simply local – Shopping-Lösung für den stationären Einzelhandel

In unserem Interview mit Matthias Dose, Project Manager simply local, fragen wir mal genauer nach: Wie funktioniert die Plattform, welche Vorteile versprechen sich die Macher für Händler - und was hat die Nordwest-Zeitung im bisherigen Projekt gelernt? Freuen Sie sich auf spannende Einblicke hinter die Kulissen der lokalen Shopping-Plattform "simply local".

Hinweis: simply local startet offiziell im August/September und wartet darauf, von euch getestet zu werden!

Unser Interview-Partner Matthias Dose von simply local bei der Arbeit.
Unser Interview-Partner Matthias Dose von simply local bei der Arbeit.

Erkläre bitte in wenigen Sätzen, was simply local ist.
simply local ist die Online Shopping-Lösung für den stationären Einzelhandel. Die Mission von simply local ist es, den stationären Handel wieder stärker in das Bewusstsein der Online Shopper zu rücken – und dies ganz konkret über regionalverfügbare Produkte in Google-Ergebnissen abzubilden. Damit erhält der Handel eine leistungsfähige Plattform, um seine Produkte auch online anzubieten, ohne dem direkten Online-Wettbewerb auf Amazon oder Ebay ausgesetzt zu sein. Die Nutzer der Plattform können so location-based und in Echtzeit die verfügbaren Produkte in ihrer Umgebung erkunden – und das sogar deutschlandweit.

Als Verlag ist es unsere Aufgabe, unseren Gewerbekunden zeitgemäße und effiziente Marketinglösungen zu bieten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, als Verlag dieses Projekt in die Hand zu nehmen?
Als Verlag ist es unsere Aufgabe, unseren Gewerbekunden zeitgemäße und effiziente Marketinglösungen zu bieten. Das geht natürlich weit über das klassische Print-Geschäft hinaus – es geht vielmehr um die intelligente Verzahnung von Agenturleistungen und Verlag, online wie offline. Da darf ein innovatives Produkt wie simply local im Portfolio nicht fehlen. Wir sind überzeugt, dass der Local Commerce das Zeug zum Gamechanger hat. Wir beobachten, dass derzeit viele Online Shops den Weg in den stationären Handel suchen – wir bereiten mit simply local den Weg für den stationären Handel ins Netz und zeigen damit, dass der Local Commerce eine effiziente Synergie aus Online- und Offlinekanal bildet.

Wie viel Überzeugungsarbeit musstet ihr intern leisten?
Insgesamt sehr wenig, da wir über ein hervorragend aufgestelltes Beteiligungsmanagement verfügen und deutschlandweit als Venture Capital-Geber an zahlreichen innovativen Start-ups beteiligt sind. Somit gehören Handling und Management zum Tagesgeschäft der NWZ Digital. Bei simply local geht das Engagement über das klassische Beteiligungsmanagement hinaus und wird um eine operative Komponente erweitert. Eine eigene Project -Unit kümmert sich um die Vermarktung und den regionalen Roll-Out innerhalb der Verlagsregion.

Wir wollen zeigen, dass die Kenntnis um die Belange und Bedürfnisse der regionalen Kunden ein absoluter Verlags-Asset ist.

Wie lange arbeitet ihr nun schon an simply local?
Wir arbeiten seit knapp einem Jahr an simply local. In dieser Zeit wurden zahlreiche Longtail- und Shorttail-Händler für simply local gewonnen, gute Gespräche mit Wirtschaftsförderungen, den IHKs, dem BVMW und dem HDE geführt, es gab zahlreiche Feedbackgespräche und Bewertungen (u.a. McKinsey), alles auf das Ziel fokussiert ein Produkt zu entwickeln, welches sich mit eCommerce-Plattformen wie Amazon, Ebay oder Zalando messen kann. Zeitgleich ist simply local stets eine Plattform auf Augenhöhe mit dem stationären Handel. Bezogen auf die Stadt Oldenburg sind bereits über 42 Händler mit über 320.000 Angeboten online, deutschlandweit sind es über 7.800 POS, die mit regionalen Warenverfügbarkeiten oder Online-Bestellmöglichkeiten auf simply local integriert sind. Wir wollen damit zeigen, dass es nicht die Großen wie zum Beispiel Rocket Internet als alleinige Inkubatoren für eine Portallösung bedarf, sondern dass die Kenntnis um die Belange und Bedürfnisse der regionalen Kunden ein absoluter Verlags-Asset ist.

Warum habt ihr das Projekt gleich bundesweit aufgezogen und nicht erst in Oldenburg angefangen?

simply local ist als Portal der x-place GmbH grundsätzlich überregional aufgestellt und profitiert von der Reichweite der Verlage. Wir glauben, dass es im Beteiligungskollektiv mit anderen Verlagen (Wilhelmshavener Zeitung, Weser-Kurier, Göttinger Tageblatt, Schwäbisch Media, Aschendorff, Rhein Main Digital und Nordwest-Zeitung) durchaus sinnvoll ist simply local national zu etablieren und eine Internationalisierung sukzessiv folgenzulassen. Mit der Media-Saturn-Holding haben wir einen starken Gesellschafter an Bord. Die Verlage bringen in diese Liaison natürlich auch ihre Reichweite ein, um die Plattform erfolgreich zu vermarkten und regional zu etablieren. Die Media-Saturn-Holding verfügt über ausgezeichnete Kontakte zu Lieferanten und Herstellern, so dass wir die Angebote unserer stationären Händler mit hochwertigem Content auf simply local ausspielen können. In dieser Konstellation sind die Bereiche Owned/Earned/Paid perfekt abgedeckt – natürlich mit entsprechendem Aufwand dahinter. Da die steigenden Umsatzentwicklungen im e-Commerce den Handel überall in Deutschland (und letztlich weltweit) betreffen, ist das erklärte Ziel von simply local, eine ganzheitliche nationale Lösung inklusive Marketing und Backend für den stationären Handel anzubieten und so die Synergien noch stärker zu nutzen, da auch über die Stadtgrenzen hinaus die Produkte gefunden werden können.

Wir wollen den stationären, regionalen Handel positionieren – und zwar nicht gegen, sondern mit dem Online-Kanal als zusätzlichen Vertriebsweg gegen die digitalen Pure Player.

Ihr habt ja auch die großen Filialisten wie Mediamarkt & Co im Portfolio. Diese Händler sind ja Online ohnehin schon sehr präsent und deutlich besser aufgestellt, als der kleine Händler mit einer oder wenigen Filialen. Habt ihr keine Angst, dass ihr damit die kleinen Händler abschrecken könntet?

Genau da setzt simply local an und holt auch die kleineren Händler mit geringer oder keiner digitaler Infrastruktur wie Warenwirtschaftssystem oder Shop-Lösung ab. Letztlich wollen wir den stationären, regionalen Handel positionieren – und zwar nicht gegen, sondern mit dem Online-Kanal als zusätzlichen Vertriebsweg gegen die digitalen Pure Player. Die Filialisten braucht simply local ebenso wie die lokalen Händler, damit wir eine Vielzahl von Angeboten auf dem Portal generieren können. Allein in der Stadt Oldenburg sind mit Long- und Short-Tailern bereits über 55 Läden und Filialen mit mehr als 550.000 Artikeln verfügbar. Das Verhältnis der Händler und Filialisten ist dabei extrem ausgewogen – wenngleich die Filialisten durch eine bessere digitale Infrastruktur wesentlich mehr Artikel einsteuern können. Die Ziele sind jedoch stets identisch, nämlich die Fußgängerzonen und Einkaufszentren wieder mit Leben zu füllen. Es hat sich gezeigt, dass ein ausschließlicher Appell nicht ausreicht, sondern dass der Handel sich auf den zunehmend digitaler agierenden Kunden zu bewegen muss.

Ein Händler der keine Warenwirtschaft hat, pflegt bei euch im Backend seine Daten. Bekommt er die da auch wieder raus, wenn er zum Beispiel in zwei Jahren einen eigenen Online Shop aufmachen möchte?

Das ist natürlich möglich, wenngleich ein Online Shop simply local nicht ersetzt. So sind bereits heute schon viele regionale Anbieter mit Online Shop auf simply local gelistet um Reichweite zu bekommen – vorausgesetzt es besteht der Zugang zum stationären Geschäft mit einem eigenen Point of Sale, da reine Online Shops nicht auf simply local gelistet werden. Auch die Duplicate Content-Thematik wird durch eine stetig wachsende Golden Content-Datenbank (simply local bietet eine Contentdatenbank für die Händler an, so dass auf vorhandene Inhalte wie Produktbeschreibungen zurück gegriffen werden kann) bereits heute schon für viele Produkte und Branchen gelöst, so dass eigene SEO-Maßnahmen durch simply local nicht abgewertet werden können.

Wenn mehrere Händler dasselbe Produkt anbieten – wer hat dann die Hoheit über Beschreibungstexte & Bilder?

Die liegt grundsätzlich immer beim Händler, der das Angebot eingestellt hat – auch hier mit der Ausnahme der Golden Content-Datenbank. Gefunden werden die Produkte über Tags wie Marke, Modell, EAN/MPN, etc. und auf Angebotsebene werden individuelle Produktinformationen angezeigt. So kann auch der Hinweis auf Individualleistungen wie z.B. eine kostenfreie Lieferung und Montage im Angebot ergänzt werden.

simply local ist ja offenbar noch nicht responsive? Wie passt das zu einer mobilen Nutzung von über 50%? Der Charme der Suche ist doch eigentlich, auch „unterwegs in der Stadt“ mal schnell nachschauen zu können, wo ich ein bestimmtes Produkt bekomme.

Die Nutzung von simply local auf mobilen Endgeräten wird mit zunehmender Tendenz das größte Nutzungsszenario, ganz im Sinne von Everywhere Commerce, sein. Im letzten Deployment wurde die Responsivität der Seite deutlich verbessert, so dass die Plattform für Tablets und Phablets responsive optimiert ist und sich adaptiv an kleinere Bildschirme anpassen kann.

Eine zentrale Lagerlösung ist nicht geplant, da die Plattform künftig mit der Same Day Delivery-Logistik zeitfensterbezogene Lieferungen realisieren kann und das noch am gleichen Tag der Bestellung.

Wie sieht es mit einer Händler-übergreifenden Bestellung aus? Viele Kunden wünschen sich ja, nicht X Händler abklappern zu müssen – sondern alles zusammen zu bestellen und idealerweise unabhängig von Öffnungszeiten irgendwo zentral den gesamten Einkauf abholen zu können. Plant ihr was in diese Richtung?

Mit dem Multi Product-Warenkorb können mit einem Klick Bestellungen von mehreren Produkten bei unterschiedlichen Händlern durchgeführt und aus mehreren Fulfillment-Optionen ausgewählt werden. Neben der Basisfunktionalität Reserve & Collect werden die Fernabsatzmodelle Click & Collect, Click & Deliver und Same Day Delivery die Zustell- und Abholoptionen erweitern. Eine zentrale Lagerlösung ist nicht geplant, da die Plattform künftig mit der Same Day Delivery-Logistik zeitfensterbezogene Lieferungen realisieren kann und das noch am gleichen Tag der Bestellung.

Auf welcher technischen Plattform habt ihr simply local gebaut?

simply local basiert auf hybris, einer leistungsfähigen, zu SAP gehörenden eCommerce- und Multichannel Lösung. Die simply local-Entwickler haben damit sehr gute Erfahrungen hinsichtlich Customizing im Front- und Backend und einer schlanken Struktur gemacht, welche maßgeblich zur guten On Page-Performance beiträgt.

Letztlich wird die Plattform für alle Beteiligten nur dann ein Erfolg, wenn die Nutzer die Angebote auf simply local finden und wahrnehmen.

Was unterscheidet euch von anderen Plattformen wie zum Beispiel Locafox?

Neben den starken Gesellschaftern ist es die konsequente Ausrichtung auf den stationären Handel, inklusive der erheblichen Reichweite und den Mediabudgets, welche die Verlagshäuser miteinbringen. Das Vertrauen und die Erfahrung, welche der Verlag in der regionalen Akquise hat, steigert die Zahl der teilnehmende Händler auf simply local deutlich, welches wiederum die Angebotsbreite erhöht. Letztlich wird die Plattform für alle Beteiligten nur dann ein Erfolg, wenn die Nutzer die Angebote auf simply local finden und wahrnehmen. Die Etablierung der Plattform im Relevant Set der Kunden ist nur eine der Aufgaben, welche simply local zusammen mit den Verlagen erfolgreich umsetzt.

Was sind eure Pläne für die nächsten 12 Monate?

Der nächste große Meilenstein für simply local ist der nationale Go Live der Plattform im Sommer 2015. In den nächsten zwölf Monaten wird die Akquise deutlich ausgebaut und unsere Marketingkonzepte umgesetzt. Dazu gehören zum Beispiel On Air- und Out Of Home-Kampagnen, Händlerevents, Gewinnspiele für Plattformnutzer, etc. Auch mit mehreren
Wirtschaftsförderungen sind wir in Kontakt. Einen Wuppertal-Effekt mit simply local in den Norden zu holen ist also durchaus realistisch.

Wenn Du auf den Weg bis heute zurück schaust: Was ist besonders gut gelaufen, was würdest Du vielleicht anders machen?

Besonders gut gelaufen sind Kommunikation und Abstimmung mit der Entwicklungsabteilung von simply local in Göttingen. Wir konnten das Feedback der Händler direkt an simply local melden und haben so dem Handel die Möglichkeit gegeben, die Plattform mitzugestalten und Präferenzen zu berücksichtigen. Auch die Zusammenarbeit der Verlage untereinander funktioniert hervorragend. Gerade der Erfahrungsaustausch über Akquise und Marketingaktionen tragen zu einer konstanten Entwicklung und Optimierung bei.

Wir haben aber auch gelernt, dass es kein leichtes Unterfangen ist, eine performante Plattform zu erstellen, welche sowohl über ein einfach zu bedienendes Backend verfügt, eine Vielzahl von Warenwirtschaftssystemen über Schnittstellen integrieren kann und sich in Performance und Usability nicht hinter eCommerce-Giganten verstecken muss. Diesen Stand haben wir erreicht und freuen uns auf den nationalen Go Live, zu dem man sicher auch in den Medien noch einiges über simply local lesen wird.

Vielen Dank, Matthias, für das Interview!

Was haltet ihr von der Idee der lokalen Shopping-Plattform, die stationären Händlern ein solides und gemeinschaftliches Standbein im Internet verschaffen soll. Würdet ihr die Plattform nutzen – welche Fragen treiben euch noch um, die wir nicht gestellt haben?

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