Projektblog: Web ist keine Wissenschaft

Wissensvermittlung ist in vielerlei Hinsicht unser täglich Brot. Ob in unserem Blog, in unseren Workshops oder in jedem einzelnen Projekt. Immer nimmt das Teilen unserer Erfahrungen mit der vernetzten Welt einen erheblichen Raum ein. Bislang passiert das recht separat voneinander und in der Regel analog. Das wollen wir künftig besser vernetzen und mehr Leuten zugänglich machen. Dazu haben wir ein internes Projekt aufgesetzt, über dessen Fortschritt wir in diesem Blog berichten werden.

Worum es in dem Projekt genau geht, werden wir später noch ausführlich beschreiben. Für den Moment sei gesagt: es geht um digitale Wissensvermittlung oder E-Learning, um mal ein Buzzword in die Runde zu werfen. Zum Auftakt haben wir uns zwei Tage zu einem Produktivworkshop eingeschlossen und bei tropischen Temperaturen an einem ersten Durchstich des Projekts gearbeitet. Dabei war es uns wichtig, dass wir uns nicht zwei Tage lang mit theoretischen Konjunktiven befassen und erörten, was man alles tolles machen könnte, sondern wollten bewusst erste konkrete Schritte gehen.

Die Vorgeschichte

Wir führen zwei Mal im Jahr Strategie-Workshops durch, in denen wir uns neben der aktuellen Geschäftsentwicklung und organisatorischen Themen immer wieder unserer strategischen Ausrichtung widmen. So auch zu Beginn dieses Jahres. Wir haben unsere Geschäftsmodelle genauer unter die Lupe genommen und festgestellt, dass all unsere Leistungen eng mit unserem Wissen und unseren Erfahrungen aus der vernetzten Welt verwoben sind. Aus diesem Kern heraus betreiben wir vier Geschäftsmodelle: Beratungsprojekte, Agenturleistungen, Begleitung und Sparring sowie Schulung und Ausbildung.

Natürlich sind diese Geschäftsmodelle nicht völlig trennscharf und mit eigentlich allen Kunden arbeiten wir in mehr als einem Bereich zusammen. All diese Geschäftsmodelle haben einen limitierenden Faktor für unsere Geschäftsentwicklung: sie sind direkt an die investierte Zeit gebunden. Das hat einen Nachteil für uns, aber auch für unsere Kunden. Für uns heißt das, dass sich unsere Erlöse immer an der verfügbaren Zeit ausrichten. Und weil wir kein maßloses Personalwachstum anstreben, gibt es hier natürliche Grenzen. Kurzfristig bedeutet das in manchen Zeiten, dass wir nicht alle Anfragen bedienen können.

Das führt mich auch zum Nachteil für unsere Kunden. In solchen Zeiten müssen wir sogar Anfragen ablehnen, die wir gerne gemacht hätten oder Kunden müssen mit langen Projektvorläufen leben. Was hier hilft, ist ein Geschäftsmodell bzw. eine Leistungserbringung, die unabhängiger von der Zeit einzelner Personen bzw. Gruppen wird. Aus diesem Grund haben wir Ideen entwickelt, die hier mit Hilfe der Möglichkeiten der vernetzten Welt ansetzen. Eine davon ist nun ein ganz handfestes Projekt, dass uns ab sofort begleiten wird.

netzstrategen_Geschäftsmodelle

Die Vorgehensweise

In unseren Projekten und Workshops predigen wir oft ein möglichst agiles Vorgehen. Das kann in Reinkultur via Scrum sein, kann aber auch andere Formen annehmen. Entscheidend ist, dass man sich nicht nur in der Umsetzung vom Wasserfall-Modell löst, sondern auch im Produktmanagement. Deshalb ist es uns wichtig, nicht monatelang Konzepte zu schreiben und theoretisch bis in den letzten Detailwinkel vorzudringen. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendeine Grundannahme falsch war und wir deshalb viel Zeit und Energie in das Falsche gesteckt haben, ist leider hoch.

Deshalb wollen wir das Projekt so agil wie möglich vorantreiben. Den Auftakt bildete ein zweitägiger Workshop, in dem ein erster Durchstich und ein gemeinsames Projektverständnis aller Beteiligter geschaffen wurde. Ein paar Erfahrungen aus diesem Workshop teilen wir weiter unten. Wichtig wird jetzt, wie wir das Projekt in unserem Alltag überführen. Es gibt klare Meilensteine, die wir erreichen wollen. Für den Projektfortschritt sehen wir zwei Dinge als essentiell:

  • Lösung von Aufgaben in kleinen Teams und vielleicht das wichtigste:
  • jeder Beteiligte plant feste Projektzeiten ein, in denen er ausschließlich am Projekt arbeitet.

So wollen wir der Gefahr begegnen, dass Kundenprojekte immer Vorrang gegenüber eigenen Projekten haben. Welcher Dienstleister kennt diese Falle nicht? Die eigene Website oder das neue Corporate Design dauern immer am längsten. Bei den Meilensteinen legen wir Wert darauf, dass wir so früh wie möglich Kunden und potenzielle Nutzer einbinden. So wird unser Durchstich mit jedem Meilenstein einer breiteren Öffentlichkeit geöffnet. Wir wollen so vom ersten Tag an Feedback erhalten und lernen.

Der Workshop

Bei der Vorbereitung und zu Beginn des Workshops fühlten wir uns stark an Beratungsprojekte beim Kunden erinnert. Eine Situation, die wir sehr häufig erleben, nur dieses Mal waren wir selbst der Kunde:

Es stand ein Workshop-Termin im Raum. Jeder hatte mal was vom Thema gehört, ein einheitliches Verständnis gab es nicht. Der Arbeitstitel waberte so rum, kam alle paar Wochen mal an die Oberfläche und verschwand zwischendurch in der Versenkung.

Daher wollten wir den Vormittag des ersten Tages nutzen, um alle bestmöglich an Bord zu holen.

Wir haben Ziele und use cases erörtert. Daneben gab es auch ausreichend Raum für Fragen und Sorgen. Und auch hier sahen wir einige Parallelen zu Kundenprojekten:

Es kamen Sorgen auf wie: „das ist schon ganz schön viel zusätzliche Arbeit“ oder „bleibt noch genügend Zeit für meine eigentliche Arbeit“.

Im Gespräch merkten alle, dass wir nicht weiterkommen, wenn wir diese Sorgen theoretisch erörtern. Denn keiner von uns hat bislang ein solches Projekt gemacht und kann wissen, wie es werden wird. Zumal das Projekt auch Aspekte hat, die uns zeitlich entlasten werden.

Also sind wir am späten Vormittag in kleine thematische Arbeitsgruppen gegangen. Diese Gruppen haben in kurzen Sprints á 1,5 Stunden an einzelnen Themen gearbeitet. Zwischen diesen Sprints haben wir Austauschrunden gemacht, in denen jede Gruppe den aktuellen Stand berichtet hat. Dieser Austausch war aus zwei Gründen sehr sinnvoll:

  • der permanente Austausch hat allen gezeigt, wie viel gerade gleichzeitig vorangebracht wird.
  • Und zum anderen konnten die Gedanken der Gruppen abgeglichen werden. Es bestand nicht die Gefahr, dass die Gruppen anderthalb Tage lang in völlig unterschiedliche Richtungen laufen.

Resümierend stelle ich fest, dass wir in manchen Bereichen nicht so weit gekommen sind, wie wir vorher dachten. An anderen Stellen sind wir aber deutlich weiter: aus den erhofften Lösungswegen wurden 80%-Lösungen von dem, was wir brauchen. Viele Erkenntnisse hätten wir mit der Wasserfall-Methode erst in einer viel späteren Phase gewonnen.

Im Foyer ließ es sich auch bei tropischen Temperaturen konzentriert arbeiten.
Im Foyer ließ es sich auch bei tropischen Temperaturen konzentriert arbeiten.

Ein Ausblick

Wie geht es nach den beiden Tagen weiter? Wir haben eine Projektstruktur geschaffen und Meilensteine festgelegt. Daneben gibt es klare Aufgaben, die es zu lösen gilt. Der wichtigste Schritt ist jetzt (wie oben erwähnt) die verbindliche Ressourcenplanung. Sprich: jeder plant ausreichend Zeit ein, um seine Aufgaben erfüllen zu können. Aber auch hier fallen Termine nicht vom Himmel, sondern werden von den Beteiligten selbst gewählt bzw. im Team abgestimmt. So zumindest der Plan. Ob wir uns daran halten und wie es weitergeht, lest Ihr ab sofort regelmäßig hier im Blog.

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