Paid Content-Update März 2015

Ganz klar - im März stand der Launch der Paywall bei süddeutsche.de im Mittelpunkt. Aber auch von der offenen Rhein-Zeitung gab es wertvolle Einblicke. Daneben gab es Infos von Axel Springer, Apple, Spiegel und der ZEIT.

Zuerst zum rosa Elefanten im Raum: Am Start der süddeutschen Paywall kam im März kein Medien-Mensch vorbei. Der lang erwartete und im Januar angekündigte Aufschlag und die begleitende Kampagne waren allgegenwärtig und alle Mediendienste berichteten intensiv darüber. Bereits seit dem ersten März gab es Berichte über den unmittelbar bevorstehenden Launch des neuen Web-Angebots.

Im Laufe des Monats gab es immer mehr Berichte und Informationen, bis dann dieses Video hier auf Facebook auftauchte:

Die neue SZ im Netz from Süddeutsche Zeitung on Vimeo.

Dann war es klar – in wenigen Tagen geht es los bei der SZ. Und so wurde das Produkt dann vorgestellt:

Die neue SZ im Netz: Was wir verändert haben from Süddeutsche Zeitung on Vimeo.

Das Medien-Echo bei der Einführung war natürlich intensiv – auch, weil Stefan Plöchinger viel mit den Kollegen sprach. Bei Kress erklärt er hier ausführlich das Konzept des neuen Web-Produkts und der verschiedenen Angebotsformen. Auch bei HORIZONT schildert er die Idee des „All-Inclusive“-Pakets mehrfach, das den Nutzer durch den Tag und durch das Leben begleiten soll – und von dem er sich eine nachhaltige Finanzierung für Journalismus erhofft. Und dazu muss es auch in Redaktionen „Trial und Error“ geben dürfen – dazu gehört eine Agilität in den Redaktions-Alltag, was er in einem eigenen, lesenswerten Blogbeitrag erörtert.

Das man bei der SZ auch Marketing-seitig weiß, was man tut wurde ebenfalls eindrucksvoll unter Beweis gestellt – zum einen mit diesem gut platzierten Social Post der Schwester „Süddeutsche Magazin“.

Aber auch dieses Video des Teams um die neuen Produkte und Angebots, das intensiv in den digitalen Medien geteilt wurde, spricht Bände, das man in München nichts dem Zufall überlässt:

Worauf wir uns freuen from Süddeutsche Zeitung on Vimeo.

Und dieses Banner hat mich dann auch noch beim Surfen auf SMSvongesternnacht.de erreicht (ja, da bin ich auch manchmal) – die Markteinführung wird also von einer Offsite-Kampagne begleitet; entweder mit einem individuellen Targeting oder man fischt auch in einer jüngeren Zielgruppe.

SMSvongesternnacht-Banner
Dieses Banner erreichte mich auf der beliebten SMS-Plattform

Auch der Deutschlandfunk hat sich des Themas angenommen und diesen spannenden Beitrag gebracht – für die, die lieber Hören als Lesen.

Alles in Allem kann man auf jeden Fall sagen, dass kaum ein Start einer Paywall in Deutschland so professionell vorbereitet, durchgeführt und kommuniziert wurde – und wir drücken dem (Disclaimer: uns gut bekannten) Team fest die Daumen. Wir teilen die Meinung von David Hein von HORIZONT: „Eine neue Benchmark für die Branche.“

Facebook lädt ein zum kostenlosen Inhalte teilen

Doch während man in München am „All-Inclusive“-Paket arbeitet und sich so die Zukunft überlegt wird suggerieren Facebook, Buzzfeed und sogar die New York Times, dass es den Nutzern gar nicht mehr so sehr auf den Absender oder das „Paket“ ankommt, sondern dass es allein zählen muss, dass die Botschaft beim Nutzer ankommt. Dazu eine spannende Abhandlung hier – wieder bei HORIZONT – was das auch für Paid Content bedeutet.

Immerhin – Klare Fakten bei der Rhein-Zeitung

Das Team um Christian Lindner war schon immer sehr offen mit den Informationen und Erkenntnissen aus Ihren Paid Content-Erlebnissen – danke Marcus Schwarze dafür. So wurde auch bereits im März im Blog der Redaktion das geteilt, was man im Februar aus der Neueinführung der „harten Paywall“ (ca. 95% der Inhalte sind kostenpflichtig) gelernt hat.

Auch wenn die absoluten Zahlen nicht unbedingt beflügelt sind – es gibt immerhin einen positiven Trend bei den Abos und Verkäufen sowie weitaus geringere Rückgänge bei der Reichweite als befürchtet. Vor allem aber – und das rechne ich dem Verlag sehr hoch an – gibt es harte Zahlen und an denen scheint systematisch gearbeitet zu werden. Super – nur so kann das klappen!

In einer Dokumentation des Bayerischen Rundfunks von Mitte März dient so auch die Rhein-Zeitung als Referenz für das Thema Paid Content und Paywalls.

Ende März erzählt der Chefredakteur dann schon seinen Kollegen bei kress.de, dass man sich „bewusst und gelassen“ vom Reichweiten-Modell getrennt hat (laut W&V wurde es sogar als „gescheitert“ bezeichnet) – und es für den März nach dem lauen Februar bereits viel bessere Zahlen zu berichten gibt.

Und neben den erfreulichen Nachrichten an sich freut mich vor allem, dass der Verlag die Zahlen offenbar nicht nur im Blick, sondern auch im spontanen Zugriff hat. Wir sind gespannt, was die kommenden Monate in Koblenz bringen werden.

Für Umme gibt es auch bei Apple nichts

Nicht nur bei den journalistischen Produkten sind die Paywalls ein Thema – auch die Musikindustrie muss sich damit beschäftige, ob für den Nutzer kostenlose – aber werbefinanzierte – Angebote wie z.B. die Hybrid-Angebote von Spotify oder Deezer besser funktionieren als solche, die alleine auf Abo-Erlöse setzen.

Apple bezieht hier eine klare Stellung und versucht auch die Labels mit auf ihre Seite zu ziehen – denn denen als auch den etablierten Künstlern ist es nicht gerade recht, wenn sie für ihre Musik von den besagten Diensten nur noch „lousy pennies“ erhalten statt fetten Scheinen. Jay-Z gründete daher auch gleich mal einen eigenen Dienst – Krautreporter mal anders herum.

Allerdings wirft Apple in den Raum, dass man doch die Monats-Gebühren senken könnte – von ursprünglich 10 auf dann 8 Dollar im Monat. Doch nicht ganz so hart wie man meinen könnte…

Bezahlwelten bei Spiegel Online

Endlich konkret wird es nun wohl auch beim Spiegel in Sachen Paid Content. In einem gemeinsamen Interview mit dem Hamburger Abendblatt erzählen beide Chefredakteure Klaus Brinkbäumer und Florian Harms von Ihren aktuellen Baustellen – und auch der konkreten Vorstellung, noch 2015 erste Experimente in diesen Bereichen zu sammeln. Und es wird dabei wohl um Nischenprodukte gehen. Harms ganz pragmatisch:

„Mit welchen Produkten können wir die spezifischen Bedürfnisse von unterschiedlichen Zielgruppen passgenau bedienen, einen echten Mehrwert bieten? Für die Nutzer muss es so einfach wie möglich sein.“

Wir sind gespannt!

ZEIT auch ohne Paywall glücklich und zufrieden

Der andere Hamburger Kult-Verlag hat derzeit keine Pläne, Pay-Produkte auf der Website einzuführen – so der Geschäftsführer Rainer Esser zu meedia.de. Mit 35.000 Digital-Abos (E-Paper & Co.) sowie 29% Wachstum bei den Online-Erlösen.

Auch wenn das Interview kurz und dünn ist – spannend ist für mich der klare Verweis auf die starke Diversifikation des Hauses in den digitale Medien. Und trotz sicherlich ganz anderer Geschäftsmodelle sind die beiden genannten Plattformen e-fellows und academics sicherlich komplementär zur Kernmarke ZEIT.

BILD-Inhalte sogar besser als Bundesliga

Auf der Bilanz-Pressekonferenz erzählt Matthias Döpfner vieles zu Marke, Märkte und zur Strategie des Verlagshauses – und auch hier geht es darum, das Glück nicht mehr nur in den Medien – und vor allem nicht mehr nur in Deutschland oder gar Europa zu suchen. Vor allem im Silicon Valley liegt Potential.

Das Geschäft mit den Bezahl-Inhalten wuchs allerdings um 2,6% auf 1,56 Milliarden Euro. Davon kann ein wenig Qualitäts-Journalismus bezahlt werden. Allerdings – und das fand ich erstaunlich – sagte er auch, dass man sich mehr erhofft hatte von den sehr teuren Bundesliga-Rechten im Internet:

Eine interessante Erkenntnis der aktuellen Digital-Strategie ist, dass Abonnentengewinne durch die Bundesliga bei Bild hinter den Erwartungen geblieben sind. Dagegen zahlen mehr Nutzer als geplant für die journalistischen Inhalte des Boulevard-Blattes. “Aber das ist für uns eigentlich eine gute Nachricht“, findet Döpfner.

Klagen gegen Paywalls

Zum Abschluss noch ein Schmankerl für’s Bett heute Abend: Was, wenn ein Nutzer Links hinter die Paywalls veröffentlicht? Der europäische Gerichtshof sagt hier im Falle von Online-Streamings, dass es ok ist, hinter eine Paywall zu verlinken. Was würde er im Kontext der Verlage dazu sagen? Und was, wenn einmal ein Nutzer gegen eine Paywall überhaupt klagt?

Fragen über Fragen – und die Antworten wird es sicher in den nächsten Jahren geben. Auch hier bei uns unter dem Tag Paid Content und überhaupt in unserem Blog. Hier das letzte Paid Content-Update aus dem Januar 2015.

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