Strategen-Prophezeiung: Internet Trends 2015

Das Internet geht mit dem bevorstehenden Jahreswechsel wieder in eine neue Runde. Mittlerweile sollte auch dem größten Zweifler bewusst geworden sein, es geht nicht mehr weg und "Verweigerung" ist zwecklos. Doch was genau können wir für 2015 erwarten und welche Bereiche sollte man genau im Auge behalten? Wir wagen mal ein paar Prognosen.

Wir netzstrategen bezeichnen uns als Team aus Spezialisten. Jeder von uns hat seinen eigenen Fachbereich. Manchmal auch zwei oder drei – aber immer geben wir uns Mühe, fundierte Antworten und Ratschläge zu geben. Einige von uns haben den Blick in die Glaskugel der digitalen Welt gewagt und Ihre Prognosen für 2015 sind hier zusammen getragen:

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André Hellmann über Handel und Verlage:

„Für den Handel wird sich 2015 zeigen, welche der vielen verschiedenen Modelle sich bewähren werden. Denn dieses Jahr starteten die verschiedensten Konzepte zwischen klassischen eCommerce, curated online-shopping, Multi- und Omnichannel-Commerce bin hin zu der digitalen Kommerz-Abstinenz. Wir werden sehen, wie sich die verschiedenen Ideen der mittleren und großen Unternehmen durchsetzen – und vor allem, wie deren Erfolg bewertet werden wird. Noch immer fehlen die verlässlichen Messmethoden, um den wechselseitigen Einfluss auf das Recherche- und schlussendlich Kaufverhalten zu ermitteln – denn die Studien sagen immer mal das eine oder andere. Am Ende wird es der Kunde entscheiden, wem er wo und aus welchem Grund sein Geld in die Hand drückt.

Im Medienumfeld habe ich das Gefühl, dass ein wenig Ruhe einkehrt. Die Anzahl der neuen Ideen und Modelle ging zurück; Paid Content ist auf dem Vormarsch auf den Verlagswebsiten und erste Erfahrungen werden ausgetauscht. Dass das E-Paper auf Tablets eine Erfolgsgeschichte mit Potential ist, ist ebenfalls geklärt und wird nun weiter vorangetrieben. Aber es sind keine komplett neuen Dinge mehr, die da durch’s digitale Dorf getrieben werden. Im Gegenteil: Schaut man unsere Projekte im Medienbereich an, so handelt es sich viel mehr darum, die digitalen Vertriebs- und Marketingwerkzeuge kennen- und anwenden zu lernen, damit eben auch der digitale Markt so professionell bearbeitet werden kann, wie viele Verlage es bereits mit den klassischen Werbekanälen tun.“


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Gloria Mussago über Webanalyse und Tracking:

„Im kommenden Jahr wird sich der Fokus in der Webanalyse noch mehr dem Nutzer zuwenden. Gleichzeitig rückt die Visit-Betrachtung mehr in den Hintergrund. Den einzelnen Nutzer will man besser kennen lernen: Wer ist er? In welcher Situation besucht er die Website oder nutzt die App? Wann nutzt er den PC und wann sein Smartphone oder Tablet? Die sogenannte User Journey – der Weg, über den der Nutzer zur Website/App findet – und wann, wo und in welcher Situation er konvertiert, wird interessanter werden als die Anzahl der Page Impressions. In diesem Zuge spielt auch Cross Device Tracking eine immer größere Rolle, also den einzelnen Nutzer auf seinen verschiedenen Geräten wiederzuerkennen.
Ein weiteres spannendes Feld wird das Tracking von Responsive Content sein. Welche Inhalte funktionieren bei einem Nutzer/ einer Nutzergruppe besonders gut? Potential bietet auch noch der Bereich Benchmarking, den Google noch weiter ausbauen könnte. Außerdem sind die Möglichkeiten der Datenanreicherung in Webanalyse-Tools noch nicht ausgeschöpft.“



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Dominik Horn über SEO:

„Backlinks werden noch nicht tot sein, sie werden auch nach 2015 noch ein wichtiger Faktor zur Berechnung der Rankings bei Google sein. In 2015 wird es dennoch noch wichtiger, perfekt auf die Erwartungen des Users zugeschnittenen Content zu haben. Die ersten größeren Websites werden Versuche mit Responsive Content durchführen. Generell dreht sich (fast) alles um die Onsite Optimierung. Neben den Inhalten selbst wird semantisch korrekter Code wichtiger werden und die Auszeichnungen nach schema.org noch stärker zum Tragen kommen.

Gerade aktuell in einer Studie herausgefunden: User-Signale haben einen sehr starken Einfluss auf die Rankings. Macht eure Hausaufgaben und optimiert eure Snippets, fahrt Tests und experimentiert. Neben den Nutzern wird auch Google glücklich sein.“



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Stephan Sperling über CrossCommerce:

„Liebe Händler, misstraut nicht uns Kunden, nur weil wir uns online informieren!
Es ist einfach bequem für uns, online zu suchen, Bewertungen zu lesen und Preise zu vergleichen. Wir müssen aber nicht auf Teufel komm raus in Online-Shops bestellen. Ihr müsst uns nur, da wo wir suchen, sagen, dass es euch gibt! Webrooming heisst das – und das macht uns noch viel mehr Spaß als Showrooming! Zeigt uns was ihr habt, was ihr uns bietet und dass ihr für uns da seid! Baut ordentliche Websites, nutzt Google Adwords und lokale Shopping-Anzeigen! Sagt uns, warum ihr besser seid, als der Online-Shop. Es zählt nicht immer der Preis!“ Mehr dazu lesen Sie hier.


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Dominik Braun über Social Media:

Audio-Visueller Content auf dem Vormarsch
Alle großen Social Media Plattformen haben den Trend erkannt und bereits reagiert. Facebook hat Videos stärken in den Fokus gerückt, Instagram hat mit Hyperlapse für Aufsehen gesorgt, Twitter wird es zukünftig ermöglichen Videos aufzunehmen und direkt zu veröffentlichen und visuelle Plattformen wie Pinterest sind auf dem Vormarsch. Studien zeigen, dass visuelle Inhalte und visuelle Netzwerke deutlich höhere Interaktionsraten aufweisen. Audio-Visuelle Inhalte werden die sozialen Medien immer mehr einnehmen. Darauf müssen sich sowohl die Netzwerke, mit entsprechenden Filtern und Algorithmen, als auch Unternehmen einstellen. Dröge Textpostings oder Beiträge mit langweiligen Keyvisuals werden im Überangebot untergehen.

Fragmentierung in Themencommunities
Sie werden oft als Relikt längst vergangener Tage angesehen, doch eins ist Fakt: nirgends wird so angestrengt über spezielle Fachthemen diskutiert wie in Foren. In großen sozialen Netzen ist es, aufgrund der Themenvielfalt und Masse an Informationen, schwierig den Überblick zu einem bestimmten Thema zu behalten. Die Großen der Branche haben das längst erkannt und reagiert. Facebook Gruppen und und Google+ Communities sind etablierte Anlaufstellen für den Austausch. Mit Facebook Groups verfolgt Facebook weiterhin seine App-Strategie und will Themencommunities zum ständigen Begleiter in der Hosentasche machen. Und WhatsApp-Gruppen sind aus dem privaten Alltag vieler Millionen nicht mehr wegzudenken. Die Fragmentierung solcher Communities wird weiter voranschreiten und neue, themenspezifische Social Media Plattformen werden sich bilden. Unternehmen und Marken haben dadurch die Chance eine kleine aber sehr loyale Community in ihrer Nische aufzubauen.



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Mira Brendel über Online-Marketing:

Brands werden Publisher
„Dass Unternehmen sich, ihre Leistungen und Produkte im Web präsentieren müssen um überhaupt sichtbar zu sein dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Doch das reicht nicht mehr aus um auch relevant zu sein. Will ein Unternehmen im Kampf Aufmerksamkeit aus der Masse herausstechen, muss es lernen, seine Inhalte in Geschichten zu verpacken und diese möglichst kreativ an die relevante Zielgruppe zu kommunizieren. Um Markenziele wie Branding zu erreichen spielt die Themenvielfalt dabei eine entscheidende Rolle. Insights, Tipps, Nutzererfahrungen und Stories die vielleicht auch nur entfernt mit dem Unternehmen oder dessen Produkten zutun haben sind wichtiger und effektiver als die plumpe Verbreitung von Werbebotschaften. Dieser „Trend“ wird sich weiter verstärken. Marken müssen sich zwangsläufig damit auseinanderzusetzen, eigene, gute Inhalte produzieren und so immer mehr zum Publisher werden.

Events im Realtime Marketing nutzen

Spätestens seit diesem Tweet von Oreo, als Reaktion auf den Blackouts beim Superbowl, geistert der Begriff Realtime Marketing durch’s Netz und die Köpfe von Social Media Experten. Ein Blick auf Google Trends legt die Vermutung nahe, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Suchvolumen und diesem Tweet beseht. Damit ein Tweet wie der von Oreo um die Welt geht, ist eine extrem schnelle Reaktionszeit nötig. Solch ein Tweet gleicht einem 6er im Lotto, in Zeiten in denen das Smartphone als Second Screen ein ständiger Begleiter ist, kann das enorme Potential des Realtime Marketings mit guter Planung jedoch strategisch genutzt werden. Diese Tweets von Adidas oder dieses Video von Bayern3, im Rahmen der Fußball WM 2014, zeigen wie man mit einem Mix aus vorbereitetem Content, gutem Timing, Kreativität und einem guten Gespür für die Community Synergien nutzen kann. Anderen Marken wie z.B. Hyundai haben dagegen nicht verstanden um was es im Realtime Marketing eigentlich geht. Ziel des Realtime Marketings ist es nicht, Produkte direkt zu bewerben und bestimmte Ereignisse als Aufhänger dafür zu verwenden, sondern die Marke indirekt zu stärken indem man sich als kreativer, kompetenten und smarter Ansprechpartner positioniert. Realtime Marketing erfordert neben Kreativität, perfektem Timing und kurzen internen Kommunikationswegen vor allem eins: Mut!

Und natürlich nicht zu vergessen: Unser alter Bekannter, das Mobile-Marketing. Dies zieht natürlich auch in 2015 weiter die Optimierung für mobile Endgeräte mit sich.“

In diesem Sinne, eine fröhliche Weihnachtszeit und natürlich ein erfolgreiches digitales Jahr 2015.
Ihre netzstrategen.

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