WebWissen: Google Trends

Google ist in Deutschland das Synonym für die Suche im Internet. Neben dem Kernprodukt "Suchmaschine" stellt das Unternehmen zahlreiche Dienste zur Verfügung. Ein Dienst, der unmittelbar mit der Suche zusammenhängt, ist Google Trends. Erfahren Sie in diesem Beitrag, warum wir Google Trends sehr mögen und wie es hilft, das eigene Bauchgefühl zu verifizieren.

Wir alle spüren die vernetzte Welt jeden Tag. Ob im privaten Alltag oder in der Geschäftswelt. Es vergeht kein Tag, an dem der digitale Wandel nicht eine Neuerung bringt. Dabei fällt es manchmal schwer zu beurteilen, ob es sich lohnt ein Thema weiter zu verfolgen oder ob es sich nur um eine weitere Sau handelt, die durchs digitale Dorf getrieben wird. Wer wissen will, wie es um die Nachfrage wirklich bestellt ist, dem legen wir Google Trends ans Herz.

Was macht Google Trends: Nachfrage veranschaulichen

Google Trends visualisiert die Nachfrage nach einzelnen Suchbegriffen im Netz, d.h.: wieviele Menschen haben im Zeitraum nach einem Begriff gesucht? Dabei verzichtet Google Trends auf absolute Zahlen, sondern legt viel mehr den Fokus auf den zeitlichen Verlauf. Außerdem bietet es die Möglichkeit, mehrere Begriffe miteinander zu vergleichen. Der Zeitpunkt mit der höchsten Nachfrage wird dabei als Index = 100 gesetzt und alle weiteren Zeitpunkte dazu ins Verhältnis gesetzt. Was abstrakt klingt, ist eigentlich ganz einfach. Machen wir das an einem Beispiel deutlich.

Wie funktioniert das: Beispiel Nokia vs. Android

Erinnern wir uns an die Zeit, als die Handy-Telefonie anfing. Fast jeder hatte ein Nokia- oder Siemens-Telefon in seiner Hosentasche. So galt Nokia lange Zeit als unantastbarer Marktführer im Mobilfunksektor. Das ging sogar soweit, dass die Schließung eines deutschen Nokia-Werkes wochenlang die Berichterstattung in deutschen Medien beherrschte. Wo ist Nokia heute? Das skandinavische Unternehmen ist in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Auf der anderen Seite schauen wir uns „Android“ an. Noch vor 5 Jahren hätte man hinter dem Begriff eher einen Science-Fiction Film vermutet als ein Handy-Betriebssystem. Geschweige denn wussten vor 5 Jahren die wenigsten, dass Handys auch Betriebssysteme haben. Genug der Vorrede, die beiden Geschichten sind bekannt. Schauen wir uns nun an, wie sich diese „realen“ Ereignisse auch auf die Suchnachfrage ausgewirkt haben. Der blaue Graph zeigt die Nachfrage nach „Nokia“, der rote Graph die nach „Android“:

Man erkennt sehr schnell den rasanten Aufstieg von „Android“ ab dem Jahr 2010, und den fast gleichzeitig einsetzenden Absturz von Nokia bis zum heutigen Tage. Laut Statista hatte Nokia Anfang 2010 noch einen Marktanteil von fast 40% in Deutschland. Laut Gartner lag Android zum selben Zeitpunkt bei unter 10%. In der selben Betrachtung drei Jahre später kommt Android auf 75% Marktanteil, der ehemalige Platzhirsch Nokia taucht gar nicht mehr in der Statistik auf.

Was sagt uns das: reale Nachfrage hat immer ein digitales Abbild

Die erste wichtige Erkenntnis lautet, dass die Nachfrage in der „analogen“ Welt immer eine Entsprechung in der digitalen Welt hat. Wenn Menschen ein Produkt oder ein Thema nachfragen, fangen sie an zu googeln. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man reale Trends frühzeitig erkennen kann, in dem man die Suchnachfrage beobachtet.

Wie machen wir uns das zunutze: klassische Werbung und Suche verknüpfen

Im letzten WebWissen-Beitrag zur AIDA-Formal hat mein Kollege André anschaulich gemacht, wie klassische Werbung Nachfrage anschiebt und online eingefangen werden muss. Wie man dafür Google Trends nutzen kann, zeigen wir an einem einfachen Beispiel. Die Firma Stihl produziert ein breites Sortiment an Werkzeugen für den Garten. Unter anderem Geräte, mit denen man im Herbst das Laub vom Weg blasen kann. Diese Geräte nennt der Hersteller selbst „Blasgerät“, z.B. das handliche Blasgerät BG56. Wenn ich als Händler nun solche Blasgeräte verkaufe, sollte ich auch in der Suche gefunden werden. Nun ist es so, dass die Menschen in den seltensten Fällen nach den Fachbegriffen suchen, sondern Umgangssprache verwenden. Oder haben Sie schon einmal von einem Blasgerät gesprochen? Diese Produktgattung wird gemeinhin als „Laubbläser“ bezeichnet. Schauen wir uns nun mit Hilfe von Google Trends an, ob Menschen häufiger nach „Blasgerät“ oder „Laubbläser“ suchen, erhalten wir ein klares Bild:

Um nun möglichst viel dieser Nachfrage zu bedienen, sollte ich als Händler häufiger über Laubbläser sprechen als über Blasgeräte. Auch wenn es nicht der Terminologie des Herstellers entspricht. Womöglich habe ich mit Anzeigen oder Prospekten die Suche nach diesen Geräten mit angeschoben. Wäre doch schade, wenn sie dann an einer anderen Kasse landen, weil ich für die Herstellerdiktion und nicht den Sprachgebrauch des Kunden optimiert hätte.

Das Beste zum Schluss: Tipp für Werbevermarkter

Zum Schluss noch ein Tipp für diejenigen Leser, die für die Werbevermarktung in einem klassischen Medienhaus verantwortlich sind. Google Trends bildet natürlich auch die Nachfrage einzelner Marken ab. Dies lässt sich sogar bis auf Bundesland-Ebene herunterbrechen. Auch hier wieder ein kurzes Beispiel: ich habe als regionaler Vermarkter aus Rheinland-Pfalz einen Termin bei einem großen Autohaus (z.B. Audi-Händler). Zur Vorbereitung des Termins recherchiere ich, ob in Rheinland-Pfalz mehr „Audi“ oder mehr „BMW“ nachgefragt wird. Hier das Ergebnis der Recherche:

Wie man sieht, wird „BMW“ deutlich stärker nachgefragt als „Audi“. Ergo: um die Nachfrage nach Audi anzukurbeln, muss der Händler mehr Werbung machen. Und das natürlich bei mir als Vermarkter… Es mag nur ein Detail sein, aber es ist ein plausibles Argument für den Vermarkter, warum der Kunde mehr Werbung schalten sollte.

Ich hoffe, mit diesem Beitrag ein paar Impulse geben zu können, wo man das äußerst praktische und kostenlose Tool Google Trends einsetzen kann. Wenn Sie Fragen oder eigene Beispiele haben, freu ich mich über zahlreiche Kommentare unter diesem Post!

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