Studieren geht über lamentieren

Im Gespräch mit Verlegern, Geschäftsführern und Verlagsleitern hören wir oft, wie schwer es heutzutage anscheinend ist, junge und fähige Leute für den Verlag zu gewinnen. Die Problematik spiegelt sich oft in überalterten Belegschaften wider. Was keinesfalls abschätzig gemeint ist, denn in vielen Häusern sind die älteren Kollegen die Leistungs- und Kompetenzträger. Doch was, wenn diese Leistungsträger in ein paar Jahren in Rente gehen? Und überhaupt: wo ist die Digitale Elite, die die Zukunft des Unternehmens gestalten und erhalten soll?

Die Arbeit im lokalen Medienunternehmen ist für viele junge Leute einfach nicht mehr attraktiv. Es lockt die Groß- und/oder Studentenstadt aus der Ferne. Die meisten fühlen sich zwar mit ihrer Heimat verbunden. Dorthin zurück kehren sie in der Regel erst viele Jahre später oder eben gar nicht mehr. Das macht die Suche nach guten, jungen Leuten nicht gerade einfacher. Aber es gibt bessere Strategien als „Kopf in den Sand“. Die gute, alte Ausbildung ist ein Weg. Für die operativen Bereiche funktioniert das in den meisten Häusern schon sehr gut. Beim Führungs- und Managementnachwuchs wird das schon schwerer.

Wie komme ich überhaupt auf das Thema? Wir netzstrategen sind Partner der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Im Rahmen dieser Partnerschaft war ich als Prüfer im Studiengang BWL – Medienkommunikationswirtschaft / Digital und Print an der DHBW Ravensburg zu Gast. Dort haben die Studierenden des 4. Semesters gerade ihre zweite Praxisarbeit geschrieben und diese innerhalb der mündlichen Prüfung präsentiert. Ich durfte insgesamt 21 Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen begutachten. Von der Einführung einer digitalen Zeitung bis hin zu Fundraising für Bildungseinrichtungen war alles dabei.

Ein paar Dinge hatten alle Vorträge gemein: die Studierenden konnten allesamt professionell präsentieren. Sie haben sich alle stark mit ihren Unternehmen identifiziert. Die fachliche Tiefe war insgesamt sehr gut ausgeprägt. Dazu waren alle mit Leidenschaft für Ihr Thema (und ihre Gattung) bei der Sache. Und vielleicht das Wichtigste: die Studierenden fühlen sich in den digitalen Medien zuhause, und lernen in den Praxisphasen das „alte Geschäft“.
Was möchte ich jetzt damit sagen? Das duale Studium ist ein möglicher Weg, dem Nachwuchs- und Fachkräftemangel zu begegnen. Ich persönlich gehe sogar soweit, dass jedes Medienhaus – egal ob groß oder klein – sich hier beteiligen sollte. Denn so holen Sie sich digitales Wissen ins Haus, das sich vom ersten Tag mit dem Haus identifiziert und die nötige Leidenschaft besitzt, die Zukunft des Unternehmens zu gestalten.

Disclaimer: Dieser Beitrag ist meine persönliche Ansicht. Ich bin als Absolvent und Dozent der DHBW sicher kein unabhängiger Beobachter. Das sollte man bei der Lektüre auf jeden Fall beachten. Aber ich steh zu dieser Ansicht und freu mich über Kommentare – egal ob Widerspruch oder Zustimmung.

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