Krautreporter: Paid Content ohne Verlag

"Und was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen..." - was Xavier Naidoo besingt, dürften sich auch die Krautreporter gedacht haben. 25 Reporter werden mit Hilfe der "Crowd" eine neue Art Online-Journalismus finanzieren, die ohne Verlag auskommt. Rund 15.000 zahlende Abonnenten haben die Krautreporter zum Start gewonnen.

„Wir haben wieder Wind in den Segeln
Und es spricht jetzt nichts mehr dagegen
Unser Ziel zu erreichen dann viele
Zeichen zeigen wir sind überlegen weil wir auf dem richtigen

Weg sind auch wenn uns
Gerade Probleme begegnen
Wir überstehn den Regen
Werden die Nerven bewahren und es irgendwie regeln“

Ja, sorry, noch mehr Xavier Naidoo…
Aber die Lied-Zeilen beschreiben recht gut die Aufbruchsstimmung, die unter den 25 Krautreportern herrschen düfte.
Das Ehrgeizige Ziel, mit einer Crowdfunding-Kampagne 15.000 zahlende Abonnenten (60 Euro für ein Jahr, das Abo verlängert sich nicht automatisch) zu gewinnen wurde erreicht.

Die Versprechen der Reporter hängen die Messlatte extrem hoch – wohl auch ein Grund, warum viele Interessenten die 60 Euro investiert haben – ohne exakt zu wissen, wie gut das Ergebnis wirklich sein wird. Die einzelnen Versprechen der Krautreporter lauten:

  • Wir werden ein Konzept vorstellen, um die Community mit einzubeziehen. Wir möchten für Euch berichten, nicht vor Euch.
  • Krautreporter ist komplett werbefrei. Wir bekommen Geld nicht von Werbepartnern, sondern von unserer Leserschaft. Deshalb folgen wir den Interessen der Community und nicht der Werbepartner.
  • Aktualität ist für uns ein Anlass, aber keine Drohung. Die Beiträge bei Krautreporter werden nicht nach 24 Stunden welken.
  • Uns ist egal, ob der Google-Bot eine witzige Überschrift versteht oder nicht. Unser Publikum soll sie verstehen.
  • Wir möchten Erklärjournalismus groß machen, der interessant, aber nicht hechelnd die Welt Stück für Stück in Ruhe erklärt.
  • Unsere Reporter können sich viel länger mit einem Artikel beschäftigen, als das in anderen Online-Redaktionen möglich wäre. Das werden die Leser merken.
  • Wir schreiben unsere Geschichten selbst. Unsere Inspiration kommt von der Leserschaft, nicht von irgendwelchen Like-Schleudern.
  • Keine Werbung. Dann kann auch niemand verlangen, dass wir Artikel zu seinen Gunsten schreiben sollen.
  • Wenn Ihr mit dem Angebot der Medien unzufrieden seid, braucht Ihr neue, andere. Die wollen wir mit Euch erschaffen.

Die Krautreporter versprechen zwischen den Zeilen, praktisch alles anders machen zu wollen, als die klassischen Verlagshäuser. Daher verzichten sie auch gleich auf ein solches im Rücken. Mut macht die Erfolgsgeschichte des „De Correspondent” in den Niederlanden, die die Vorlage für die Krautreporter liefert.

Wenn wir uns die Versprechen oben ansehen, entsprechen sie ziemlich genau dem, was wir jedem Verlag erzählen, der mit uns über das Thema Paid Content spricht. Diese Liste der Erfolgsfaktoren ist aus unserer Sicht ziemlich vollständig. Leider konnten bislang aber wenige Verlagshäuser die Faktoren auch wirklich umsetzen. Es gibt sehr gute Ansätze bei den Verlagen – aber das nötige Umdenken und der damit zusammenhängende Veränderungsprozess geschieht nicht von heute auf morgen.

Wenn die Krautreporter ein Erfolg werden, könnten sie auch den klassischen Verlagshäusern Mut machen, experimentierfreudiger zu werden und sich neuen Arbeits- und Denkweisen zu öffnen.

Als Google- und Paid-Content-Stratege habe ich natürlich ein Abo abgeschlossen und werde berichten, wie es mir mit den Krautreportern ergeht – und ob Sie wirklich liefern, was sie versprechen.

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