine Art Tagebuch, das ich mir hin und wieder ansehe und mich freue. Und hier liegt der Knackpunkt.

Was mir an Instagram Stories nicht gefällt:

Lebensdauer von 24 Stunden

  • Mir ist schon bewusst, dass dies der eigentliche Sinn dahinter ist. Aber warum sollte man Zeit und Qualität in die Erstellung von Content investieren, der in 24 Stunden für immer verschwunden ist? Gerade aus Sicht eines Marketers mit dem SEO-Kollegen im Nacken sollte das Ziel natürlich immer sein, Inhalte zu generieren, die von möglichst langer Lebensdauer sind. Das Produzieren für einen limitierten Zeitraum scheint daher zunächst recht sinnfrei. Wer dennoch Lust auf die Story-Funktion hat, muss nicht traurig sein, denn der Anspruch liegt – wie so häufig im Social Web – lediglich in der Art der Content-Aufbereitung. Analog zu dem Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung“ möchte ich hier einwerfen: „Es gibt keine schlechte Zielgruppe/Plattform, nur falsche Formate“.

Visuelle Darbietung

  • Unfertig, unperfekt, spontan und meistens ziemlich kitschig kommen die Story-Inhalte für meinen Geschmack daher. Die rudimentären Bearbeitungsfunktionen schränken die ästhetische Präsentation der Fotos stark ein. Man könnte auch sagen, Instagram ersetzt hochwertigen Content durch billigen Content – wobei das natürlich wieder Ansichtssache und vor allem Geschmacksache ist.

Content Qualität

  • Bislang sind mir persönlich wenige Stories begegnet, die inhaltlich sehr wertvoll gewesen wären. Entweder müssen diese kreativen Ansätze noch gefunden werden, oder aber die Funktion wird sich genau für diesen „einfachen“ Content herauskristallisieren. Es bleibt spannend.

Good Bye Good Old Instagram

  • Warum mich die Einführung von Stories etwas traurig und wehmütig macht? Weil ich Instagram Fan bin! Mit der Änderung des CI’s konnte ich gerade noch leben, den eingeführten Algorithmus und die Werbeanzeigen habe ich (zumindest privat) auch gekonnt ignoriert aber die Erweiterung um einen völlig neuen Bereich – quasi eine App in der App – finde ich noch sehr fraglich. Ich sage nicht schlecht, lediglich fragwürdig. Ich mochte die Einfachheit, die Schnörkelosigkeit Instagrams. Eine Funktion, eine Timeline, geringe Komplexität aber dennoch genügend Raum für Kreativität. Nun fühlt sich die Foto-Plattform eher nach einem Konglomerat an, das versucht, aus allen Welten nur das Beste zu vereinen. Ob das vielleicht zu viel gewollt ist?


Und jetzt mal die positiven Merkmale von Instagram Stories:

Aufmerksamkeit

  • Ich gebe es zu, so skeptisch und ignorant ich diesen runden Icons gegenüber stand, je nach dem wessen Gesicht sich darin verbarg, habe ich doch darauf geklickt. Und dann ist es passiert. Ist man erstmal drin in der Story-Slideshow, so hat einen der Sog. „Die 5 Sequenzen guck ich kurz zu Ende..“ und zack – Autoplay startet die nächste Story eines anderen, von mir abonnierten Users. Und die nächsten 2 Minuten meiner verfügbaren Aufmerksamkeit wandern in ein Instagram Profil. Ein Ziel, welches wir Marketer natürlich erreichen wollen. Insofern stecken in Stories sicherlich Potenziale, eure Zielgruppe für einen möglichst langen Zeitraum an euch zu binden – sofern euer Content stimmt. S.o. 😉

Qualitätssicherung

  • Nicht falsch verstehen, damit meine ich nicht plötzlich doch die hochwertige Visualisierung eurer Story, sondern eher die, eurer ursprünglichen Instagram-Timeline. Denn diese ist ja nach wie vor beständig und im besten Fall euer Imageboard, welches nicht zugespamt werden sollte. Weder durch Masse noch durch wenig ansprechendes Bildmaterial. Mit der Story-Funktion stehen euch aber genau diese Möglichkeiten zur Verfügung. Ihr könnt theoretisch euren kompletten Tagesablauf abbilden und müsst dabei noch nicht mal die Spiegelreflex zur Hand haben.

Reichweite

  • Ich kann aktuell noch nicht sagen ob Stories mehr Reichweite haben als normale Instagramposts ABER: Sie unterliegen bislang keinerlei Algorithmus. Somit bleibt euch auch innerhalb der Story jegliche Chronologie erhalten. Lediglich die #Hashtag-Reichweite bleibt euch bei den Stories noch verwehrt.

Back to the Roots

  • Das mag jetzt etwas verwirrend erscheinen, wenn man zuvor den Punkt „Good Bye Good Old Instagram“ gelesen hat, aber ich kann’s erklären: „Insta“ stammt von „Instant“ und sollte sinnbildlich dafür stehen, dass User Momentaufnahmen in ihr Profil laden. Als Heavy User kann ich sagen: dies ist nicht mehr selbstverständlich. Sehr viele Instagram User, vorwiegend Blogger oder Influencer, schießen ihre Fotos mit den teuersten Spiegelreflexkameras, bearbeiten Bilder mit professionellen Fotoprogrammen und laden sie erst im perfekten Zustand in die App hoch. Alles andere als #instant – eher so #latergram. Mich persönlich hat das schon etwas gestört, weil die Spontanität und das laienhaft Ehrliche etwas verloren ging. Das kehrt jetzt mit Stories wieder zurück. Mehr „instant“ und mehr #reallife geht wohl kaum. Herzchen dafür 😉

Fazit:

Jetzt erwartet ihr womöglich den großen Knall aber der bleibt leider aus. Es fällt mir aktuell noch schwer zu sagen ob ich denke, dass die Story-Funktion für die netzstrategen oder mein privates Profil den großen Durchbruch bedeutet. Dazu muss ich einfach noch etwas mehr rumexperimentieren und rausfinden ob sich Nutzungserlebnis und Benefit positiv entwickeln. Aktuell kann ich aber sagen, wann immer ich die App öffne, geht meine Tendenz zum klassischen Instagram-Foto-Post. Selten habe ich sie bisher geöffnet um bewusst eine Story aufzusetzen. Dem steht ohnehin erstmal eine Brainstorming-Runde für Content-Formate bevor.

Was sind eure Erfahrungen mit Instagram Stories? Wie erlebt ihr die neue Funktion und welche Punkte könnt ihr ergänzen? Schreibt uns gerne einen Kommentar dazu.

PS.: Es sind mittlerweile sogar ein paar mehr, aber…

#strategeninzahlen #fakt #39 #wirliebenzahlen #instagram

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