Print, Online, Mobile – Die Evolution der Vermarktung

Fakt 1:
Die Tageszeitungen verlieren an Lesern und an Werbeeinnahmen.

Fakt 2:
Die Webseiten der Zeitungen erfreuen sich steigender Beliebtheit.

Fakt 3:
Der mobile Traffic auf den Zeitungswebseiten wächst.


Wie aus der 2013 veröffentlichten Media-Analyse Tageszeitungen hervorgeht, lesen nur noch 64,7 Prozent der Deutschen täglich eine gedruckte Zeitung. Das entspricht etwa 45,5 Millionen Menschen. Durch die sinkenden Reichweitenzahlen wird es für die Werbewirtschaft immer unattraktiver Anzeigen in den Tageszeitungen zu schalten.

Zwar stellen die gedruckten Medien mit Werbeeinnahmen von über 11 Milliarden Euro jährlich noch immer die größten Werbeträger, doch mussten sie in den letzten Jahren besonders starke Umsatzrückgänge hinnehmen. Tageszeitungen und Zeitschriften verlieren über 320 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr, so die Zahlen des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft für das Jahr 2012. Diese Entwicklung ist kein kurzzeitiger Trend sondern eine dauerhafte Veränderung, auf die sich die Verlage einstellen müssen.

„Die alten Zeiten der hohen Werbeeinnahmen werden nicht wiederkommen“, sagt auch Anja Pasquay, Sprecherin beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Für die Verlage wird es nun immer wichtiger neue Erlösquellen zu finden.

Da kommt der mobile Boom sehr gelegen. Die Verlagswebseiten erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Über 40 Prozent der Internetnutzer, also knapp 30 Millionen Unique User, besuchen regelmäßig ein Online-Angebot der Tagespresse. Das belegen die Zahlen der Media-Analyse 2013. Auch der mobile Traffic auf den Zeitungswebseiten wächst immer schneller. Laut Bitkom wurden 2013 allein in Deutschland circa 28 Millionen Smartphones und über 5 Millionen Tablets verkauft. So rasant wie der Markt für die mobilen Geräte, wächst auch der mobile Traffic auf den Zeitungswebseiten. Immer mehr Menschen informieren sich von unterwegs via Applikationen oder mobilen Websites über aktuelle Geschehnisse.

Die Zeitungen erreichen also heute so viele Menschen wie nie zuvor. Nach den Prognosen vieler Experten werden schon ab dem Jahr 2016 mehr Menschen über Mobile-Devices als über Rechner und Laptops auf die Verlagsseiten zugreifen.

Während die Verkaufszahlen der Tageszeitungen weiter fallen und die Werbeeinahmen sinken, könnte das Thema Mobile also ein Lösungsansatz für die Verlage auf der Suche nach neuen Erlösmodellen darstellen. Das große Potenzial des Mobile-Geschäfts für Verlage wird bisher kaum genutzt, so das Ergebnis einer Studie der Hochschule Offenburg in Kooperation mit AVS, einem Spezialisten für Kundenbindungssysteme. Aktuell bietet nur etwa die Hälfte der deutschen Zeitungsverlage ihre Verlagstitel über mobile Portale an und bei kaum einem Drittel gibt es die Möglichkeit Werbung auf den mobilen Seiten zu schalten.

Auch der BDZV-Multimedia-Referent Kansky ist der Überzeugung, dass Zeitungsverlage so „neue Zielgruppen in anderen Situationen als der klassischen Web- und Printnutzung erreichen“ können. Das Geschäft mit den mobil orientierten Werbekunden ist bei den Verlagen momentan zwar noch ein Zukunftsthema, wird in den nächsten Monaten und Jahren aber immer weiter an Bedeutung gewinnen und das nächste große Vermarktungsprojekt der Medienhäuser werden.

Zeitung im Druck


Und zum Abschluss noch einen Ausblick über den Tellerrand der Verlagsbranche:

Auf dem mobilen Werbemarkt herrscht momentan Goldgräberstimmung. Nach Berechnungen des BVDW im MAC Mobile Report wurden 2012 insgesamt über 60 Millionen Euro in Smartphone und Tablet Anzeigen investiert. Und der Markt wächst stetig weiter.

Den Hauptgrund für dieses rasante Wachstum sieht Jascha Samadi, Geschäftsführer beim Vermarkter Apprupt, vor allem in der Vielseitigkeit der Smartphones in Sachen Werbemöglichkeiten. Es biete „mit seinem Touch-Display, Bewegungssensoren, Passbook und Co. einzigartige Features und Funktionalitäten, die ideal für die Werbung genutzt werden können“.

Zum Portfolio der Smartphones gehören nicht nur Mobile Banner, Interstitials (bildschirmfüllende Anzeigen) oder Textlinks, wie sie aus der Desktop-Werbung schon bekannt sind, sondern auch neue Entwicklungen wie standortbezogenes und kontextbezogenes Advertising mit einer wesentlich höheren Conversion Rate.

Die gängigsten Möglichkeiten, die bereits von diversen Vermarktern als Standard angeboten werden, sind vor allem sogenannte Smartphone Static Banner (300×50 Pixel) und Smartphone Wide Banner (320×50 Pixel). Diese werden nur dann ausgespielt, wenn die Webseite von einem Smartphone oder Tablet aufgerufen wird. Beide Formate können fest im inhaltlichen Bereich eingebunden, oder am unteren Ende des Browsers als “AdFooter” fixiert werden, der beim Scrollen immer sichtbar bleibt.

Das Thema mobile Vermarktung steckt jetzt zwar noch in den Kinderschuhen, allerdings wird es in den nächsten Jahren weniger zum Hype als zum nachhaltigen Wachstum kommen. Nicht nur die Verlagsbranche muss dann lernen, die Vermarktungsmöglichkeiten der Smartphones und Tablets besser für sich zu nutzen. Und am Ende bleibt dann nur noch die Frage: Möchten Sie ein M kaufen?

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