WebSummit 2016 – Unser Erlebnisbericht aus Lissabon

So. Nach dem Besuch der SXSW im Frühjahr 2016 war klar, dass wir auch den WebSummit in Lissabon dieses Jahr mitnehmen - einfach, um einmal einen Vergleich zwischen den beiden Monstern der Digital-Konferenzen zu haben. Hier nun also gesammelt unsere Erlebnisse und Eindrücke von dem Kongress für die digitalen neue und etablierte Digitalunternehmen - und die, die etwas damit zu tun haben möchten.

Montag, 07. November 2016 – Erster Tag

Nach der noch relativ einfachen Registrierung für den WebSummit 2016 am Montag – die für so eine riesige Konferenz wirklich sehr gut organisiert war – wurde man kurz darauf mit der Realität konfrontiert: 70.000 Teilnehmer bilden lange Schlangen. EXTREM LANGE SCHLANGEN.

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Schon die Eröffnungsveranstaltungen im eigentlich riesigen MEO der Messe Lissabon war so überlaufen, das man bereits 1,5 Stunden vor Einlass eigentlich keine Chance mehr hatte, in die Halle zu kommen. Soooo viele Leute sind in der Stadt, um die Vorträge zu sehen und die Messe zu besuchen.

Gut, dass viel Live auf Facebook gestreamt wird und auf auf der Konferenz viele Leinwände mit Übertragungen stehen. So bekommt man doch recht viel mit von dem, was um einen herum passiert.

Dienstag, 08. November 2016 – Zweiter Tag

Nachdem dann also auch die Schlange am einzigen (!!!) Eingang mega lang war, um überhaupt auf die Konferenz zu kommen entgingen mir leider zwei zumindest auf dem Papier spannende Vorträge und ich kam gerade noch rechtzeitig hierzu:

Build your brand in a mobile world

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Gary Briggs – Facebook
Kurt Wagner – Recode

Gary Briggs hatte zuvor bei Pepsi gearbeitet (ja, auch den grandiosen Coke vs. Pepsi-Spots). Und dort wurde sehr indirekt gearbeitet; über Dritte und Vierte – und man hatte das, was beim Kunden ankam nur wenig unter Kontrolle. Bei Facebook kann man viel direkter werben und die Leute ungefiltert mit den Botschaften erreichen.

In dem Interview auf der Bühne ging es vor allem um das Targeting der Produkte, die Facebook in der mobilen Welt entwickelt. Jedes Produkt muss spezifisch für das Kundenbedürfnis sein und nichts sollte von der einen Funktion ablenken, die es versucht abzubilden.

Die zentrale Marketing- und Produktstrategie von Facebook ist Segmentierung nach Bedürfnissen und Funktionen. So entsteht das Produkt-Portfolio und wird so auch weiterentwickelt – immer durch eine Vertiefung des zentralen Produktnutzen und nicht in die Breite mit neuen Funktionen, die weniger mit dem zentralen Bedürfnis zu tun haben, das der Nutzer damit zu lösen versucht.

So entstand z.B. der Facebook Messenger als stand alone-Produkt herausgelöst von der Facebook-Plattform – auch wenn es vielen nicht gefiel; heute wird die App so deutlich stärker genutzt als die integrierte Version.

Spannend fand ich auch, dass Facebook eine eigene, interne Marketing-Plattform hat in den verschiedenen FB-Produkten. Marketing wird dort vor allem gemacht, um neue Funktionen zu promoten und zu erklären, wie man die Funktionen nutzt – oder zu animieren/inspirieren, wie man die Funktionen nutzen kann.

Facebook hat so z.B. herausgefunden, dass die Nutzer, die LIVE nutzen, zufriedener mit Facebook sind – und daher wurde überlegt, wie man die Leute stärker und schneller dazu bringen kann, dass sie LIVE nutzen.

Die besten Werbeplattform abseits Facebook aktuell – kommt ganz auf die Zielgruppe an und wen man erreichen möchte, meint Briggs auf die Frage hin. Die Zielgruppe, Botschaft und das Ziel, das man mit der Kampagne erreichen möchte muss im Mittelpunkt stehen und darauf basiert die Ausspielung der Informationen.

Superbowl-Ads sind für Awareness und das ist nicht das Problem von Facebook. Aber Google und Facebook werben gegenseitig beieinander, um die Zielgruppen endemisch abzuholen. Twitter und Google sind relevante Plattformen für Facebook.

Snapchat hat Leute dazu erzogen, wie kreativ man die Kamera am Telefon nutzen kann. Das hat Instagram gepusht, hier auch nächste Schritte zu gehen. Aber auf Snapchat zu werben scheint wenig sinnvoll – die Nutzer dort wollen ein anderes Erlebnis als auf Facebook.

Mein Fazit: Viel Standard-Marketing-Blabla aber cool, dass man sieht, dass so ein großer Konzern sich auf so einfache Mechanismen wie Marktsegmentierung verlässt und sich auf einfache und zentrale Kundenbedürfnisse konzentriert und diese mit klaren Produktnutzen abzubilden versucht, die dann sukzessive vertieft werden. Cool – so sagen wir das auch immer. So muss das sein!

Will technology kill democracy?

Ann Mettler – ‎Head of European Political Strategy Centre, European Commission
Ryan Heath – Senior EU Correspondent, POLITICO

Der nächste Vortrag findet in der riesigen MEO-Halle statt. Echt ein massives Teil! Ryan Heath spricht dort auf der Bühne mit der EU-Verantwortlichen für die politische Strategie (was es alles gibt) Ann Mettler. Beide sehr sympathisch und versiert. Ein spannendes Gespräch!

Vorstellen tun sich beide als „Digital optimists” und starten mit zwei coolen Zitaten:

„Ich habe Twitter und Facebook – das ist, wie wenn mir die New York Times gehört; nur ohne die Verluste.” – Donald Trump

„Wir sind einer Gesellschaft ohne Fakten – man weiß nie, ob man ein Gerücht verbreitet oder eine Wahrheit zensiert, wenn man journalistisch arbeitet.“ – Ryan Heath

Mainstream-Media sollte und darf nicht den sozialen Medien folgen – es muss seine Haltung zur Wahrheit bewahren. Das sagen beide einstimmig – sowohl von der politischen als auch der journalistischen Seite. Die Kuration ist eine wichtige Phase im Prozess der Veröffentlichung von Inhalten und Informationen und es braucht Redaktionen und kein Algorithmen, die diese Funktion wahrnehmen.

Internetfirmen müssen ein Teil der Lösung sein. Wie nutzt sie Technologie, um besser zu verstehen, was sich die Gesellschaft wünscht?

Vieles geht direkt in die Öffentlichkeit, was in der EU passiert – aber nicht alles passt in 140 Zeichen; vieles ist sehr komplex und muss erklärt werden. Und dabei zählt sie auf die Bürger. Die EU kann das alleine nicht. Die Wertschätzung für Demokratie hat abgenommen – die Leute sind sich der Rechte aber nicht der Pflichten einer Demokratie bewusst.

Demokratie ist sehr fragil – und Technologie kann dies verstärken und stützen aber auch zerstören.

Mein Fazit: Cooles aber leider sehr kurzer Talk, der wirklich spannend war – aber dann aufgrund der geringen Zeit doch stark an der Oberfläche blieb. Die beiden hätten gerne etwas länger sprechen können.

Will everything you know about advertising soon be irrelevant?

Maurice Levy – Chairman & CEO, Publicis Groupe
Gary Briggs – CMO, Facebook
Tomm Davis – CMO, Forbes
Tom Dotan – Reporter, The Information

Wenig später auf der gleichen Bühne sprechen drei Schwergewichte der Media- und Werbeindustrie über die Zukunft der Werbung. Und – das schon einmal vorab: Ob alles irrelevant wird, was man über Werbung weiß hängt stark davon ab, was man aktuell so darüber weiß. Besonders viel bahnbrechendes gab es hier leider nicht zu hören oder erfahren…

Frage: Was sind die größten Veränderungen in Werbung in den letzten zehn Jahren?

Davis – Die größte Veränderung war früher eine Einbahnstraße – und heute sind die Leute empowered mit den Geräten in ihrer Tasche. Die Leute konnten brainwashed werden. Engagement ist das wichtige heute, da Branding jetzt in beide Richtungen funktioniert.

Briggs – Mobile verändert die Werbung wahnsinnig schnell.

Levy – Kreativität ist das wichtigste an der Werbung, was sich nicht verändert hat. Man kann alles messen und optimieren heute – aber man muss immer noch die Marken mit den Konsumenten verbinden. Und man braucht dabei die richtige Idee, um die richtigen Leute im richtigen Kanal und Kontext zusammenbringen. Und mit Data ist man besser in der Lage, dies zu tun.In der neuen Welt kann man die Marken und Leute viel spezifischer zusammenbringen. Daher sind Daten so wichtig, damit man die richtigen Verbindungen herstellen kann.

Frage: Ist es schwer, auf dem Mobile erfolgreich kreativ zu sein?

Briggs – Die Leute verbringen immer weniger Zeit mit dem Content, den sie auf dem Handy sehen. Die Erlebnisse sind immer kürzer und eigentlich weniger “engaged” (skippen schnell, kein Ton an…). Leute springen immer schneller zum Inhalt und wollen keine eigentliche Werbung mehr sehen.

Davis – Mobile gibt mehr Kontext für den Werbenden – vor allem Ort und Zeit. Werbung muss mit diesen Daten intelligent umgehen. Die Kunden wollen mehr Video – und Werbung muss sich genau überlegen, wie es mit dem Format umgeht.

Frage: TV-Werbung funktioniert nicht 1:1 auf Facebook – sagen die Marken. Was ist die Antwort der Werbeindustrie darauf?

Levy – Video muss sich immer der Plattform anpassen und die Bilder, Tonalität und Botschaften nach der Plattform auswählen.

Briggs – Demand-based Marketing-Situation vs. Supply-based Marketing (klassisch). Die Leute wählen heute bewusster aus, was sie wollen und brauchen und kaufen nicht mehr, wozu sie animiert werden.

Frage: Was ist mit Content Marketing? Wie müssen klassische Medien wie Forbes darauf reagieren?

Davis – Heute bedeutet Werbung zuerst Service, dann Verkaufen. Daher gehört Content Marketing heute zum Standard-Repertoire dazu.

Levy – Der Werbekunden oder die Agentur müssen die gesamte Wertschöpfung von der Produktion bis zur Kommunikation unter Kontrolle halten.

Anpassungsgeschwindigkeit an die Bedürfnisse der Konsumenten ist essentiell. Man muss sich schnell anpassen können oder sogar neue Formen der Kommunikation erfinden, die man den Leuten vorgibt. Daher ist die Kreativität und das Targeting zentral und die Ideen, in denen man die Marken mit den Menschen verbindet.

Mein Fazit: Wie schon geschrieben; ein wenig müde die Unterhaltung und sehr vorhersehbare Aussagen der Titanen der Werbeindustrie. Alles wurde extrem auf der Meta-Ebene diskutiert und wenig konkrete Aussagen getroffen. Vor allem Levy fiel auf durch Plattitüden, die er mehrfach wiederholte. Auf Kreativ kommt es an. Kreativ, kreativ, kreativ – schon klar. Aber wie kreativ man heute sein muss und kann – dazu wurde wenig erwähnt. Bisschen schade – für mich wurde hier eine Chance verpasst, ein echt spannendes Thema mit Inhalt zu füllen.

Bots: What are they good for?

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David Marcus – VP of Messaging Products, Facebook
Loic Le Meur – Founder & CEO, Leade.rs

Ein wenig später, wieder auf der Mega-Bühne geht es dann um die Bots und ob die nun Fluch oder Segen sind. Lois Le Meur interviewt dafür den obersten Produktentwickler von Facebook und versucht ein Bild davon zu bekommen, wo das Thema aktuell steht.

Auf die Frage hin, was heute Bots eigentlich sind antwortet Marcus so: Früher war es ein “Terminal Command Interface” mit skript-basierten Antworten. Bots heute haben viel mehr Möglichkeiten als früher und sie können auch unerwartete Antworten in anderen Formaten geben.

Nach sechs Monaten FB Messenger-Bots gibt es ein gutes Ökosystem mit tollen Bots für die Plattform. 33.000 Bots sind heute für Facebook verfügbar. Und wir früher mit den Apps und Websites gibt es ganz tolle und ganz schlimme.

Prinzipiell unterscheiden sie zwischen Digitalen Assistenten und Service-Lösungen – im letzten Bereich kann sehr gut automatisiert werden über Bots und die Leute in einer endemischen Umgebung abgeholt werden, in der sie sich wohl fühlen.

Bots können in allen Phasen im Kundenlebenszyklus eingesetzt werden und könnten auch zur Kundenbindung beitragen, indem sie proaktiv auf die Konsumenten zugehen, die sonst verschwunden wären, wenn sie nur die Website besucht hätten (quasi wie E-Mail-Marketing). Über Messenger Bots bleiben die Kunden automatisiert ansprechbar und das Unternehme dadurch handlungsfähig.

Kurz darauf sagt er es auch explizit: Facebook will damit der E-Mail und dem Dialogmarketing den Kampf ansagen und als Marketing-Instrument ablösen.

Die präsentierten Use Cases sind aber sehr konstruiert und scheinen wenig relevant. Das Beispiel mit der Cocktail-App, in der ich mir einen Cocktail über ein Bild aussuche und mir darüber eine Bar vorgeschlagen wird, in der ich dann dem Bartender einen Code mit dem Cocktail zeige wirkt sehr weit weg von zumindest meiner Lebensrealität.

Als großes Novum kündigt er ab, dass Newsfeed-Apps bald auf Messenger Bots verlinken können. Facebook will also ein Universum aufbauen, in dem der gesamte Lifecycle innerhalb von FB abgebildet werden kann. Jeder Entwickler kann ab heute Newsfeed-Ads für seine Bots schalten, die dann direkt den Bot im Messenger öffnen.

Messenger wird auch Gruppen anbieten und es soll auch “Räume” geben mit einer Unique URL, die man dann entsprechend teilen kann und in Messenger aufrufen kann. Es wird dazu einen Entdeckungsmodus geben, in dem man Räume von Freunden auch finden kann.

Mein Fazit: Naja. Von einem Produkt-VP hätte ich jetzt wirklich mehr Insights erwartet, best practice, Beispiele für besonders gute Bots und realistische, zukünftige Use Cases. Bei allem aber leider Fehlanzeige. Mein Eindruck ist, dass man noch stark an der Basis und dem Ökosystem für die Bots an sich arbeitet – und es auch von Facebook eher ein Experiment denn Strategie ist.

Fazit des ersten Tags

Die Konferenz ist absolut überwältigend. Für mich war das heute eine ordentliche Reizüberflutung mit den unheimlich vielen Menschen in den großen Hallen, den vielen etablierten und ganz jungen, neuen Firmen, die ausstellen (und die ich mir morgen genauer anschauen möchte). Puh. Dagegen war SXSW in Austin im März tatsächlich übersichtlich.

Was vor allem ein wenig irritierend war, waren die für mich sehr flachen oder „strategischen“ Vorträge. Das war alles extrem Vogelperspektive und ich habe mich des öfteren gefragt, was Leute auf der Konferenz machen, die das nicht wissen. Aber gut – vielleicht bin ich da aufgrund meines Jobs auch wenig repräsentativ. Und ein paar Glanzlichter waren ja dabei. Mal schauen, was morgen so erzählt wird. Werde mich da mehr mit den Unternehmen direkt unterhalten und vor allem die politischeren/gesellschaftlicheren Vorträge anhören. Schauen wir mal…

Mittwoch, 09. November 2016 – Dritter Tag

So – heute ein wenig später aufgestanden und daher mal ohne lange Schlange auf das Gelände gekommen. Ein Fortschritt. Allerdings muss ich mir merken, mit meinen Kaffee mitzubringen in Zukunft. Was hier so angeboten wird ist echt grässlich. Das tut aber einem zunächst interessanten Tagesablauf keinen Abbruch. Los geht’s!

World War Media

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Cait O’Riordan – CPIO, Financial Times
Justin Smith – CEO, Bloomberg Media
Till Faida – Founder & CEO, Adblock Plus
Michael Hirschorn – CEO, Ish Entertainment

Prinzipiell will ABP den Verlegern also helfen, bessere Werbung an den Nutzer ausliefern und damit das Nutzererlebnis verbessern. Er argumentiert sogar, dass ABP mehr an das Kundenerlebnis denkt als die Verleger und sie nur deswegen existireren, weil die Verleger ihren Job quasi nicht machen. Puh – Aber nicht unbedingt das perfekte Panel für diese Diskussion, da Bloomberg und FT eher B2B-Medien sind und nicht so sehr von den Bannern abhängen. Da hätte ich mich mehr über große B2C-Plattformen gefreut, denen zunehmend Umsatz fehlt durch den Einsatz von AdBlockern.

Die Financial Times macht ca. die Hälfte der digitalen Umsätze mit Kundenerlösen und nicht über Werbung. Sie halten die Kundenbeziehungen nahe an sich und gehen sehr vertrauensvoll um mit den Kundendaten und -beziehungen. Das ist dort Strategie. Es wurden auch schon mit Onsite-Kampagnen und mit A/B-Tests experimentiert zur Abschaltung von AdBlockern: 66% schalten dort den AdBlocker aus, wenn man die Nutzer nett fragt; wenn man weniger nett fragt sind es noch 40%.

FT denkt sehr stark über das Kundenerlebnis nach und widerspricht stark ABP. AdBlocker machen das Leben der Verleger in der Hinsicht schwerer, da es sie dazu zwingt, mehr Werbung anzunehmen und dann den Nutzern mehr Werbung auszuspielen, die keinen AdBlocker nutzen. Vor allem missfällt den Verlegern die Haltung von ABP – und nicht unbedingt die Funktion und die Technologie.

Insgesamt ist das Ad-Impression-basierte Werbemodell am Ende. Es braucht andere KPIs, um die Performance von Content zu messen ABP zufolge. Allerdings sagt er das zwei B2B-Verlegern, die genau das bereits machen über die Nutzung von Inhalten durch Abonnenten die Inhalte bewerten.

Als aktuelle Lösung für den Konflikt zwischen AdBlockPlus und den Nachrichtenplattformen hat ABP ein “acceptable ads”-Programm aufgesetzt, in dem einem Board Banner und Werbemittel gezeigt werden und von dieser Gruppe gewählt wird, ob diese “akzeptabel“ sind für die Veröffentlichung. Dafür werden Eye-Tracking-Studien gemacht und repräsentative Umfrage durchgeführt. 40 von 100 Top-Alexa-Sites haben jetzt acceptable ads auf der Seite und das hat die Qualität der Werbung auf den Seiten verbessert.

Das greift aber natürlich stark in das Geschäftsmodell der Verleger ein.

Mein Fazit: Hätte viel spannender sein können, wären da andere Verlage gesessen. Aber ich kann verstehen, dass sich das kein General Interest-Portal gegeben hätte. Der Vertreter von ABP war schon ein echter Weltverbesserer und hatte eine sehr herablassende Haltung gegenüber den Verlagen.

Spannend war, dass die Verlage ABP tatsächlich inhaltlich und sachlich gar nicht widersprechen. Es ist wirklich ein Problem auf einer kulturelle und atmosphärischen Ebene – aber das sind ja leider oft die schwierigeren, die es zu lösen gilt.

A new era of mobility – autonomous driving in 2021

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Elmar Frickenstein – Senior Vice President Fully Automated Driving, Driver Assistance, BMW Group

Für 100 Jahren sind wir alle selbst gefahren – aber jetzt kommt eine neue Ära durch neue Computer und die unendliche Konnektivität der heutigen Welt. Er will und zeigen, wo wir heute stehen und zeigt einen sexistischen Clip zum Thema autonomes Parken. Super gemacht, deutscher Mega-Konzern…

Bei der Strategiefindung achtet BMW auf den Kunden, Technologien und die Community, um das Kundenerlebnis zu verbessern. Insgesamt gibt es sechs Levels, bei dem vor allem darauf geachtet wird, ob die Augen und die Hände/Füße mit dem Fahren an sich zu tun haben. Dies geht bei Level 5 soweit, dass kein Fahrer mehr im Fahrzeug präsent sein muss.

Für die Level 4 und 5 können Autos komplett neu gedacht und konzipiert werden. Die Fahrzeuge werden ganz anders aussehen als heute und der Innenraum neue Funktionen bieten.

Dazu muss man verstehen, was man dem Auto bzw. dem Computer alles beibringen muss. Und das ist endlos komplex. Daher gibt es viele Kooperationen zwischen den Herstellern, Technologieunternehmen und Infrastrukturanbietern für Konnektivität und Straßenbau – aber auch viele Teststrecken und -möglichkeiten von den öffentlichen Einrichtungen. Es ist ein massives Unterfangen, in dem viele Regeln und Konventionen weltweit festgelegt werden müssen – bin hin zu rechtlichen Rahmenbedingungen.

Mein Fazit: Er zeigt auch eine Vision, wie die Zukunft der Mobilität aussehen kann. Diese Vision ist grob genau das, was man sich so vorstellt und nicht besonders vorwärtsgerichtet – allerdings hat er gut rübergebracht, was dafür alles notwendig ist und wie komplex sich die Aufgabe gestaltet.

Is ego the biggest reason for failure?

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Dave McClure – Founder, 500 Startups
Eileen Burbidge – Partner, Passion Capital
Justin Kan – Partner, Y Combinator
Laurie Segall – Senior Technology Correspondent, CNNMoney

Dave ist auf dem Panel erst einmal komplett ausgeflippt wegen der US-Präsidentschaftswahl und macht erst einmal einen starken Punkt zum Thema Ego. Hat er. Die anderen beiden Investoren sind aber genau so verzweifelt und frustriert; allerdings etwas konstruktiver.

Ego kann sowohl für Erfolg wie Misserfolg der wichtigste Faktor sein. Es kommt immer darauf an, wie man es einsetzt. Ego darf vor allem nicht blenden; kann aber auch beschleunigen – allerdings braucht es extreme “Checks and Balances”, damit man regelmäßig auf den richtigen Weg gebracht wird.

Unternehmer sein bedeutet, dass man an einem Tag extrem erfolgreich und extrem umerfolgreich sein kann – und damit muss man umgehen lernen. Es gibt keine singuläre Eigenschaft laut Eileen Burbidge – das Kaliber der Person und die „people skills“ sind wichtig – aber noch wichtiger, was sie antreibt. Sie sieht es fast schon psychologisch und will wissen, was Leute wirklich motiviert – sie sieht es fast als Psychose an, wenn jemand ein Unternehmen gründet und erfolgreich macht. Egal, ob man es den Eltern oder Freunden beweisen will, Rache nimmt oder einfach nur sozial im Mittelpunkt stehen möchte.

Mein Fazit: Mehr war diesem Panel tatsächlich sachlich und inhaltlich wirklich nicht zu entnehmen. Der Rest war nur Gequatsche und Philosophie.

Ansonsten habe ich heute vor allem mit Startups gesprochen, von denen es echt zahlreiche gibt auf dem Kongress. Die haben alle recht kleine Ständchen und versuchen, entweder Kunden, Nutzer oder Kapital einzusammeln. Gerne würde ich jetzt von tollen Entdeckungen und Zukunftstechnologien berichten – aber leider habe zumindest ich nichts davon entdeckt. Es wurden unzählige Social Networks vorgestellt (z.B. ein Facebook für Tätowierte), Scraper zur Lead Generierung (also alle E-Mail-Adressen von LinkedIn), viele Marktplätze für alle möglichen Dienstleistungen (vermiete deine Wohnung tagsüber als Büro) – und noch vieles andere. Aber vom Hocker gehauen hat mich leider nichts davon.

Interessant war vielleicht noch am meisten Workplace von Facebook; quasi ein aktuell kostenloses Intranet basierend auf Facebook als White Label. Das fand ich ziemlich cool von der Idee her, da es einiges aggregiert, was sich heute auch bei uns auf viele verschiedene Plattformen verteilt wie Slack, Asana, WhatsApp oder Google Apps. Das schaue ich mir mal genauer an.

Resume

Lissabon ist eine wirklich tolle Stadt; die leicht morbide Optik und die Patina, die auf ihr liegt ist faszinierend und macht süchtig. Es hat großen Spaß gemacht, sie zu erkunden und zu entdecken. Das war auf jeden Fall eine gute und richtige Wahl vom WebSummit-Team.

Der Summit an sich hat bei mir vor allem im Vergleich mit der SXSW einen eher schwachen Eindruck hinterlassen leider. Er kam mir in Teilen so vor wie ein ramschiger Flohmarkt, auf dem jeder alles mitbringt, was er so bei sich im Keller bzw. an Ideen im Kopf findet. Auch der Aufbau der Hallen war ziemlich chaotisch fand ich und man hat sich zwischen den vielen Bühnen, größeren Ständen von Unternehmen und den zahllosen kleinen „Theken“ von Startups nur schwer zurecht gefunden.

Die Vorträge und Panels hatten alle tolle Titel und teilweise wirklich vielversprechende Personen und Namen aufgelistet – aber leider wurde so gut wie nie ein Thema mit Substanz eingelöst. In den aller meisten Fällen der Vorträge, die ich gehört habe, blieb man bei Plattitüden und an der vogelperspektivischen Oberfläche.

Auch die länge von nur 20-25 Minuten sorgte zwar für Abwechslung – hatte aber zur Folge, dass viele spannenden Themen und Gespräche in der Entstehung bereits abgebrochen werden mussten. Wirklich gelernt habe ich nichts leider. Aber das ist sicher stark subjektiv – 69.999 andere Besucher sehen das vielleicht anders.

Positiv erwähnen kann man aber auf jeden Fall, wie emotional der Event aufgemacht ist. Man hat viele Gänsehautmomente an der Center Stage mit der interessanten Beleuchtung und auch die Beschallung ist profimäßig gemacht. Wirklich großes Kino – und ebenso die App, die mich tatsächlich sehr gut durch die drei Tage gebracht hat.

Würde ich wieder hingehen? Hm. Auf keinen Fall für die Vorträge; hier erwarte ich mir nichts mehr außer zufällige Glückstreffer. Zwecks Partner- und Startup-Suche könnte man es noch einmal wagen – dann aber mit einer aufwändigen Vorbereitung und der Vereinbarung von Terminen vorab.

Auf jeden Fall weiß ich jetzt aber, dass ich 2017 wieder auf die SXSW gehen werde – davon habe ich nämlich auch in 2016 echt profitiert; wie man hier nachlesen kann

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