Heldenfiguren im digitalen Wandel

Weil ja kürzlich Christi Himmelfahrt war und ich mich als alter Oberministrant mit Erlöserfigurenen gut auskenne, machen wir heute einen kleinen Ausflug in die wunderbare Welt des schlechten Kleidungsgeschmacks und der Superkräfte. Also schlüpft in eure Superhelden-Pyjamas oder bindet euch zumindest die Krawatte um den Kopf, es wird hart nerdig.

Teilzeitjob: Superheld

Superman kann auf eine ca. siebzigjährige Karriere als Zeitungsjournalist zurückblicken. Spider-Man bringt es auf über vierzig als Fotograf einer Tageszeitung. Der Job eines Helden sagt viel über den Held oder die Heldin aus: Batman ist ein Milliardär, der sich nachts komisch anzieht und Ganoven verprügelt. Superman kann einen Flugzeugträger werfen und hat trotzdem einen eher durchschnittlich bezahlten Job in einem Laden, der Teil der vierten Säule eines demokratischen Systems ist.

Spider-Man kann zwar nur Autos werfen, schlägt sich aber trotzdem als freier Fotograf durch. Das hat bei beiden Spandex-Trägern mit Aufopferung und dem Stützen der Gesellschaft zu tun, denn allen Lügenpresse-Unkenrufen zum Trotz, genießen die „Tagesschau“, „DER SPIEGEL“ oder die „Süddeutsche“, laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2015, nach wie vor das Vertrauen des Großteils der Gesellschaft als Vertreter der vierten Gewalt, die Legislative, Exekutive und Judikative auf die Finger schaut. Es hat schon seinen Grund, dass die beiden diese Jobs haben und nicht Investmentbanker oder Patentanwälte sind: In ihren fiktiven Welt beschützen sie den unbescholtenen Bürger so auf zwei Ebenen.

Die Einschläge kommen näher

Wir machen noch einen winzigen Schlenker: Wer von euch „Der Malteser Falke“ gesehen hat, dem wird auffallen, dass eine Zigarette nach der anderen angesteckt wird: Bevor Bogart den Tag rettet, hat er noch Zeit lässig mit einem Glimmstängel zu hantieren. Sherlock Holmes hatte seine Pfeife, Columbo seine Zigarre.

Doch inzwischen rauchen in großen Hollywoodfilmen nur noch die Bösen und die Verlierer. Das bringt uns zur schlechten Nachricht für das Heldenbild des Zeitungsjournalismus: Superman hat im Zuge des Neustarts aller DC-Reihen seinen Job an den Nagel gehängt, um Blogger zu werden. Spider-Man ist Entrepreneur und CEO von Parker Industries, die Comic-Version eines Rüstungsindustrieunternehmens, wie Airbus oder Lockheed.

Du weißt, dass du in der Tinte sitzt, wenn Superman deinen Job nicht mehr machen will.

Superman hat keine Lust mehr auf Reichweite

Noch ist es nicht zu spät, sich das rote Cape zurückzuerobern. Doch dazu müssen wir erst Überzeugungsarbeit bei den Leuten leisten, die glauben, dass nur Schurken in Filmen rauchen und dass Zeitungsjournalisten nur über Kleintierzüchtervereine berichten.

Ich hab gehört, die hängen im Internet rum. Auf zu neuen Heldentaten?

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