Und es geht doch: Paid Service statt Paid Content

Als am vergangenen Freitag das Ende des Blogs medienlese.com verkündet wurde, war die Bestürzung unter den Lesern des Blogs groß. Vor allem die Rubrik „6 vor 9“ von Autor Ronnie Grob war offenbar von vielen Lesern sehr geschätzt.

Und dann nahm eine erstaunliche Geschichte seinen lauf – hier dokumentiert in Zitaten:

Initial-Tweet von Blogwerk-Chef Peter Hogenkamp (24.04.  5.34 Uhr):

Leider etwas sehr unerfreuliches: Wir stellen medienlese.com ein.

Tweet-Anfrage von Sachar Krowoj (24.04., 5.43 Uhr):

@phogenkamp Un wenn wir User monatlich spenden? Ich wäre bereit dazu.

Twitter-Reaktion von Peter Hogenkamp (24.04, 5.51 Uhr):

@sachark 150 Leute, die monatlich 5 Euro zahlen, könnten zumindest «6 vor 9» weiter finanzieren. Kannst ja einen Aufruf starten. #medienlese

Kommentar Nummer 12 als Reaktion auf das angekündigte Ende (24.04., 15.15 Uhr):

Wir wollen 6vor9 retten!
Wer ist dabei?
http://www.massenpublikum.de/blog/?p=1057

Und kurze Zeit später, Kommentar Nummer 14:

Dennis (12.) hat es angekündigt. Ich rufe dazu auf, medienlese über eine Spende zu retten. Ab 150 Unterstützern, die sich locker finden müssten, sind wir laut Peter Hogenkamp im Geschäft und können zumindest die Rubrik “6 vor 9″ retten. Mehr dazu hier:http://www.massenpublikum.de/blog/?p=1057

Drei Tage später, 27.04.,  erreicht mich um 19.49 Uhr folgende E-Mail:

Hallo Stephan Sperling,
das von Ihnen unterstützte Projekt „Erhalten der Rubrik „6 vor 9″“ wurde zu 100% erfüllt. (…)

Ich persönlich habe „6 vor 9“ so geschätzt, dass ich wie weitere 62 Menschen bereit war, einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Rubrik zu leisten. Nun wird es „6 vor 9“ zumindest bis Oktober weiterhin geben. Ein toller Erfolg!

Meiner Meinung nach läßt sich aus dieser Geschichte einiges lernen:

  1. Paid Content mag nicht funktionieren. Sehr wohl aber ein Service, der mir einen Nutzen bringt oder ein Problem löst. Im Fall „6 vor 9“ war es für mich eine Mischung aus beidem: Ronnie Grob hat mir einerseits geholfen, mit seiner Auswahl den Informationsdschungel ein Stück weit zu lichten. Zudem hat er mich regelmäßig auf Inhalte gestoßen, die ich selber nie entdeckt hätte – und die für mich wertvoll waren.
  2. Auch ein guter Service allein macht noch keinen Erfolg. Ein treue Fangemeinde muss man sich erarbeiten – indem man ein offenes Ohr hat, für seine Leser da ist und engagiert mit ihnen diskutiert.
  3. Vom Wunschtraum, jeden Nutzer zur Kasse bitten zu können muss man sich verabschieden. Und trotzdem sollte man den vielleicht vorhandenen Zahlungswilligen zumindest die Möglichkeit geben, auch tatsächlich einen Obolus zu leisten. Wenn es keinen „Spenden-Knopf“ gibt, wird auch nie jemand auf die Idee kommen, etwas zu zahlen. Und es wird sich auch nie eine entsprechende Bereitschaft unter den Internet-Nutzern entwickeln. Zahlungsanbieter und -systeme gibt es ja genügend – diese sind schnell und ohne großen Aufwand einsetzbar.

Sicher ist ihnen aufgefallen: Das Problem vom medienlese.com ist kein Blog-spezifisches Problem.
Auch die Verlage im Land könnenmüssen hieraus etwas lernen. Solange das Geld aus dem Printgeschäft noch zur Quersubventionierung reicht, ist der Druck aber scheinbar nicht groß genug. Derart abgesichert bleiben in vielen Fällen Herzblut und Interaktion mit dem Leser noch viel zu oft auf der Strecke.

Zuletzt vielen Dank an Sachar Kriwoj für die Aktion „Rettet 6 vor 9“ und sein Engagement – und viel Vergnügen an Ronnie Grob, der uns in den nächsten Monaten weiterhin beglücken darf!

Update: Eben habe ich ihm noch Gedankt, jetzt bin ich auch noch ganz seiner Meinung!

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