Paid Content Update Mai 2015

Was war los an deutschen (und internationalen) Bezahlschranken im Mai? Wir haben wieder interessante Beiträge zum Thema Paid Content gesammelt und eingeordnet. Neues gibt es dieses Mal vor allem von den üblichen Verdächtigen New York Times, Axel Springer, Handelsblatt und taz.

Für viele ist die altehrwürdige New York Times so etwas wie ein Leuchtturm in Sachen Paid Content. Kaum ein Verlag schielt nicht nach New York City, um von den Erfahrungen der Amerikaner zu lernen. Zu Beginn des Monats waren Andrew Phelps und Adam Ellick Gast beim European Newspaper Congress. Dort berichteten sie nicht nur von einer knappen Million Digital-Abonnenten, sondern davon wie sich das News-Geschäft ins mobile verlagert. Das hier ganz andere Erzählformen erforderlich sind, stellt Heise hier in einem Beitrag heraus. Der Fachdienst HORIZONT sieht hier sogar einen Strategie-Wechsel der New York Times weg von digitalen Bezahlangeboten hin zu kostenlosen, werbefinanzierten Mobilangeboten. Der Autor Marko Saal verweist in seinem Artikel nicht zu unrecht darauf, dass die wachsenden mobilen Werbegelder noch nicht verteilt seien und man sich mit kostenpflichtigen Angeboten nicht der Reichweite beschneiden möchte. Ich würde hierin allerdings weniger einen Strategie-Wechsel sehen als viel mehr eine Bestätigung der Tendenz fragmentierender Märkte. Warum sollte es nicht ein werbefinanziertes Mobilprodukt neben kostenpflichtigen Angeboten für andere Zielgruppen geben? In meinen Augen lebt die New York Times mit ihrer Diversifikationsstrategie einen unausweichlichen Trend vor: Zielgruppen identifizieren und relevante Angebote schaffen. Wenn man so will, ist das der Strategie-Wechsel, der in deutschen Verlagen ebenfalls her muss.

Springer – stagniert Paid Content oder doch nicht?

Ähnlich konsequent wie die New Yorker handelt in Deutschland Axel Springer in Sachen Paid Content. So sind in der IVW-Ausweisung für Paid Content Inhalte bislang ausschließlich Springer-Titel vertreten. Die Kollegen vom Adzine-Magazin haben beim Quartalsergebnis der Axel Springer AG genau hingesehen und machen in ihrem Artikel stotternde Paid Content Erlöse aus. Über die Gründe erfährt man hier nichts. Vielleicht kommt Springer ja bald mit einer ähnlichen Meldung wie die New York Times um die Ecke. Vielleicht ist die Bilanz aber auch nicht die richtige Quelle, um die Entwicklung von Paid Content abzulesen. So gewannen Welt und Bild laut IVW Von Januar bis Mai immerhin über 14.000 neue Digitalabonnenten. Von Stagnation würde ich bei einem Kundenzuwachs von 5% in vier Monaten nicht sprechen.

Jeder dritte Handelsblatt-Abonnent liest rein digital

In der Transformation von analogen zu digitalen Geschäftsbeziehungen gut voran kommt laut Pressefachdienst DNV das Handelsblatt. Die Düsseldorfer streben bis Jahresende 12.000 „reine“ Paywall-Abonnenten an. Addiert man die knapp 20.000 E-Paper-Abonnenten, stehen ca. 65.000 Print-Abonnenten immerhin 32.000 Digital-Abonnenten gegenüber. Ein Verhältnis von 2:1 also. Im Branchenschnitt sind laut DNV gerade einmal 2,5 Prozent der Abo-Auflage digital. Ein Blick nach Düsseldorf lohnt sich also. Auffällig ist aus der Distanz, dass das Handelsblatt seine Digitalprodukte ähnlich offensiv vermarktet wie Springer.

Bei der taz klingelt die Spendenkasse

Und die TAZ darf natürlich nicht fehlen. Ebenfalls laut DNV vermeldete die TAZ für April einen rekordverdächtigen Umsatz für sein Spendenmodell. Hintergrund war eine offensive Kampagne im März, die um freiwillige Zahler geworben hatte. Ein Großteil des Betrags geht übrigens auf regelmäßige Zahlungen zurück. Will heißen: ein wenig Planungssicherheit trotz Spendenmodells. Wenn man das Niveau halten kann, erwirtschaftet die TAZ immerhin über 200.000 Euro im Jahr durch Freiwillige. Da sage noch einer, es gäbe im Netz keine Zahlungsbereitschaft. Wenn man mit seiner Marke Begeisterung und Bindung erzeugt, ist einiges möglich. Leider lässt sich das nicht so leicht übertragen. Denn welche Zeitung hat schon so eine enge – vor allem emotionale – Leserbindung? Die Bindungsgründe „Gewohnheit“ und „fehlende Alternative“ dürften nicht stark genug sein.

Der Mai verlief also recht ruhig und ohne großen Knall wie noch im März, als alle auf die Paywall-Einführung der Süddeutschen schauten. Dennoch bleibt Paid Content ein Top-Thema in deutschen Verlagen, das wir in unserem Blog und unter dem Tag Paid Content auf unserer Website begleiten. Aber vielleicht haben wir auch etwas vergessen? Wenn Sie noch Meldungen oder Anregungen zum Thema haben, freuen wir uns über Kommentare unter dem Artikel!

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