Warum „digital detox“ am Internet scheitert

Ich persönlich mache es schon lange: die "Entgiftung vom digitalen Leben" (neudeutsch "digital detox") ist bei mir Standard-Programm im Urlaub. Kein Smartphone, kein Notebook, kein Tablet - oftmals noch nichteinmal Strom. Doch weite Teile der Tourismus-Branche haben den Trend offenbar noch nicht erkannt und macht es uns schwer, Orte für den digitalen Ausstieg zu finden.

Einfach mal raus. Für ein Wochenende, für eine Woche – oder gern auch länger. Kein Telefon, kein Internet. Dafür Natur, Wind & Wetter erleben – gerne in einer schönen Landschaft.
Das mache ich regelmäßig – und ich kann es jedem nur empfehlen, der Energie tanken möchte oder muss.

Und wer nur wenige Tage Zeit hat, oder sogar nur ein Wochenende, der denkt sich: Vor meiner Haustüre muss es doch schöne Plätze geben. Weniger Fahrtzeit bedeutet mehr Freizeit. Ich bin mir sicher, dass diese schönen Plätze jeder von euch vor seiner Haustüre hat.

Für mich sind folgende Kriterien bei der Auswahl eines Ziels wichtig:

  • Natur: Schöne Landschaft, idealerweise mit Wasser (See, Bach, Fluss, Meer) in der Nähe.
  • Ruhe: Ich hab nichts gegen rauschende Bäche und tobende Kinder, wohl aber gegen Verkehrslärm.
  • Offline: Kein Empfang? Perfekt! (Wobei ich das Smartphone meist ohnehin zuhause lasse)
  • Wellness: Es gibt eine Sauna, einen Schwimmteich oder einen Badesee? Ein Traum!

Ich finde meine Liste jetzt nicht sonderlich anspruchsvoll, zumal der letzte Punkt keine zwingende Anforderung ist. Am ehesten erfüllen Campingplätze und Bauernhöfe meine Kriterien, aber auch Hütten und Hotels würde ich buchen. Beim Camping mit etwas mehr Komfort spricht man heute übrigens auch vom „Glamping“.

Was ich nicht möchte sind teure Luxus-Ressorts, die die Sinne doch mehr vernebeln als schärfen – und die man mit kleinem Kind ohnehin lieber meidet (wenn man denn überhaupt rein darf mit Kind!).

Und jetzt kommt das Problem: Online sind diese Ziele nur schwer zu finden.

Ich möchte zwar eine „digitale Auszeit“, gleichzeitig bereite ich diese aber praktisch ausschließlich online vor. Wie auch sonst?

Doch Google & Co sind leider keine große Hilfe. Das liegt nicht daran, dass meine Wünsche zu abgefahren wären und es keine Ziele für mich gibt. Sondern eher daran, dass weite Teile der Branche das Internet komplett verschlafen haben:

  • Kein SEO: Es gibt sie, die schönen Plätze, man findet sie aber nicht im Netz. Selbst stundenlanges Suchen bringt mich oft nicht weiter.
  • Schreckliche Websites: Beispiele gefällig? Wer so im Netz auftritt, hat bei mir kaum eine Chance. Praktisch alle Websites haben die folgenden Probleme: stark veraltet (Inhalt und Design!), schreckliche Fotos, fehlende Basics (Anfahrt!), mobile nicht benutzbar…

Ich bin mir sicher, dass da ein großer Markt an „digital detox“-Willigen schlummert – gerade im näheren Einzugsbereich der großen Städte und nicht nur im absoluten Luxus-Segment. Liebe Tourismus-Branche: Nutzt diese Chance! Wenn ihr mir sagt, dass es euch gibt und dass es sich lohnt, euch zu besuchen, überlege ich mir die lange Fahrt nach Südtirol vielleicht nochmal.

Verspürt ihr auch den Drang, mal raus zu müssen aus der vernetzten Welt? Und wenn ja, was macht ihr dann? Ich würde mich freuen, wenn wir hier ein paar schöne Tipps sammeln könnten.
(Und ebenso freue ich mich über Kommentare von Gastgebern aus der Branche, die den Trend nicht verschlafen haben oder verschlafen wollen!)

Den ersten Tipp gibt’s hier gleich von mir:
Das „Wunderbare Wiesenbett“ auf dem Hilserhof im Schwarzwald. Glamping vom Feinsten!

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