IKEA Karlsruhe – Fluch oder Segen für den Einzelhandel?

IKEA kommt nach Karlsruhe. Was in anderen Städten kein Thema (mehr) ist, wird in Karlsruhe seit Jahren heiß diskutiert: "Wann kommt IKEA endlich nach Karlsruhe?". Offenbar hat die Spekulation nun ein Ende: IKEA kommt! Die Kunden dürften sich freuen, aber was bedeutet die Neuansiedlung für den Karlsruher Einzelhandel?

Im Jahr 1974 hat IKEA in Eching bei München sein erstes Möbelhaus in Deutschland eröffnet. Bis heute sind es 44 Häuser, bis Ende des Jahres sollen es 46 IKEA-Standorte in Deutschland sein. Während große Städte wie München oder Stuttgart bereits mehrere Standorte vor ihren Toren haben, wartet Karlsruhe seit Jahren auf eine eigene IKEA-Filiale. Ganz Karlsruhe? Zumindest die Kunden scheinen zu warten, denn die Gerüchte über eine mögliche Filiale in der Fächerstadt haben in den letzten Jahren immer wieder eifrige Diskussionen ausgelöst. Was die Karlsruher Einzelhändler über IKEA-Filiale in Karlsruhe denken, versuchen wir aktuell herauszufinden – bleiben Sie dran, wir aktualisieren diesen Post laufend und freuen uns auch über Statements in den Kommentaren unten.

Auf der speziell eingerichteten Expansions-Informations-Seite gibt es zwar noch keine offiziellen Infos, aber…

20.05.2014: Die Stadt lädt zum Pressegespräch
Für den heutigen Dienstag hat die Stadt Karlsruhe zu einem Pressegespräch zum Thema „IKEA in Karlsruhe“ geladen. Offenbar ist man bei der Suche nach einem geeigneten Standort fündig geworden.

+++ Weitere Updates folgen +++

Nach den einzelnen Updates aus der Pressekonferenz des IKEA Expansionschefs Johannes Ferber und des Karlsruher Oberbürgermeisters Dr. Frank Mentrup gibt’s hier nun die komplette Zusammenfassung der Informationslage bei ka-news.de. Sogar die ersten Entwürfe des neuen Gebäudes kann man bereits bestaunen.

Was die Karlsruher spontan davon halten kann man sich in diversen Kommentaren auf Facebook sowie Twitter anschauen. Während sich bei Facebook die Kommentare auf die erste Meldung durchweg positiv zeigen ist die Meinung dazu heute zwar immer noch grundsätzlich gut – aber schon deutlich durchwachsener als gestern. Auch von den Kunden wird die Ansiedelung nicht nur gut bewertet.

Aber warum interessiert uns netzstrategen das Thema so?
Wir netzstrategen arbeiten mit Einzelhändlern in Karlsruhe, Deutschland und der Schweiz intensiv daran, neue Lösungen für den Handel im digitalen Zeitalter zu finden. Eines unserer Konzepte nennt sich CrossCommerce und hilft dabei, den Transfer von Nutzern im Internet hin zu Kunden im lokalen Ladengeschäft zu schaffen. Immer wieder diskutieren wir dabei die Bedrohung durch die Großen (wie IKEA) und die Folgen für die Kleinen. Nun haben wir ein Beispiel vor unserer Haustür, das wir intensiv begleiten und untersuchen können.

Welche Chancen und Risiken bedeutet eine IKEA-Filiale für den lokalen Einzelhandel?

Die Risiken:

  • Das Sortiment, das alle erschlägt.
    Insbesondere die ortsansässigen Möbler wie „XXXLutz“ (Mann Mobilia) und deren Ableger (und IKEA-Klon) „Mömax“ müssen sich warm anziehen. Vor allem Mömax hat mit sehr ähnlichem Konzept versucht, das IKEA-Vakuum zu nutzen. Mit dem Zuzug von IKEA dürfte die Lutz-Kopie Mömax deutlich an Attraktivität verlieren.
  • Der Service, der alle erschlägt.
    IKEA ist bekannt für seinen umfassenden Service – angefangen von der sofortigen Verfügbarkeit der meisten Produkte bis hin zur problemlosen Rücknahme praktisch aller gekauften Artikel. Das hängt den Service-Hammer extrem hoch für den lokalen Einzelhandel. Wenn A einen guten Service bietet, werden die Kunden den gleichen Service automatisch auch von B verlagen.

Die Chancen:

  • Kundenbindung: Kunden bleiben in der Stadt.
    Bisher mussten die Karlsruher Kunden nach Walldorf, Sindelfingen, Böblingen oder Freiburg fahren, um zur nächsten IKEA-Filiale zu gelangen. In Zukunft bleiben die Kunden vor Ort und verlassen die Stadt nicht mehr.
  • Kundengewinnung: Neue Kunden kommen nach Karlsruhe.
    Sicher werden sich auch viele Menschen südlich von Karlsruhe bis nach Offenburg und auch aus Frankreich dadurch nach Karlsruhe orientieren, wenn eine neue Möblierung des Hauses ansteht. Denn nach Süden ist erst in Freiburg der nächste Standort bzw. in Mannheim und Stuttgart. Aufgabe für den Karlsruher Handel: Die Leute zu einem längeren Verweilen bei uns einladen und mit schlauen Ideen und Konzepten in die Innenstadt und anderen Stadtbereiche locken.
  • Nachbarschaft: Ein Stück vom Kuchen.
    In der Nachbarschaft des neuen IKEA-Standortes werden sich wie andernorts auch rasend schnell weitere Händler ansiedeln, die von der IKEA-Frequenz profitieren werden.
  • Lokale Nachfrage: wird angekurbelt
    IKEA inspiriert durch seine Ausstellung und Kataloge die Kunden – aber nicht jeder Kunde will sich auch mit IKEA-Möbeln einrichten. Wir erwarten ein zunehmendes Suchvolumen zu Einrichtungs-Themen – was eine Chance für die Karlsruher Einzelhändler sein kann, wenn diese ihr Sortiment anders Positionieren und gleichzeitig online sehr genau zeigen, was Sie zu bieten haben. Einfache Grundregel: Nur wer zeigt was er hat, wird auch bei Google gefunden.
  • Belebung: IKEA in der Innenstadt?
    Der neue Standort in Karlsruhe liegt zwar nicht in der Innenstadt, aber dennoch sehr zentrumsnah – zu Fuß, mit dem Rad und auch mit öfffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Die Kunden fahren also nicht „vor die Tore der Stadt“, sondern bleiben zumindest nah dran und es besteht die Chance, den Einkauf auch mit einem Besuch in der Innenstadt zu verbinden. In Hamburg eröffnet IKEA dieses Jahr übrigens das erste Einrichtungshaus in einer echten Innenstadt-Lage:

    „Im Sommer 2014 wird in Hamburg-Altona das erste innerstädtische IKEA Einrichtungshaus eröffnet. Dort gibt es ein perfektes ÖPNV-Angebot direkt vor der Tür und mit einem maßgeschneiderten Lieferkonzept ist ein Einkauf ohne Auto besonders einfach.“

    Für die Innenstadt kann dies eine gewaltige Belebung bedeuten.

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