Und was ist bitte Graswurzel-Journalismus?

Laut Wikipedia ist Graswurzel-Journalismus, auch partizipativer Journalismus oder Bürgerjournalismus genannt, „eine Form des Journalismus, bei der Bürger durch eigene Medien am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen können.“

So weit, so gut.

Meist hört beziehungsweise liest man diese Begriffe im Zusammenhang mit Blogs, Foren oder Sozialen Netzwerken. Fast jeder hat heutzutage ein modernes Smartphone. Und die meisten haben es immer dabei. Ein Bild machen, einen Kommentar dazu schreiben und das Ganze dann innerhalb von Sekunden in Facebook laden. Das kennen die Meisten. So kann jeder Amateur mit einfachsten Mitteln im Internet publizieren, und das in Echtzeit.

Die Verbreitung von Inhalten über Massenmedien als Plattform verschafft den Menschen natürlich mehr Möglichkeiten und mehr Einfluss. Doch wo die Freiheiten und die Möglichkeiten der Einzelpersonen anfangen, da beginnt auch die Furcht der Journalisten um ihr Monopol. Wenn plötzlich die Leser nicht nur Rezipienten sind, sondern selbst Inhalte produzieren und zu Reportern, Fotographen und Journalisten gleichzeitig werden.

In einem Bericht der FAZ wird die Problematik in einem wundervollen Satz deutlich. „Und das Fernsehteam hört kurz auf, Bilder von den Polizisten und der Schnapsleiche zu machen, und macht statt dessen Bilder von dem Mann, der es doch tatsächlich gewagt hat, Bilder von den Polizisten und der Schnapsleiche zu machen.“

In Deutschland darf sich jeder Journalist nennen. Nach Artikel 5 des Grundgesetzes wird jedem die freie Äußerung seiner Meinung garantiert. Nur bisher war das einfach ohne Bedeutung, weil es nicht für jeden möglich war. Früher konnte jeder Journalist sein, aber nicht alle konnten Journalisten sein. Diese Zeiten in denen einfache Bürger nur als Betroffene oder Augenzeugen befragt wurden sind ein für allemal vorbei. Die Zeiten in denen die Leserbriefeschreiber und Amateurjournalisten der Bürgerradios noch belächelt wurden.

Die Profis betrachten diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Einerseits haben sie Angst vor den Schaulustigen, Spannern und Spitzeln. Davor, dass ein Amateur vor ihnen an der Unfallstelle sein wird oder, dass Informationen ohne sorgfältige journalistische Recherche und Wissen um etwaige Persönlichkeitsrechte veröffentlicht werden.

Andererseits hetzt Bild trotzdem Leserreporter auf Prominente, der Stern betreibt das Portal view und die Saarbrücker Zeitung bittet Leser um Lokalnachrichten.

Doch der Erfolg gibt ihnen Recht. Denn nur weil diese Amateurreporter keinen Presse-Ausweis um den Hals tragen, heißt das nicht, dass sie keine gut recherchierten und gesellschaftlich relevanten Beiträge verfassen können. Das sind meist News, die in den herkömmlichen Medien gar keine oder nur wenig Beachtung finden würden, sich im Netz aber wie ein Lauffeuer verbreiten.

Es entsteht also aktuell eine Kluft zwischen bürgerjournalistischer Mitwirkung und professioneller journalistischer Arbeit. Dabei könnte der Graswurzel-Journalismus eine Erweiterung der klassischen Medien mit neuen, eigenständigen Formaten darstellen und so beide journalistischen Formen miteinander verbinden. Und davon würden dann nicht nur die Leser profitieren.

Am Ende bleibt trotz aller Diskussion aber kein Zweifel daran, dass der Graswurzel-Journalismus, im wahrsten Sinne des Wortes, in der Zukunft weiter wachsen wird.

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