Von No-Screen bis Big-Screen – wir müssen das Internet neu denken

Viele Website-Betreiber sind von der Mobile-Welle komplett überrannt worden und können mit kleinen Screens immer noch nicht umgehen. Gleichzeitig messen wir immer mehr Zugriffe über Big-Screens, große TV-Bildschirme also. Und jetzt das: In naher Zukunft müssen wir uns auch noch um ein Internet kümmern, das ganz ohne Screens auskommt.

Heute messen wir auf den Websites, die wir betreuen und bei unserer Arbeit in die Finger bekommen, mobile Zugriffe von bis zu 40% – und das nicht nur bei jungen Zielgruppen. Von dieser Entwicklung, die das vergangene Weihnachtsgeschäft nochmal ordentlich beschleunigt hat, wurde viele Website-Betreiber komplett überrannt. Viele liefern keine mobile Website, von einem Responsive-Design ganz zu schweigen.

Und dann taucht plötzlich eine weitere Bildschirm-Größe in den Analyse-Tools auf, die noch viel weniger Website-Betreiber auf dem Schirm hatten: Die Big-Screens von Smart-TVs, die längst nicht perfekt sind für den Zugang ins Internet – aber immer besser werden.

Chefstratege André Hellman hat beim ersten strategen/machen/feierabend im November 2013 dazu einen Impuls-Vortrag gehalten. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:

„16,5 % der deutschen Haushalte haben heute schon internetfähige TV-Geräte und bis Ende 2013 sollen es 25% sein. Neue Geräte/Generationen werden sogar bereits internetfähig ausgeliefert. Wir beobachten, dass immer mehr Inhalte über „Big Screens“ im Wohnzimmer abgerufen werden – vor allem in den Abendstunden zur TV Prime Time. Das dies für die Designer und Programmierer von Webanwendungen von großer Bedeutung ist, liegt längst auf der Hand.“

Wer sich den Vortrag nochmal ansehen möchte – bitteschön:

Und jetzt das: Plötzlich hört man immer öfter, dass das Internet der (nahen) Zukunft noch um eine weitere Facette reicher wird: Geräte ohne Bildschirm. Was, wieso, warum, weshalb? Wer es ganz genau wissen möchte sollte sich eine ganze Stunde (!) Zeit nehmen, und sich die folgende Präsentation mit dem Titel „Schöner Ranken: Wir verändern uns. Suchmaschinen verändern uns.“ von Karl Kratz ansehen:

Der Vortrag ist aus SEO-Sicht – also in erster Linie für alle spannend, die Suchmaschinenoptimierung betreiben. Wer davon nicht viel versteht oder keine Stunde Zeit hat für das Video lese folgende Erkenntnisse, die ich beim Ansehen hatte:

  • Wir werden immer mehr Frage-Antwort-Maschinen und immer weniger Websites verwenden. Siri und Google Now sind zwei gute Beispiele: Wir stellen eine Frage und bekommen direkt eine Antwort, ohne eine Website besuchen zu müssen.
  • Unsere Gadgets werden immer mehr für uns mit- und vorausdenken und uns in entsprechenden Situationen die richtigen Infos liefern, ohne dass wir überhaupt fragen müssen.
  • Websites werden in Zukunft weniger Traffic abbekommen, weil Nutzer anders suchen und mehr Geräte ohne Screens verwenden.
  • Trotzdem bleiben die Websites enorm wichtig, denn woher sollen Frage-Antwort-Maschinen ihre Informationen sonst beziehen? Wir müssen also weiter hart daran arbeiten, inhaltlich die besten Websites zu erstellen. Und technisch. Man denke zum Beispiel an die Auszeichnungen nach schema.org, die Crawlern dabei hilft, Content besser zu verstehen.
  • Wir müssen unsere Inhalte, Daten, Fakten aber auch möglichst breit streuen. Es gibt ja nicht nur Google – und andere Dienste nutzen auch andere Quellen. Wie im Vortrag von Karl zu lernen war, mag Siri beispielsweise Yelp ganz gerne – ein guter Grund also, auch dort seine Daten ordentlich zu pflegen, selbst wenn nicht viel Website-Traffic dabei rum kommen könnte.

Wer bis hier gelesen hat wird vielleicht nun auch besser verstehen, warum Google den Thermostat- und Rauchmelder-Hersteller Nest gekauft hat. Hier geht es weniger um die beiden Geräte an sich, sondern vor allem was dahinter steckt: Vernetzte Geräte (ohne Screens), die unser Leben vereinfachen und komfortabler machen sollen, die über uns und unser Verhalten lernen und sich selbständig auf unsere Bedürfnisse anpassen.

Und heute Nacht überraschte mich Google mit einer weiteren Ankündigung: Google testet im Augenblick eine Kontaktlinse mit Chip, die Diabetikern helfen soll, einfach und unkompliziert den Blutzuckerspiegel zu messen.

Die vernetzte Welt steht also noch ganz am Anfang und wir dürfen uns auf viele Gadgets und Anwendungsmöglichkeiten vorbereiten, die wir uns vielleicht nicht mal in unseren Träumen vorstellen können. Es bleibt spannend.

Was denkt ihr, welche Geräte und Anwendungen könnt ihr euch vorstellen?
Spürt ihr (auch) ein Drücken in der Magen-Gegend, wenn ihr an diese Vernetzung denkt? Wie glaubt ihr, werden eure Kinder mit solchen Geräten umgehen? Auch hier sei nochmal das Video von Karl angepriesen, denn er geht auch auf diese Fragen ein…

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