Ein netzstratege muss tun, was ein netzstratege tun muss

Ich wurde in letzter Zeit häufiger gefragt, ob es nicht langsam langweilig wird immer wieder das Gleiche zu erzählen (Internet, wichtig! Content vernetzen! User ernstnehmen!). Um das direkt zu beantworten: Nein, ist es nicht und wird es nicht. Das hat viel damit zu tun, wie wir uns verstehen und auch von was wir überzeugt sind. Willkommen zurück in Peters Kolumne, ignoriert die Spinnweben und die Pizzaschachteln und macht es euch gemütlich. Wir sprechen über die große W-Frage.

Der üblich Schlenker zu Beginn der Kolumne bleibt euch heute auch nicht erspart: Framing ist das klassische Problem des halbvollen oder halbleeren Glases. Der richtige Rahmen ist also enorm wichtig, wenn wir über Motivation sprechen. Da ich jetzt – trotz Google Analytics – nicht feststellen kann, in welchem Gemütszustand ihr euch befindet, muss ich das jetzt ferninduzieren:

So, das sollte zumindest allen, die gute Musik mögen, geholfen haben den richtigen mentalen Rahmen herzustellen. Legen wir los! Was uns antreibt, findet ihr bereits auf unserer Startseite, da steht „Wir machen euch digital handlungsfähig.“ gefolgt von „Unser Ziel ist es, euch für die digitale Welt zu begeistern“ und das meinen wir auch so. Ein knackiger Slogan ist jetzt nichts spektakuläres, von „Das Auto“, „Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna“ oder „Red Bull verleiht Flügel“ haben wir das alles schon gesehen und gehört. Was unterscheidet jetzt den unseren von all den anderen?

TED Talk Time mit Simon Sinek: How great leaders inspire action

Einen Versuch mir dieses strategendasein und den dazugehörigen Claim zu erklären, habe ich zwar schon gemacht. Greifen konnte ich es erst, als mir jemand gesagt hat „Ihr funktioniert so wie in diesem TED-Talk von Simon Sinek.“

Kurz zusammegefasst: Klassische Unternehmenskommunikation beantwortet die Fragen „Was?“, „Wie?“ und lässt das „Warum?“ oft außen vor: Im Video baut Sinek daraus die Argumentationskette: „We make great computers. They’re user friendly, beautifully designed, and easy to use. Want to buy one?“ Apple dagegen argumentiert in umgekehrter Reihenfolge von „Warum?“ zu „Wie?“ zu „Was?“ und das sieht dann so aus: „With everything we do, we aim to challenge the status quo. We aim to think differently. Our products are user friendly, beautifully designed, and easy to use. We just happen to make great computers. Want to buy one?“. Ein anderes Beispiel ist diese nette Geschichte über Kennedy, der einen Hausmeister in einem NASA-Hangar fragt, was seine Aufgabe sei, woraufhin der Mann antwortet „Oh, Mr. President, I’m putting a man on the moon.“ Ob die Geschichte stimmt, weiß, wie bei diesem Kuchenspruch von Frau Antoinette, niemand so recht.

Unser Ziel ist es, euch für die digitale Welt zu begeistern. Dazu führen wir in unserer Strategieberatung Analysen durch, setzen Ziele und schmieden Pläne für das gemeinsame Vorgehen.

Die Feststellung „Ihr funktioniert so wie in diesem TED-Talk von Simon Sinek.“ hat ins Schwarze getroffen, denn es ist so, dass die Begriffe „handlungsfähig“ und „begeistern“ alles durchziehen, was wir tun. Wir wollen, dass ihr die digitale Welt als dieses fantastische Bällebad der Möglichkeiten seht, als das wir es sehen. Dabei hilft auch, dass wir keine Produkte im eigentlichen Sinne haben und damit auch nicht in die Verlegenheit kommen eine eckige Whitelabel-Lösung durch das runde Problem zu klopfen. Dieses „Warum?“ steuert alle unsere Entscheidungen, sei es bei der Suche nach neuen Kollegen oder in den Beziehungen zu unseren Kunden und da wo der Funke der Begeisterung entweder schon vorhanden ist oder schnell überspringt, klappt die Zusammenarbeit am Besten.

“This journey is 1% finished”

Das ist auch der Grund, warum mir selbst Marathon-Workshops nicht langweilig werden, denn es ist jedes Mal schön zu beobachten, wenn der Funke von mir auf andere überspringt und ich sehe wie die Workshop-Teilnehmer in neuen Bahnen denken. Willkommen im netzstrategen-Bällebad!

Umgekehrt ist dieses „Warum“ auch unsere Achillesferse, denn wenn der Funke nicht überspringt, sind wir eben der Computernerd in der Sportsbar, der während einem Championsleague-Spiel gerne über die Vorzüge von Linux sprechen möchte und alle Signale, das doch bitte zu unterlassen, geflissentlich ignoriert. Das wird schnell ermüdend für alle Beteiligten. Denn wir können unser „Warum?“ nicht vermitteln und unser Gegenüber kommt gar nicht erst bei „Wie?“ und „Was?“ an, weil er das „Warum?“ schon doof findet.

Aber weil es komisch wirkt, wenn ich als netzstratege sage, dass wir so egdy und disruptiv denken, gibt es jetzt den Perspektivenwechsel.

Bühne frei für Sarah (mit ohne Blatt vor dem Mund)

Sarah studiert Kulturwissenschaft an der Universität in Koblenz und ist für ein Praktikum und die Abschlussarbeit zurück nach Karlsruhe gezogen

Tag 1: Das Was und Wie im Schnelldurchlauf

Am ersten Tag eines Praktikums hat man meistens eine Aufgabe: Orientiere dich! Wo ist das Klo, die Küche oder der nächste Ausgang? Merke dir die Namen von allen und für was sie zuständig sind. Dazu kommen selbstauferlegte Aufgaben: Versuche, nichts Peinliches zu machen oder zu fragen, sonst wirst du für das gesamte Praktikum die Neue sein, die ohne ersichtlichen Grund ihre Kaffeetasse fallen lässt, versucht sie zu fangen und dabei mit dem T-Shirt an einem Türknauf hängen bleibt und das Shirt zerreißt. Nicht, dass mir so etwas schon einmal passiert wäre…

Ich hatte mich für den ersten Tag inklusive strategenmittag gewappnet. Namen merken, nichts fallen lassen, den Welpenschutz genießen und einfach mal schauen, was so passiert. Die Wirklichkeit war aber ganz anders, ich durfte direkt in den strategenalltag eintauchen. Mir wurden Abläufe und interne Strukturen erklärt und mir wurden gleich erste Aufgaben zugewiesen. Ich bekam vollen Zugang zu allen Tools und Programmen, die im Arbeitsalltag genutzt werden und konnte direkt in alle Projekte reinschnuppern.

Um ehrlich zu sein, habe ich mich zwischendurch gefragt, ob das wirklich so geplant ist oder ob ich das durch mein eifriges Fragenstellen beschleunigt hatte? So viel Input und so viele Zugänge zu so vielen wichtigen Sachen und dass am ersten Tag? Wie kann das? Was ist, wenn ich etwas kaputt mache, falsch klicke oder lösche?

Tag 4: Wie das mit dem „Warum“ bei den netzstrategen funktioniert

Ein paar Tage später durfte ich an einem Meeting teilnehmen, in dem die Schlagwortstrategie in GoogleAdwords für einen Kunden besprochen wurde. Wir stiegen sofort in die Materie ein, leider konnte ich der Thematik überhaupt nicht folgen. Jetzt hieß es die Praktikantenzwickmühle zu bewältigen: Halte ich den ganzen Verkehr mit einer banalen Frage auf oder bleibe ich einfach lächelnd und nickend sitzen und hoffe auf eine spontane Erleuchtung?

Ich habe dann doch die Zähne zusammengebissen und einfach gefragt, um was es gerade geht. Dadurch konnte ich das erste Mal das Phänomen erleben, dass mir in meinem Praktikum täglich begegnet: Mit sichtlicher Freude wurde mir geduldig erklärt um was es geht, was ich fachlich wissen muss und warum wir gerade diese eine Maßnahme ergreifen, um dieses spezielle Problem zu lösen. Nach zwei Minuten lief das Meeting weiter und ich konnte bessere Fragen stellen. Statt einem Nachmittag voll Ahnungslosigkeit konnte ich so Fachwissen mitnehmen, das mir sonst durch die Lappen gegangen wäre.

Als ich die netzstrategen als potentielle Praktikumsstelle in Betracht gezogen habe, bin ich bei dem Satz „Wir machen euch digital handlungsfähig“ hängen geblieben. Was diese Aussage konkret bedeutet und wie man das jemandem beibringen kann, konnte ich mir trotzdem nicht so wirklich vorstellen. Wenn ich auf meinen ersten Tag mit all seinem Input zurückblicke, weiß ich inzwischen was damit gemeint ist.

Jetzt kommt der ganz flache Pass zu euch zurück: Was meint ihr denn dazu? Tatsache oder Selbstbeweihräucherung? Lasst es mich auf Facebook oder hier in den Kommentaren wissen. Alternativ bei einem Bier beim nächsten #nmfka.

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