Zwei Jahre Chromebook: Ein Erfahrungsbericht

Gute 25 Jahre PC-Nutzung - von Anfang an mit Windows. Dann raucht im wahrsten Sinne des Wortes mein teures und gar nicht so altes Lenovo-Notebook ab. Und ich bestelle mir einfach ein Chromebook und bin schneller weg aus der Windows-Welt, als ich es für möglich gehalten hätte. Zwei Jahre ist das nun her - und ich habe zwischendurch immer wieder über meine Erfahrungen mit dem Chromebook berichtet.

Nach 2 Jahren und 2 Monaten:
Zeit für Chromebook Nummer 2!

Diese Zeilen schreibe ich auf meinem neuen Chromebook, dem zweiten in meinem Leben. Was bisher alles Geschah, lest ihr unten. Warum ich ein neues Chromebook habe? Mein Erstes von Samsung hat seit ein paar Tagen einen Wackelkontakt/Kabelbruch, vermutlich im Display-Gelenk. In machen Positionen flimmert das Display oder es wird schwarz. Nachdem ich mein Chromebook zu 90% beruflich nutze war es mir ein wenig zu riskant, im schlimmsten Fall mit schwarzem Display beim Kunden zu sitzen. Abgesehen von diesem Problem läuft das alte Samsung Chromebook aber immer noch einwandfrei und wird auch weiter im Einsatz bleiben. Wobei sich schon klare Unterschieden ausmachen lassen. Mein neues Chromebook ist das Toshiba CB30-B-104 33,7 cm (13,3 Zoll) (Affiliate Link) – und das hat zwei entscheidende Vorteile gegenüber dem alten Chromebook von Samsung: Es hat 4 GB Arbeitsspeicher und ein größeres Display (13,3 Zoll, FullHD). Aber das Toshiba hat auch weitere Vorteile, die ich bei Samsung schätzen gelernt habe: keine mechanischen Teile (die meiner Meinung nach scheller kaputt gehen können), kein störender Lüfter. Nachdem ich wieder ein Chromebook ohne Lüfter aber dieses Mal mit 4 GB Arbeitsspeicher haben wollte, blieb eigentlich nur das Modell von Toshiba.

Meine Empfehlung: Chromebook mit 4 GB Arbeitsspeicher
Wer wie ich intensiv mit dem Chromebook arbeitet und parallel auch mal 20 Tabs und mehr offen hat, wird die 4 GB zu schätzen wissen. Denn: bei meinem 2 GB Chromebook sind die Tabs immer wieder eingefroren. Wechselt man das Tab hat es zur Folge, dass die darin geöffnete Website komplett neu geladen wird. Und das nervt auf dauer und bei intensivem Einsatz schon sehr.
Alle aktuell verfügbaren Chromebooks mit 4 GB Arbeitsspeicher findet ihr hier bei Amazon. (Affiliate Link).

Über ein anderes Betriebssystem habe ich ehrlich gesagt keine Sekunde nachgedacht. Und schon beim Einschalten des neuen Chromebooks wusste ich schon, warum: einschalten, 7 Sekunden warten – und es geht genau an der Stelle weiter, an der ich mit dem alten Chromebook aufgehört habe. Alle Daten da, alle Einstellungen da, nach 5 Minuten konnte ich wieder arbeiten. Korrigiert mich mich, wenn ich falsch liege – aber das gibt’s doch wirklich nur beim Chromebook, oder?

Ich mache also weiter und werde hier berichten, wie es mir mit dem Toshiba Chromebook ergeht. Der erste Eindruck ist super, mal schauen, was die Zeit so bringt. Bleibt dran und lest gerne weiter – unten findet ihr die Historie der letzten 2 Jahre mit meinem Chromebook von Samsung:

Woran erkennt man,
dass ein Chromebook zwei Jahre alt ist?

Unter Windows wäre mir da eine Menge eingefallen: „Das Hochfahren des Rechners dauert 10 Minuten“, „der zweite Akku hält gerade noch eine Stunde“, „der Rechner ist sau-langsam“… um nur einige Antworten zu nennen, die in meinen früheren Jahren unter Windows wie aus der Pistole geschossen gekommen wären. Als Besitzer meines Chromebooks macht mich eine Mail von Google auf den Geburtstag aufmerksam:

„Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass Ihr Bonusspeicherplatz für Google Drive am Jun 26 2015 abläuft.“

Das ist natürlich schade, Google hatte mir ja 100 GB Speicherplatz für 2 Jahre geschenkt – und macht das auch heute noch für Käufer neuer Chromebooks (affiliate Link).

Und sonst?
Mein Akku hält noch ziemlich genau 4 Stunden (am Anfang vor 2 Jahren waren es 6 bis 7 Stunden), das Chromebook startet so schnell wie am ersten Tag (7 Sekunden). Die Hardware hat ebenfalls nicht spürbar gelitten – ich profitiere sicher davon, dass mein Chromebook keine mechanischen Teile (Festplatte, Lüfter etc.) besitzt. Von den üblichen Alterserscheinungen also keine Spur.

Zwei Chromebook-Tooltipps zum zweiten Geburtstag
Folgende zwei Erweiterungen nutze ich gerne – viele andere habe ich probiert und wieder verworfen:

  • Nimbus Screenshots: nicht nur um Screenshots zu machen, sondern auch um bestehende Bilder zu bearbeiten (Zuschneiden, Größe ändern, Kommentieren usw.)
  • Caret: Text-Editor, wenn ich mal an Code (HTML, PHP) arbeiten muss, aber auch um CSV- oder XML-Dateien zu öffnen.

+++ Was bisher geschah: +++

Oktober 2014: Auf ins nächste Level – mit dem Chromebase

Seit Anfang Oktober bin ich nicht nur Besitzer eines Chromebooks, sondern auch des jetzt neu in Deutschland verfügbaren Chromebase (Amazon affiliate Link). Nachdem ich mein Chromebook (über das ihr unten gleich im Anschluss mehr erfahrt) jeden Tag 10 Stunden beruflich nutze habe ich mir für den Arbeitsplatz den stationären Chromebase von LG mit 21,5 Zoll zugelegt.
Der erste Eindruck ist gut, das Preis-Leistungs-Verhältnis scheint zu stimmen. Der Monitor (um den es mir in erster Linie ging) macht auf mich einen sehr hochwertigen Eindruck, ChromeOS läuft nochmal deutlich schneller und flüssiger als auf meinem Chromebook. Seit neuestem habe ich also zwei Chrome-Rechner parallel auf meinem Schreibtisch laufen… Sobald mir mehr Erfahrungen vorliegen, werde ich berichten!

+++

Ein Jahr Chromebook –
Update vom 08.08.2014

Mein Chromebook ist inzwischen gut ein Jahr alt und dieser Beitrag wird immer noch gerne gelesen. Grund genug, euch auf den neuesten Stand in Sachen „Erfahrungen mit dem Chromebook“ zu bringen:

Nach einem Jahr intensiver Nutzung sieht mein Chromebook ziemlich „wild“ aus. Es läuft mindestens 10 Stunden am Tag und ist praktisch immer bei mir. Hier zeigt sich, dass das billige Plastik-Gehäuse schon deutlich gelitten hat. Auf der anderen Seiten sind die Kratzer und abgeriebenen Stellen (unterm Lack kommt das weisse Plastik zum Vorschein) für mich auch nicht schlimm. Alles was an meinem Chromebook eine Funktion hat (Tastatur, Bildschirm, Anschlüsse), funktioniert auch im abgenutzten Gehäuse noch einwandfrei.
Bei einem Gerät für rund 300 Euro kann ich eben auch kein hochwertiges Alu-Gehäuse erwarten, daher stört mich das nicht weiter.

Etwas gelitten hat die Akku-Lebensdauer. Voll geladen hält der Akku nun keine sechs bis sieben Stunden mehr, sondern nur noch 4 bis 5 Stunden. Aber auch das ist relativ normal bei der intensiven Nutzung und den vielen Lade-Zyklen, die das Gerät auf dem Buckel hat.

Am meisten freue ich mich darüber, dass mein Chromebook so schnell wie am ersten Tag ist – mit einer Ausnahme (dazu gleich mehr). Meine früheren Windows-Rechner haben schnell an Speed und Power verloren, wurden mit zunehmendem Alter immer schwerfälliger und langsamer. Das ist mit dem Chromebook absolut nicht der Fall.

Einziger Wermutstropfen:
Seit dem vorletzten ChromeOS-Update sehe ich nach dem Login relativ lange (20 Sekunden) einen schwarzen Screen, bevor Chrome sich öffnet. Ich gehe davon aus, dass Google dies mit einem der nächsten Updates korrigieren wird. +++Update hierzu: Nach einem Powerwash (zu finden in den erweiterten Einstellungen) hat sich das Problem gelöst, das Chromebook startet wieder ganz normal. Hier zeigt sich auch die Besonderheit der Chromebooks: Das zurücksetzen des Gerätes auf den Werkszustand und die neue Einrichtung haben knapp 5 Minuten (!) gedauert – inklusive Updates. Wer hat schonmal seinen Windows-Rechner platt gemacht und neu aufgesetzt? +++

Apropos Updates: Gefühlt bekommt das Chromebook alle 2 Monate ein Update und auch hier verhält sich das Gerät wie versprochen: Die Aktualisierung findet praktisch unbemerkt beim Neustart statt – ohne „bitte warten“-Screens die für eine Ewigkeit den Rechner blockieren. Die Anpassungen und neuen Funktionen schleichen sich also schon fast unbemerkt auf den Rechner.

+++

Chromebook Erfahrungsbericht –
was bisher geschah:

Ein Chromebook – was ist das überhaupt?

Ganz einfach gesagt ein Notebook, auf dem nicht mehr läuft als ein (zum Betriebssystem aufgebohrter) Browser. Und dieser Browser heisst Chrome (von Google), daher auch der Name Chromebook.

Was ist de Besonderheit?
Chromebooks sind unglaublich billig (ab 249 Euro). Die Hardware ist mehr oder weniger unwichtig, weil alles was man als Nutzer macht, webbasiert ist. Ich kann also von jetzt auf gleich das Chromebook wechseln, ohne Daten, Software oder sonstige Einstellungen umziehen zu müssen. Google beschreibt das Chromebook (in einem inzwischen 2 Jahre alten Video) so:

Das Chromebook ist also das Internet – und das bedeutet, dass ich als Nutzer mit diesem Gerät alles was ich tue, online mache oder besser, machen muss. Vor der Anschaffung habe ich nicht groß überlegt – aber mein Gefühl sagte mir, dass ich ohnehin fast nur noch online arbeite. Ganz selten, dass ich mal Programme wie Word oder Outlook verwendet habe.
Man muss dazu sagen, dass wir hier bei den netzstrategen sehr webbasiert arbeiten, zum Beispiel mit webbasierten Mailkonten und Dokumenten von Google Docs/Google Drive. Die Projekte unserer Kunden enstehen in aller Regel ohnehin im Web und in meiner täglichen Arbeit bin ich viel mit Web-Services beschäftigt.
Das Gute ist, dass für mich wichtige Tools wie die Dokumente in Google Drive inzwischen auch Offline-Modi anbieten die es mir erlauben, auch ohne Wlan produktiv zu sein. Inzwischen ist das Chromebook also in einigen Fällen auch ohne Web gut nutzbar.

Für wen eignet sich ein Chromebook?
Wer nicht gerne oder nicht viel im Internet unterwegs ist, dem ist ganz klar nicht zu einem Chromebook zu raten. Für mich als „Webworker“ ist es aber ein gut brauchbares Gerät. Wer auf Office steht oder seine Daten lieber lokal auf der Festplatte haben möchte anstatt im Web bzw. in der Cloud, wird mit dem Chromebook nicht glücklich werden.
Für mich ist das Chromebook inzwischen auch das Couch-Gerät geworden und hat mein Tablet (ein nexus 7) praktisch komplett von der Couch verdrängt. Warum? – das lest ihr in meiner Auflistung der Vor- und Nachteile.

Welche Chromebooks sind aktuell auf dem Markt?
Inzwischen gibt es deutlich mehr Modelle und Varianten und die Chromebooks erfreuen sich (gefühlt) immer größerer Beliebtheit. Trotzdem sind im Elektronik-Markt um die Ecke meist keine oder nur sehr wenige Chromebooks zu finden. Ich empfehle daher für den vollständigen Überblick den Besuch bei Amazon: Chromebooks bei Amazon (affiliate Link).

Negativ – was mir nicht so gut gefällt:

  • Fehlende Anwendungen
    Ich kann in der Tat nicht alles machen, was ich früher konnte. Konkret fehlen mir zum Beispiel eine FTP-Anwendung (inzwischen halbwegs gelöst mit Shiftedit) oder Keypass (womit wir unsere Passwörter sicher verstauen). Ich starte also ab und zu dann doch den alten PC, um ein paar Tasks zu erledigen. Unten in den Kommentaren findet ihr hierzu aber auch noch ein paar Tipps.
  • Ladekabel
    Mein Chromebook hat leider keinen standardisierten Stecker, wie ich es inzwischen von meinen mobilen Devices gewohnt bin. Es fliegt also ein Ladegerät mehr in meiner Sammlung herum. Zum Glück hat man das bei Google auch erkannt, das neueste Chromebook von HP wird inzwischen auch mit einem Standard-Micro-USB-Kabel geladen.

Neutral – hier muss sich jeder selbst ein Urteil bilden

  • Die Daten liegen bei Google oder sonstwo im Web
    Das ist in Zeiten des NSA-Skandals für Viele ein Problem – ich persönlich arbeite eigentlich nie mit so sensiblen Daten, dass ich diese nicht im Netz speichern könnte. Zum Glück baue ich keine Atomkraftwerke, sondern mache Projektmanagement, baue Websites, mache Konzepte – und das habe ich auch ohne Chromebook schon meist webbasiert gemacht.
  • Verarbeitung
    Mein Chromebook von Samsung war auf den ersten Blick einem MacBook sehr ähnlich. Das Design, die Tastatur – alles schon recht nah dran an den großen Design-Vorbildern. Allerdings hat sich schon nach wenigen Tagen gezeigt, dass es dann doch nur aus billigem Plastik gebaut ist, das recht empfindlich ist und sehr schnell Gebrauchsspuren gezeigt hat. Auf der anderen Seite ist für einen Preis von 300 Euro auch kein Alu zu erwarten.
  • Rechenpower
    Man merkt zumindest ab und zu, dass das Chromebook kein Hochleistungsrechner ist. Besonders wenn ich es mehrere Tage nicht neu gestartet habe und 47 Browser-Tabs geöffnet sind kann es schon mal passieren, dass einzelne Tabs einfrieren wenn ich dann auch noch versuche, Filme oder Musik zu streamen. Das klappt aber spätestens nach einem Neustart wieder ganz ordentlich.

Positiv

  • Schnelligkeit
    Hier werden wirlkich alle versprechen gehalten. Das Hochfahren des Chromebooks dauert ziemlich exakt 8 Sekunden. Und wenn es nur im Ruhemodus war, ist das Chromebook während des Aufklappens schon bereit. Beim Vorgänger mit Windows konnte ich morgens locker einen Kaffee machen und die Spülmaschine ausräumen, bis das Gerät einsetzbar war. Auch nach einem halben Jahr intensiver Nutzung ist das Gerät kein bisschen langsamer geworden – für mich eine völlig neue Erfahrung.
  • Akku-Laufzeit
    Mein Akku hält (je nach Display-Helligkeit) gut und gerne 6 bis 7 Stunden. Vorbei sind also die Zeiten, in denen ich nach spätestens zwei bis drei Stunden ohne Steckdose in der Nähe nervös wurde.
  • Preis
    Die Chromebooks kosten alle um die 250 Euro. Das ist wenig Geld für viel Leistung (wenn halt der Einsatz-Zweck grundsätzlich passt). Für den Office-Freund wären auch 250 Euro zu viel.
  • Gewicht
    Das Chromebook wiegt nur 1 Kilo und ist so ein guter Begleiter auf Reisen. Ich packe es eher mal ein, es fällt ja kaum ins Gewicht.
  • Robustheit
    Was ich oben unter „Verarbeitung“ kritisiert habe („viel Plastik“) hat sich auch schon als Vorteil erwiesen. Zum beispiel, als mein Chromebook aus ca. 1,5 Metern Hähe auf den Betonboden gefallen ist: Nichts passiert! Hier zeigt sich der Vorteil einer SSD-Festplatte (nahezu unkaputtbar) und der zusammengesteckten Plastik-Teile. Es ist nichts gebrochen, lediglich auseinander gesprungen. So konnte ich den Rahmen vom Display wieder zusammenstecken, ebenso die Blende hinten am Gerät wieder festdrücken.

Mein Fazit:
Für mich persönlich ist das Chromebook das optimale Arbeitsgerät, auch wenn ich mit ein paar Einschränkungen zu kämpfen habe. Besonders Schnelligkeit und Akkulaufzeit haben es mir angetan.
Ich kann mir vorstellen, dass das Chromebook aber zum Beispiel aber auch für ältere Menschen ein gutes Tool ist, wenn sie nur Mails schreiben, surfen, auf sozialen Netzwerken unterwegs sind usw. Denn es ist kinderleicht zu bedienen, kommt ohne unnötigen Ballast aus und kann sich keine Viren einfangen.

Ich werde weiter berichten, sobald mir neue Erkenntnisse vorliegen.

Ihr habt noch Fragen zu den Chromebooks oder wollt ein Chromebook anschaffen (affiliate Link)? Dann nutzt die Kommentarfunktion, um eure Fragen zu stellen oder über eure eigenen Erfahrungen zu berichten!

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