WebWissen: „EdgeRank“ – Der Facebook News Feed Algorithmus

Viele Mythen ranken sich um den "EdgeRank" genannten News Feed Algorithmus von Facebook. Doch was ist das überhaupt? Wozu wird er gebraucht und wie funktioniert er?

Was ist der EdgeRank?

Den Begriff „EdgeRank“ gibt es eigentlich gar nicht, zumindest nicht offiziell seitens Facebook. Der Ausdruck „EdgeRank“ wurde von den Medien geprägt und beschreibt die Funktionsweise die verantwortlich dafür ist, was der Nutzer in seinem Newsfeed zusehen bekommt. Facebook spricht hier einfach vom „Facebook News Feed Algorithmus“.

Facebook Newsfeed

Die Bezeichnung „EdgeRank“ geht auf das Jahr 2010 zurück und wurde dazu verwendet die Funktionsweise des Algorithmus mit Hilfe von folgenden drei „Kanten“ zu beschreiben:

  • Stärke der Beziehung zwischen Absender und Empfänger (u)
  • Gewichtung des Inhalts nach Interaktionen (w)
  • vergangene Zeit seit Veröffentlichung (d)
Σ = ue we de

Mit diesen drei Faktoren wurde die Relevanz der Inhalte für den einzelnen Nutzer berechnet und auf Basis dessen entschieden ob dieser Beitrag im Newsfeed ausgespielt wurde oder nicht. Auch heute sind diese drei Faktoren sicherlich ein wichtiger Bestandteil der Newsfeed-Mechanik, jedoch gibt es mittlerweile weitaus mehr Einflussfaktoren. Der Newsfeed-Algorithmus von Facebook ist inzwischen genau so komplex wie der Google-Algorithmus und hat über 100.000 Einflussfaktoren. Wie und was genau berechnet wird ist natürlich ein gut gehütetes Geheimnis.

Wozu überhaupt ein Algorithmus?

Immer wieder wird Kritik am Newsfeed-Algorithmus laut. Nutzer fühlen sich bevormundet, werfen Facebook vor, der Algorithmus diene nur dazu um Anzeigenschaltungen zu erzwingen und fordern zuweilen einen Newsfeed ganz ohne Selektierung durch Facebook.

Der EdgeRank sichert Facebook das Überleben!

Fakt ist, der Algorithmus ist der Kernbestandteil von Facebook und sichert dem sozialen Netzwerk die Existenz. Ohne ihn würde das soziale Netzwerk innerhalb kürzester Zeit kollabieren. Den eigenen Aussagen von Facebook zufolge, könnten einem Nutzer bei jedem Login durchschnittlich 1.500 Beiträge angezeigt werden. Bei Nutzern mit vielen Freunden und viele gefolgten Seiten steigt die Zahl sogar auf bis zu 15.000 Beiträge. Diese Informationsflut kann kein Mensch beherrschen, geschweige denn alle Inhalt wirklich lesen. Würde Facebook dem Nutzer also stets alle Inhalte präsentieren, würde dieser sich schnell überfordert fühlen, überhaupt keinen Überblick mehr haben die Kommunikation würde komplett zum Erliegen kommen.

Der Anspruch von Facebook ist auch nicht, seinen Nutzern immer die aktuellsten Inhalte anzuzeigen, wie das beispielsweise bei einem RSS-Reader oder auch Twitter ist. Facebook’s Anspruch ist es, aus der Masse an Nachrichten die relevantesten für den Nutzer zu identifizieren und ihm diese auszuspielen.
Wer etwas Ordnung in den Newsfeed bringen möchte, hat mit Freundeslisten und Interessenlisten die Möglichkeit dazu. Dort werden die Beiträge dem Nutzer auch ungefiltert zur Verfügung gestellt.

Die sinkende organische Reichweite – Ursache und Lösung

Auch Seitenbetreiber jammern immer wieder über den Algorithmus. Genauer gesagt über eine sinkende organische Reichweite, die vermeintlich aus Änderungen am Algorithmus resultiert und sie dazu bewegen soll Beiträge durch Anzeigen zu promoten. Dass die unbezahlte Reichweite seit Ende 2013 bei vielen Seiten gesunken ist stimmt, liegt allerdings nicht daran, dass Facebook den Seitenbetreibern Geld für Anzeigen aus den Rippen leiern will. Immer mehr Inhalte konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Nutzer, was bei immer mehr Beiträgen und gleichbleibender Anzahl an Slots im Newsfeed im Schnitt zwangsläufig zu geringerer Reichweite führen muss. Außerdem trimmt Facebook seinen Algorithmus immer mehr auf Qualität und siebt Inhalte die für den Nutzer keinen Mehrwert bieten aus.

Gutes Storytelling ist der Schlüssel zum Erfolg!

Facebook berechnet den EdgeRank für jeden Post einzeln. Das bedeutet, dass Seitenbetreiber bei jedem einzelnen Post darauf achten müssen, dass der Inhalt für den Nutzer relevant ist, zur Interaktion anregt und zu einem Zeitpunkt gepostet wird zu welchem die Zielgruppe auch tatsächlich online ist. Wer seine Community nicht nur erreicht, sondern auch mit dieser interagiert, hat also gute Karten im Kampf um die kostenlose Reichweite und kann mit qualitativ hochwertigen Inhalten sogar mehr Menschen erreichen als zuvor.

Bei all der Schelte über die organische Reichweite sollte auch nicht vergessen werden, dass Facebook diese Form der Werbung Unternehmen völlig kostenlos zu Verfügung stellt. Wer dennoch mehr oder neue Nutzer erreichen möchte kann dies, sehr gezielt und effektiv, über Facebook Ads.

Bitte nicht nachmachen!

Interaktion ist ein wichtiger Faktor für Facebook. Sie sorgt nicht nur für die virale Reichweite, sondern dient auch zur Bewertung der Relevanz eines Beitrages. Gefällt der Beitrag vielen Ihrer Freunden, wurde von ihnen kommentiert oder geklickt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dieser Beitrag auch für Sie relevant ist. Die Community zur Interaktion zu animieren ist also eine Hauptaufgabe eines Community Managers. Allerdings sollte dieser mit Inhalten überzeugen und auf folgendes besser verzichten:

Like-Baiting

Unter Like-Baiting versteht man das gezielte Auffordern zum liken, kommentieren oder teilen von Inhalten. Dieses Verhalten wird von Facebook im Rahmen der Qualitätsoffensive abgestraft.

Facebook Like-Baiting

Facebook erkennt solche Beiträge am Inhalt selbst, der Häufigkeit wie oft der Inhalt von der gleichen Seite geteilt wurde und nicht zuletzt auch an den Reaktionen der Nutzer.

Click-Baiting

Beim Click-Baiting geht es, ähnlich wie beim Like-Baiting, um das erhaschen von Klicks durch Titel und Texte die den Nutzer zum klicken animieren, diesen jedoch über den Inhalt der Seite im Dunkeln lassen.

Da dieser Mechanismus oft von Spaß-Seiten genutzt wird, wird es von viele Nutzer als störend empfunden. Facebook will auch solche Beiträge verstärkt herausfiltern. Dazu analysiert Facebook die Link-Überschrift, die Verweildauer der Nutzer auf der Zielseite und setzt Klicks ins Verhältnis zu Kommentaren und Weiterempfehlungen. Ist die Verweildauer auf der Zielseite gering und der Inhalt wird verhältnismäßig oft geklickt jedoch nicht kommentiert oder geteilt, deutet das auf einen Click-Baiting-Beitrag hin. Die Frage wie genau Facebook solche Beiträge von qualitativ hochwerten Inhalten mit Mehrwert für den Nutzer differenziert gilt es in nächster Zeit zu beantworten.

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