Paid Content Update Juli 2015

Die Funke Mediengruppe erklärt Paid Content für tot, während DuMont mit verschiedenen Modellen experimentiert. Und auf der Insel lockert die SUN die Paywall, um mehr Reichweite zu erzielen.

Eins kann man Jörg Quoos nicht vorwerfen: er schmiegt sich nicht stromlinienförmig in den Mainstream. Während die meisten deutschen Zeitungsverlage zurzeit nicht müde werden, die Bedeutung von Paid Content zu betonen, stellt er sich mit folgender These in den Wind: „Paid Content is dead„. Der Chefredakteur von Funkes Zentralredaktion stellt im Interview mit dem Kressreport die Bedeutung der Printprodukte heraus und fußt seine These auf der Annahme, dass eine Online-to-Print-Strategie in absehbarer Zeit nicht genug zahlende Digitalkunden hervorbringt. Ich möchte hierzu gerne eine Gegenthese aufwerfen: vielleicht liegt es ja nicht an Online-to-Print, sondern am Konstrukt Zentralredaktion, dass es schwierig wird, Digitalkunden zu gewinnen. Denn Nutzer zahlen am liebsten für tolle, einzigartige Inhalte. Wenn aber eine Zentralredaktion für mehrere Plattformen dieselben Inhalte produziert, ist es mit der Einzigartigkeit nicht weit her. Das ist in lokalen Zeitungsmärkten unproblematisch. So wird dem Leser der Braunschweiger Zeitung egal sein, dass derselbe Artikel auch in der Berliner Morgenpost erscheint. Im Netz aber wird diese Gleichheit (vor allem durch die Google-Suche) transparent.

Ganz andere Erfahrungen teilt DuMont Net Geschäftsführer Patrick Wölke im Interview mit dem Branchendienst MEEDIA. Er zeigt (die von uns so oft geforderte) Experimentierfreude, indem sein Haus gleich drei Paywall-Modelle testet: Freemium bei MoPo.de, Metered Modell beim Kölner Stadtanzeiger und Micropayment bei der Berliner Zeitung. Das dies durchaus nicht planlos geschieht, sondern mit den jeweiligen Marken und Märkten zutun hat erklärt er ebenfalls. So verzichtet DuMont bei der Boulevard-Marke Express ganz bewusst auf Paid Content. Er sieht Metering vor allem bei Qualitätszeitungen, und punktuelle Käufe, z.B. über Laterpay eher bei Boulevardmedien. Erfreulich offen spricht er auch Defizite im Bereich der mobilen Vermarktung an:

Wir – und damit meine ich die gesamt Branche – schneiden ja Zeitungsanzeigen aus und kleben sie ins Internet. Nun haben wir diese auch noch in Mobilauftritte übernommen und brüsten uns mit hohen Klickraten, weil der Nutzer beim Navigieren mit dem Daumen gar nicht mehr an der Werbung vorbeikommt. Der Werbemarkt liegt an dieser Stelle derzeit drei bis fünf Jahre zurück. Die Devise mobile first gilt, weil reichweitentechnisch mobil immer mehr drin ist und wir uns klar am Bedürfnis des Nutzers orientieren.

Wir freuen uns jedenfalls über so viel Offenheit, Experimentierfreude und Selbstkritik.

Zum Schluss haben wir noch eine kurze Meldung von der Insel. Laut DNV öffnet die auflagenstärkste, britische Zeitung SUN große Teile ihrer Paywall. Und das trotz über 200.000 zahlender Nutzer. Es scheint, dass durch die Traffic-Abwanderung zu Mobile die SUN ein Relevanz- und Reichweitenproblem bekommt, dem sie nun mit kostemlosen Content begegnet. Für mich ist das kein Abgesang auf Paid Content. Es gibt jedoch Phasen, in denen die Reichweitensicherung Vorrang hat. Denn ohne stabile Basisreichweite und die damit verbundene Relevanz funktioniert auch das beste Paid Content Modell nicht.

Auch wenn der Monat Juli nicht so viele Meldungen brachte wie die vorherigen, freuen wir uns über einen regen Austausch zu den hier zusammengestellten Erfahrungen und Meinungen!

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