Was ihr gegen Tracking durch Facebook und Google tun könnt

In unseren Workshops werfen wir einen sehr ausführlichen Blick in die Tracking-Fähigkeiten von Facebook und Google. Neben Begeisterung begegnet uns auch Skepsis und die Frage "Was kann ich tun, wenn ich das nicht will?" Daher stellen wir euch heute einige Tools vor, mit denen ihr privat das Tracking auf Desktop-Browsern in den Griff bekommt.

Ein Wort vorweg: Privacy-Add-ons reduzieren den Komfort zum Teil erheblich, denn Scripts werden nicht mehr automatisch ausgeführt und die Personalisierung von Seiten funktioniert auch nicht mehr. Daher würde ich empfehlen das Ganze mit einem parallel installierten Browser zu testen. Da ihr am Arbeitsplatz unter Umständen keine Möglichkeit habt Software zu installieren, ist dieser Artikel für den Heimgebrauch. Das Tracking auf Smartphones ist ein eigenes Thema, das den Rahmen des Artikels sprengen würde.

Was sind Cookies?

Cookies sind Textdateien, die euer Browser in einem vordefinierten Speicherplatz auf dem Rechner ablegt. Darin gespeichert sind die Zugangsdaten für Websites, die aufgerufenen Unterseiten und Einstellungen, wie beispielsweise die Sprachewahl. All das ist ein potentielles Risiko für die Datensicherheit des Nutzers, denn jeder Browser handhabt sie unterschiedlich und es können Rückschlüsse auf die Seitenbesucher gezogen werden. Cookies werden von Firefox beispielsweise standardmäßig akzeptiert. Wichtig ist zu wissen, dass große Teile des Trackings über Cookies abgewickelt werden und die meisten Gegenmaßnahmen auch dort ansetzen. Für weitergehende Maßnahmen, mit denen man auch dem eigenen Serviceprovider den Blick in die Karten erschweren kann, sind drastischere Schritte erforderlich.

Was sind Supercookies?

Reguläre Cookies haben nur einen begrenzten Speicherplatz und können bereits im Browser selbst verwaltet werden. Supercookies verfügen über ein Vielfaches des Speicherplatzes und werden zum Teil nicht direkt durch den Browser, sondern beispielsweise von Adobe Flash verwaltet. So kann es also passieren, dass trotz sorgfältigem Cookie-Management eine Seite über das Hintertürchen Supercookie-Daten abgreift und diese dann durch Skripte an Dritte weiterleitet. Im Gegensatz zu HTTP-Cookies, kann ein Supercookie Aktivitäten auch aus unterschiedlichen Browsern aufzeichnen: Ein Flash-Video würde so beispielsweise die Daten von Firefox und dem Internet Explorer am selben Ort speichern.

Inkognito- oder Privatmodus aktivieren

Der einfachste Schritt ist zu prüfen, ob der eigene Browser aktuell ist und falls das der Fall, ist den Inkognito-Modus zu aktiveren. Chrome, Firefox, Safari und sogar der traditionell etwas sperrigere Internet Explorer verfügen inzwischen über diese Option, die von Haus aus alle Daten nach dem Schließen des Browsers löscht. Das trifft auf jeden Fall für reguläre Cookies zu, bei Supercookies kann es zu Komplikationen kommen, da sie von Drittsoftware und nicht durch den Browser verwaltet werden. Viele Browseranbieter haben hier allerdings inzwischen nachgesteuert oder steuern gerade nach.

Der Inkognito-Modus erschwert das Tracking von aufeinanderfolgenden Sitzungen
Der Inkognito-Modus erschwert das Tracking von aufeinanderfolgenden Sitzungen

Privatsphären-Add-Ons installieren

Wer auf Nummer sicher gehen will und vor etwas Konfigurationsarbeit keine Angst hat, der findet für Firefox eine große Vielfalt an Add-ons, die das Verwischen der Spuren vereinfacht oder automatisiert.

uBlock / uBlock Origin

uBlock ist eine quelloffenes, plattformübergreifendes Plugin für Firefox, Chrome und Safari zum Filtern von Webinhalten, im Falle von uBlock vornehmlich Werbung. Es unterstützt außerdem die meisten populären Liste von Adblock Plus, das inzwischen durch Enthüllungen in verschiedenen Reportagen in Verruf geraten ist. Einer der Hauptgründe speziell Werbung zu blockieren, ist, dass Werbebanner auch zum Platzieren von Cookies durch Drittanbieter verwendet werden.

Privacy Badger

Privacy Badger wird von der Electronic Frontier Foundation zur Verfügung gestellt und zeigt in einer recht zugänglichen Oberfläche auf, was für Tracker auf einer Webseite aktiv sind und unterbindet das Tracking über mehrere Webseiten hinweg – übrigens einer der Gründe, warum die Schuhe, die ihr euch auf Amazon angesehen habt, plötzlich als Google-Werbung und Facebook-Ad auftauchen. Der Vorteil gegenüber dem proprietären Ghostery ist, dass es der GNU-Lizenz unterliegt und die EFF eine gemeinnützige Organisation ist. Privacy Badger ist für Chrome und Firefox verfügbar.

Ghostery

Ähnlich wie bei Adblock Plus steht hinter Ghostery ein Unternehmen (Evidon), das die blockierten Tracker und somit das Nutzerverhalten aufzeichnet und Dritten zugänglich macht, wenn der Nutzer zustimmt Ghostrank zu nutzen, um die Entwickler zu unterstützen. Der Vorteil von Ghostery ist, dass es trotz der komplexen Materie sehr zugänglich ist und die NutzerInnen sehr schnell informierte Entscheidungen treffen können. Im Gegensatz zu Privacy Badger, ist es auch auf allen großen Plattformen und sogar mobilen Endgeräten verfügbar. Allerdings muss man sich in diesem Fall darauf verlassen, dass der Entwickler bei einem Opt-out keine individuellen Daten übermittelt.

NoScript

Es gibt eine ganze Reihe von Angebote an Blockern für die verschiedenen Browser. Der Rundumschlag, allerdings bisher nur für Firefox, ist NoScript: Es blockiert JavaScript, Java, Flash, Silverlight und andere aktiven Inhalte einer Webseite. Blockierte Elemente werden angezeigt und können per Klick erlaubt werden. Dazu können vertrauenswürdige Seite durch den Nutzer auf eine Freigabe-Liste gestellt werden. Das Add-on hat den Nachteil, dass es durch das rigorose Blockieren aller Elemente die Funktion von Webseite stark einschränkt oder sogar komplett zerstört und diese erst durch eine Freigabe und das Neuladen wieder hergestellt werden kann. Gerade bei Shoppingportalen kann es durch das Plugin zu katastrophalen Aussetzern kommen, bei denen Login-Daten oder Bezahlinformationen verloren gehen, weil die entsprechenden Skripte blockiert werden.

Der Wechsel zum Tor Browser

Der Tor-Browser basiert auf einem modifizierten Firefox-Browser und kommt von Haus aus mit den Add-ons NoScript und HTTPS Everywhere. Nach dem Ende einer Sitzung löscht er außerdem alle Cookies und die besuchten Seiten. Zusätzlich wird der gesamte Datenverkehr über das Tor-Netzwerk, das nach dem Prinzip des Onion-Routing die Webinhalte über ständig wechselnde Knoten leitet, die jeweils über eine eigene Verschlüsselung verfügen. Dadurch ist es zwar möglich den Ausgangs- und Endpunkt der Daten nachzuvollziehen, aber es ist in jedem Fall unverhältnismäßig aufwendig. Der Nachteil des Browser ist, dass durch die zahlreichen Zwischenschritte die Verbindung oft quälend langsam sein kann, viele Inhalte nicht lauffähig sind und Google Dienste möglicherweise von einem Angriff auf das eigene Google-Konto ausgehen – was dazu führt, dass einem Captchas vor die Nase gesetzt werden.

Onion-Routing erschwert Tracking
Onion-Routing erschwert Tracking

Schlusswort

Zusammenfassend ist es leider so, dass es keine bequeme Lösung gibt, um sich anonym im Netz zu bewegen, da mehrere Trackingmechanismen ineinandergreifen, die noch dazu mit der Funktionalität der besuchten Seiten verwoben sind. Es läuft darauf hinaus, wie unbequem man es sich selbst und den trackenden Instanzen machen will. Je höher die Anonymität, desto eingeschränkter ist die Nutzerfreundlichkeit. Ein guter erster Schritt ist es, die oben genannten Add-ons auf einer separaten Installation eines Browser auszuprobieren und den persönlichen Mittelweg zu finden und so einen Einblick zu bekommen, was beim Besuch des Lieblingsshops an Trackern angeworfen wird.

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