Paid Content Update Juni 2015

Während die BILD Ihr Bezahlangebot zum Jubiläum verbilligt und die FAZ weiterhin darüber debattiert hat Blendle Deutschland und Österreich fest im Visier. Simon Kucher & Partners haben das auch mal international analysiert. Außerdem blockt Apple bald Banner auf mobilen Endgeräten.

Spoiler Alert: Auch im Juni wurde nicht der Stein der Weisen gefunden, wenn es darum geht nachrichtliche Inhalte im Netz über deren direkten Verkauf an Konsumenten zu monetarisieren.

Der wissenschaftliche Springer-Verlag fasst das sogar ganz klar so zusammen, dass Verlage ganz klar noch in der „Trail-and-Error-Phase“ des neuen Geschäftsmodells sind. Dieser Befund basiert unter anderem auf einer ausführlichen internationalen Studie der Unternehmensberatung Simon – Kucher & Partner zum Stand der Digitalisierung in Verlagen. Das Ergebnis – grob zusammengefasst: Es gibt mehr Paywalls in reifen Märkten. Aha.

Hilfreicher beim besagten „Trial & Error“ sind da die Ausführungen zum Thema Paid Content von Lucia Moses auf Digiday, die gute Ideen dazu hat, wie ein Verlag auch seine Daten einer Paywall an Werbekunden verkaufen kann. Hier gibt es nicht nur für die New York Times gute Möglichkeiten – allerdings muss man die Daten auch sammeln und in schlaue Angebote an den Werbemarkt zusammenführen.

Auf diese alternative Idee Geld zu verdienen kam man der BILD scheinbar noch nicht – und macht dafür für das Jubiläum einfach mal das Web-Abo BILD+ inklusive Bundesliga-Nachberichterstattung billiger. 60% Nachlass zum Standard-Preis – während die gedruckte BILD regelmäßig teurer wird. Wie soll man als Konsument daraus schlau werden?

Aber vielleicht besser im Markt echte Erfahrungen sammeln als fleissig im Nichtschwimmerbecken zu bleiben. Aber da will nun wohl auch die FAZ ernsthaft raus – Jürgen Knaube sagt klar: „…sie wird auch bei uns kommen“. Hat man schon öfter gehört aus dem Hellerhof. Wir zählen die Tage und sind gespannt auf das Konzept.

Zwar auch ohne konkreten Termin aber ansonsten sicher ist, dass Blendle nach Deutschland kommt und mit mindestens 37 Verlagen starten wird, die über den Online-Kiosk einzelne Artikel verkaufen lassen. Spätestens im Spätsommer soll das Angebot an den Start gehen – und dann auch schnell in den österreichischen Markt eigeführt werden. Mal schauen, ob man in dem einen Jahr in den Niederlanden sein Geschäft gut genug gelernt hat, um es so schnell geografisch auszuweiten. Ganz offen habe ich da meine Zweifel.

Etwas Geld ist aber immer noch mehr als keines – und darauf wird es wohl im Safari-Browser unter iOS 9 hinauslaufen. Dort sollen nämlich Banner betriebssystemseitig ab Werk geblockt werden. Werbefreie, mobile Welt unter Apple also. Was bleibt dann noch zum Geldverdienen im Wachstumsmarkt Mobile, wenn die Lesererlöse bereits in Apple News oder die Verlags-App abfließen? Nicht viel; das ist sicher.

Auch die Österreichischen Zeitungsverleger haben sich Gedanken darüber gemacht, wie das eigentlich so weitergehen soll im Internet und sich mit vielen schlauen Leuten aus Verlagen und darüber hinaus einen Tag zusammengesetzt. Was kam raus?

  • Print ist immer noch stark
  • Marke und Inhalte sind wichtig
  • Relevanz für die Zielgruppe ist entscheidend
  • Gratis muss nicht unbedingt sein
  • Ok. Wer das noch nie vorher gehört hatte muss neu sein in der Branche. Aber auch die deutschen Verleger hatten im Juni ihre digitale Jahrestagung und sind sich einig, dass Digitalisierung in den Häusern bereits gelebte Praxis ist. Wir waren ja auch da und haben fleissig mitgetwittert – und ja, das Digitale mag gelegt werden. Aber aus den Präsentationen und vor allem Gesprächen doch wohl oft noch recht ziel- und planlos leider.

    Beenden können wir den Paid Content-Rundumschlag aus dem Juni 2015 mit weisen Worten von Peter Hogenkamp im turi2-Interview, der sagt, dass Paid Content nur alternativlos für die Verlage sei – nicht aber für den Leser, der sehr viele Alternativen hat, seine Zeit zu verbringen als Nachrichten zu lesen.

    WORD.

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