Digitale Megatrends – Megatrend „Digital“?

Von den 7,5 Mrd. Menschen auf unserem Planeten sind aktuell rund 3,5 Mrd. Menschen online. Viele? Wenige? Immer noch erstaunlich wenige, wie ich finde, nichteinmal die Hälfte der Weltbevölkerung kann von dem profitieren, was für uns längst selbstverständlich ist.

Selbstverständlich?
Wann ist etwas eigentlich selbstverständlicher Bestandteil unseres Lebens?
Die Amerikaner nutzen das Internet im Durchschnitt (!) über fünfeinhalb Stunden am Tag – bei uns in Deutschland liegt die Nutzung mit gut zwei Stunden nicht einmal bei der Hälfte.
Trotzdem würde ich sagen: das Internet ist in unserer Gesellschaft angekommen und damit kein Megatrend mehr. Oder?

Das Internet an sich ist Alltag – aber es bringt ständig neue Trends hervor. Trends, die sich in der Gesellschaft oft wie ein Lauffeuer verbreiten – während viele Unternehmen immer noch ihre liebe Mühe damit haben, überhaupt zu verstehen, was da in den letzten Jahren passiert ist.

Beispiel Smartphone: 1,5 Mrd. Smartphone-Surfer weltweit, in Deutschland sind 68% der Bundesbürger mit dem Smartphone im Netz. Ein Mega-Trend, ganz klar, aber jetzt auch nicht mehr ganz neu. Das iPhone gibt es dieses Jahr (2017) immerhin auch schon seit 10 Jahren. Und innerhalb des Mikrokosmos „Smartphone“ verändert sich die Welt ebenfalls so rasant, dass vielen Unternehmen die Luft wegbleibt. Hat man doch gerade erst verstanden, wie „das Internet“ funktioniert, schon werden die Werbeplätze aufgrund der kleinen Displays immer rarer und gleichzeitig begehrter. Gleichzeitig werden die Algorithmen, die entscheiden, wer überhaupt einen Platz im sichtbaren Bereich des Smartphone-Displays ergattern darf, immer komplizierter, schlauer und schwerer zu durchschauen – diffuse Begriffe wie „Qualität“ und „Relevanz“, gepaart mit harten Kennzahlen, wie „CPO“, „CPC“ & Co, sorgen für ein schwer zu durchdringendes Dickicht.

Und dann auch das noch: eigentlich habe ich heute keine Chance mehr, meine (potenziellen) Kunden direkt zu erreichen. Ich bin auf Vehikel wie Facebook und Google angewiesen, an denen kein Weg vorbei führt.

Kann man doof finden, man kann aber auch eine Tugend daraus machen.
„Homepage. Even the word sounds old“ hat sich nowthisnews.com auf die Fahnen geschrieben und meint damit: Wenn niemand mehr zu uns kommen möchte, weil eh alle bei Facebook rumhängen, dann müssen wir eben auch dorthin. Und zu Youtube, zu Twitter, zu Instagram und und und… – die eigene Website, die sparen wir uns dann halt. Mutige Entscheidung – und für die meisten von uns heute noch unvorstellbar. Noch.

Und dann dieser „Nutzer“. Eigentlich wissen wir jede Menge über ihn. Also theoretisch. In der Praxis haben wir massenhaft Daten gesammelt (eine Seite wie sueddeutsche.de hat 27 Tracker im Einsatz, die alle Daten sammeln) – aber was stellen wir damit an? Wer kann sie überhaupt lesen und kombinieren, um dann die richtigen Schlüsse ziehen? Kaum einer.
Eines ist aber sicher: Die Nutzer wollen es bequem und einfach – und werfen dafür im Zweifelsfall Bedenken über Bord (Beispiel Datenschutz) oder zahlen auch mal ein bisschen mehr (Beispiel Amazons „Dash Button“), wenn die Vorteile zu überwiegen scheinen.

Hinzu kommt, dass „der Nutzer“ sich aber auch einfach nie so verhält, wie wir es gerne hätten. Er schwirrt ständig zwischen den Optionen und Polen, die die digitale Welt bietet:

  • immer erreichbar vs. „lass mich in Ruh'“
  • Neugierde vs. Vertauen
  • Service vs. Verfügbarkeit vs. Preis
  • Beziehungen vs. Reichweite
  • Privatsphäre vs. Bequemlichkeit
  • Unterhaltung vs. Information

Onliner sind also hin und her gerissen zwischen den Möglichkeiten der digitalen Welt und verhalten sich sehr sprunghaft – wir verwenden hier oft und gerne das Bild vom „Eichhörnchen auf Koks“. Kopfkino: an.

Fassen wir also nochmal kurz zusammen: Immer mehr Onliner, die auf immer kleineren Displays sehr unberechenbare Dinge tun.
„Ein Traum“ sagt da der Werbetreibende, „dann machen wir halt weiter TV-Spots & Print-Anzeigen“.

„Money follows eyeballs“

Kann man machen – aber ob’s was bringt?
Denn das Geld wandert früher oder später dahin, worauf die Nutzer ihre Augenpaare richten. Was eben immer seltener eine Mattscheibe oder bedrucktes Papier ist – sondern immer häufiger das Internet mit seinen Einfallstoren Google und Facebook.
Google steigerte so seine Werbeumsätze von 2015 auf 2016 immerhin um 20%, Facebook um satte 62%.

Wer da nicht mitgeht, wird mittelfristig auf der Strecke bleiben – und wer mitgeht muss genau wissen, was er da tut:

  • Wie kann ich die Treue meiner Kunden steigern und bestehende Kunden besser binden?
  • Wie kann ich gute Werbung machen (und wie unterscheidet sich die von schlechter Werbung)?
  • Wie kann ich alle Kanäle bespielen, die für meine Zielgruppe relevant sind.

Dazu ein paar simple Tipps. OK, sie klingen nur simpel, sind in der Ausführung aber oft echte Brocken:

  • Storification: Gute Inhalte, egal auf welcher Plattform bereitgestellt, sind immer eine gute Idee. Beantworte die Fragen Deiner Nutzer, baue so Beziehungen und Bindungen auf.
  • Datafication: Erfasse nicht nur Daten, machen auch was draus. Finde nicht nur heraus, was funktioniert, sondern vor allem auch, warum es funktioniert.
  • Hyperconvenience: Machen Produkte, Dienstleistungen und Services für Deine Kunden so bequem und einfach wie möglich. Denke vom Kunden aus (und der sollte selbst möglichst nicht/wenig denken müssen), nicht von Deinen Systemen, aktuellen Möglichkeiten und den daraus resultierenden Bedenken ausgehend.
  • Betterself: Es wird eine Vielzahl an neuen, vernetzten Gadgets entstehen, die unser Leben, besser, gesünder, einfacher, bequemer, schöner,… machen könnten. Wie kann Dein Unternehmen davon profitieren?
  • Conversation: auch das ist heute oft immer noch ungewohnt – aber: Kunden wollen reden. Mit Dir. Von Mensch zu Mensch. Öffne also die Kanäle und stelle Dich dem Dialog – bis die Chatbots so weit sind, wird es noch ein bisschen dauern.

Und ich stelle mich jetzt auch gerne dem Dialog – persönlich per Mail oder unten in den Kommentaren. Los geht’s!

Hier noch das Video zum Vortrag. Viel Spass 😉

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