Mehr Mut zum Jahresbeginn – Paid Content 2015

Gute fünf Wochen ist das neue Jahr jetzt alt. Nachdem im vergangenen Jahr viele Zeitungen mit ersten Paid Content Angeboten an den Start gegangen sind, scheint das neue Jahr mit mehr Experimentierfreude zu starten. So kann man zumindest die Signale aus den ersten Jahreswochen deuten. Wir haben einige Meldungen gesammelt, die diesen Eindruck verstärken.

Rhein-Zeitung handelt konsequent

Dass sie ihren Kurswechsel von der Reichweiten- zur Leserorientierung ernst meint, unterstreicht die Rhein-Zeitung aus Koblenz: seit dem 1. Februar kann auf rhein-zeitung.de nur noch lesen, wer dafür auch bezahlt. Nach etwas über einem Jahr verabschieden sich die Koblenzer damit vom sog. Metered Model, bei dem den Nutzern eine bestimmte Anzahl Artikel kostenlos zur Verfügung steht. Es ist das wohl mutigste Experiment der Branche, in der die Angst vor Reichweitenverlusten so manches Pay-Projekt in die Halbherzigkeit treibt. Wir sind gespannt und freuen uns, dass Christian Lindner, Marcus Schwarze und co. so transparent mit ihren Erfahrungen umgehen.

IVW bietet Light-Test an

Um der wachsenden Beliebtheit von Paid Content-Angeboten Rechnung zu tragen, hat die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V., kurz IVW, eine separate Kategorie für Bezahlinhalte eingeführt. Da dies bislang eine reine Veranstaltung des Axel Springer-Verlags ist (nur Bild und Welt werden dort bislang ausgewiesen) und sich andere Zeitung noch nicht so recht trauen, hat die IVW reagiert: mit „Paid Content light“ gibt es jetzt die Möglichkeit unter realen Bedingungen zu testen, ohne die Daten veröffentlichen zu müssen. Ein Argument mehr, die Zurückhaltung abzulegen.

NZZ versuchts mit Diversifikation

Als echtes Experiment bezeichnet die Neue Zürcher Zeitung ihr digitales Bezahlangebot nzz.at, mit dem es am 21. Januar an den Start gegangen ist. Während die meisten anderen vor allem mit dem Modell oder dem Metering testen, gehen die Schweizer auf dem österreichischen Markt produktseitig neue Wege. Man setzt auf drei Nachrichtenströme statt komplexer Ressort-Struktur. Statt der üblichen Startseite kann der Nutzer einen dieser Ströme als seinen persönlichen Standard wählen. Wir finden: ein spannender Versuch mit wirklich neuem Produkt in neuem Markt. Wir wünschen uns mehr solche Experimentierfreude!

Laterpay erweitert Angebot

Für viel Aufsehen in der Branche sorgte im letzten Jahr der neue Dienst Laterpay, der als eine Art digitaler Bierdeckel ermöglicht, Inhalte erst dann zu bezahlen, wenn „der 5€-Deckel voll ist“. Das von vielen gelobte Angebot wurde jüngst um weitere Zahlmöglichkeiten erweitert. So gibt es jetzt auch die Möglichkeit, zeitlich begrenzte Pässe zu bezahlen. Die neu gewonnene Flexibilität könnte Laterpay mehr Akzeptanz bei den Publishern bringen. Denn jetzt ist es möglich, mehrere Zahlungsweisen über nur einen Partner abzubilden. Wir sind gespannt, wo wir als nächstes „auf Deckel lesen können“.

Payorshare überlässt dem Nutzer die Wahl

Bei der Konzeption einer Paywall gelangt man früher oder später zur Frage: was ist mit dem Social Media Traffic? Schicken wir Nutzer gezielt vor die Schranke und stoßen ihnen womöglich vor den Kopf? Den Zusammenhang zwischen bezahlen und teilen etwas anders interpretiert das Hamburger Startup „Payorshare„. Mit dem Dienst sollen Nutzer künftig entscheiden, ob sie für einen Artikel bezahlen möchten oder diesen weiterempfehlen. Kein uninteressanter Ansatz. Allerdings bleibt die Frage, ob Nutzer wirklich bereit sind den Artikel weiterzuempfehlen, bevor sie ihn gelesen haben. Und selbst wenn es sich durchsetzt: wie reagieren die sozialen Netzwerke, wenn die Timelines künftig mit „Zwangsempfehlungen“ zugespamt werden? Trotzdem lohnt es sich hier, weiter an Modellen zu arbeiten, die das Weiterempfehlen belohnen. So könnten z.B. treue Nutzer mit Gratis-Abos belohnt werden, wenn Sie besonders häufig Inhalte teilen.

taz.de-Zahlen machen Mut

Wie so oft beschreitet die TAZ mit „Taz.zahl ich“ einen anderen Weg als die Branche. Ihre Paywall basiert auf freiwilligen Zahlungen der Nutzer. Deren Zahlungsbereitschaft brachte der TAZ im Jahr 2014 immerhin stolze 125.000 Euro im Monat. Ein Betrag, mit dem man nicht die Zukunft des Unternehmens sichert, aber für den ein regionaler Online-Vermarkter ganz schön viele Banner verkaufen muss. Das Modell ist sicher keines, das sich besonders gut auf andere Nachrichten-Seiten übertragen lässt. Aber es zeigt, dass es auch im Netz eine Zahlungsbereitschaft gibt, sofern es gelingt, eine enge Beziehung der Leser zur Marke aufzubauen.

Wir würden uns jedenfalls freuen, wenn sich der Eindruck festigt, dass Deutschlands Zeitungshäuser experimentierfreudiger ins Paid Content-Jahr 2015 gehen. Vielleicht können wir Sie ja dabei unterstützen. Und zur Vertiefung des Themas haben wir hier noch einige Beiträge verfasst.

Alle Beiträge von Lars

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