WebWissen: Die Absprungrate

In unserem neuen Format "WebWissen" erklären wir Begriffe aus der digitalen Welt. Wir geben Tipps und erläutern im Detail vermeintlich logische Schlagwörter, damit ein jeder bei Bedarf seine digitalen Wissenslücken schließen kann. Heute: Viel verschrien und oft verhasst - die Absprungrate auf Websites. Wir erklären, was sie eigentlich aussagt, wann sie wirklich schlecht ist und welche positiven Aspekte sie bergen kann.

Die Absprungrate – im Englischen und eingedeutscht auch „Bounce Rate“ – gibt den Anteil der Nutzer wieder, die eine Website gleich wieder auf der Seite verlassen, auf die sie auch eingestiegen sind – ohne dabei eine andere Seite zu besuchen.

Technisch ausgedrückt sind das Visits bzw. Besuche, die nur eine Page Impression bzw. einen Seitenaufruf haben. Und daher wird sie meistens so interpretiert, dass die Nutzer wohl den Eindruck haben, „auf der falschen Seite gelandet“ zu sein und dort „nicht richtig“ sind.

Zunächst muss man einmal festhalten, dass so gut wie jede Seite eine Absprungrate hat. Denn auf jeder Seite ist mal jemand falsch und geht sofort wieder. Der erste Schritt zur Analyse ist dabei die einzelnen Seiten anzuschauen, die überhaupt eine hohe Absprungrate haben. Dazu empfiehlt sich folgender Filter, um keine Seiten zu analysieren, die ohnehin kaum Relevanz haben:

Webanalyse - Filter für relevante Seiten
Filtereinstellungen im „All Pages“-Report zur Filterung relevanter Seiten

Hat man das getan – und behält man die vorherigen Überlegungen im Kopf – kann man diese Gründe für hohe Absprungraten festhalten:

„Darf ich mal kurz schauen?“

Die Nutzer sind tatsächlich „falsch gelandet“ oder wollten „nur mal kurz schauen“ – das gibt’s und damit muss man leben. Um hier mehr zu erfahren sollte man sich genau anschauen, über welche verschiedenen Zugriffsquellen die Besucher auf die Seite kommen und wie die jeweiligen Absprungquoten ausschauen (ja, das kann man pro Seite nach Zugriffsquelle auswerten). Gibt es z.B. über soziale Medien oder einen bestimmten Link oder ein bestimmtes Keyword hohe Absprungraten, dann könnte man sich gezielt überlegen, ob das schlimm ist und was man dagegen tun könnte (wenn man das will).

Ein positiver „mal schnell schauen“-Aspekt liegt auch oft in Zugriffen aus den sozialen Medien. Häufig kommen diese Nutzer nämlich direkt für den dort gesehenen Artikel oder Inhalt – und haben gar keinen Anreiz, mehr anzuschauen. Wenn also Facebook und Twitter zwar viel Traffic liefern aber hohe Absprungraten liefern nicht verzweifeln. Das ist ganz normal und viel Arbeit, dieses Potential mittelfristig zu heben.

Webanalyse - Seiten nach Absprungrate
Die Liste zeigt die Seiten unserer Website mit über 100 Zugriffen sortiert nach Absprungrate.

„Was zur Hölle ist denn das?“

Andere Seiten haben tatsächlich ein Problem – z.B. mit der Gestaltung der Seite, mit den Inhalten (bzw. deren Darstellung) oder schlichtweg der Ladezeit. Wenn der Nutzer die Seite lädt sieht er etwas, das ihn negativ überrascht und daher zu einem schnellen Abzug verleitet.

Von daher sollte man sich Seiten mit hohen Absprungraten zunächst einmal selbst in verschiedenen Browsern anschauen und prüfen, ob die Seite in allen auch korrekt dargestellt wird. Im Webanalyse-Tool kann mich sich pro Seite auch anschauen, ob einzelne Browser oder Endgeräte hohe Absprungraten liefern. Ist dem so, hat man schon einmal ein Problem erkannt. Auch kann man die durchschnittliche Ladezeit der Seite ermitteln. Liegt diese deutlich über dem Website-Durchschnitt könnte hier das Problem begraben liegen.

Webanalyse - Abbruchrate nach Browsern
Hier sieht man die Zugriffe auf einen Artikel nach Browsern.

„Und? Gibt’s was Neues?“

Häufig haben auch Seiten mit einer hohen Aktualisierungs-Frequenz hohe Absprungraten – oder Seiten, die viele Inhalte anbieten. Woran kann das liegen? Meistens daran, dass es eben doch einmal nichts Neues gibt und die wiederkehrenden Nutzer dann schnell wieder verschwinden. Und neue Nutzer – je nach dem, wie weit sie bereits im Thema sind – bekommen auf einer umfangreichen Seite einen Überblick und gehen eben wieder, wenn der Wissensdurst so gut gestillt wurde.

Um hier tiefer zu blicken kann man die Verweildauer auf der Seite über die Absprungrate legen – also wie lange bleiben denn die Personen, die auf der Seite keinen zweiten Klick machen? Dabei wird man auch wieder einige Nutzer mit einer kurzen Verweildauer unter zehn Sekunden finden, die dann in die oberen beiden Kategorien einzuordnen sind. Viele werden aber auch deutlich länger bleiben. Dies darf als Indiz gewertet werden, dass es Leute gibt, die einfach zufrieden sind mit den Informationen – und da gibt es erst einmal keinen Grund aktiv zu werden.

Auf der anderen Seite kann man sich die Absprungrate von treuen Nutzern auf einer bestimmten Seite anschauen. Ist diese hoch, dann könnte es daran liegen, dass die öfter kommen als man die Seite aktualisiert. Und wer bleibt schon auf einer Seite, auf der man schon alles persönlich relevante gelesen hat?

Somit ist die Absprungrate eine sehr wichtige Kennzahl für positive wie negative Effekte einer Website und ein zentraler Analyse-Gegenstand der Webanalyse. Aber es gibt keinen Grund, sie zu verteufeln. Weitere Infos zu anderen Kennzahlen kann man sich hier anschauen.

Headerbild von srslyguys via flickr.

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