Die Zukunft der Möbel-Branche in Deutschland

IMM Cologne 2018 - es trifft sich die Möbel-Welt (das Publikum erschien mir in der Tat ziemlich international), um die neuesten Möbel-Trends zu live zu erleben. Parallel fand am 18.01. der IMM Congress unter dem Motto “Von “nice to have” zum Überlebenskampf - Erfolgsfaktoren für den Möbel E-Commerce” statt.

Stand der Dinge: von „kein Plan“ bis „meilenweit voraus“

Für mich als “Möbler” unter den netzstrategen natürlich ein Pflichttermin. Dachte ich zumindest.
Mit wenigen Ausnahmen war der Vormittag auf dem Kongress so arm an Erkenntnissen, dass ich den Besuch schnell bereut habe. Die Vorträge waren so flach und unkonkret, dass ich praktisch nichts mitnehmen konnte. Einziger Lichtblick war Michael Petersen von smow.de, der ganz offenbar wusste, wovon er redet und ein paar schlaue Dinge sagte.

Offenbar aus Mangel an guten Branchen-Beispielen abseits von home24 und moebel.de hatte man einen “Schuhverkäufer” eingeladen, weil dort dieses Internet ja schon länger Thema ist als in der Möbelbranche. Und der schwärmte auch gleich für sein Click & Collect Konzept, bei dem tatsächlich Menschen Schuhe im Laden reservieren und dann abholen. “Gut, das passiert jetzt nicht drei Mal am Tag, aber schon ab und zu mal” sagte er sinngemäß.

Halleluja!

Nach dem Mittagessen hatte ich mich mit Blick auf das weitere Programm des Kongresses entschieden, lieber mein Ticket für die Messe zu nutzen und mir das Smart House anzusehen. Denn gefühlt werden im Augenblick alle Gegenstände um uns herum smart (im Sinne von: sind über das Internet steuerbar) – aber Möbel? Smarte Möbel sind mir jetzt noch nicht so viele begegnet.
Direkt am Eingang des smarten Hauses wurde ich dann auch gleich von einem großen Monitor begrüßt – “Client staring” stand darauf und es passierte – nichts.

Kann ja mal passieren, kein Thema.

In der Tat konnte man im Haus einige Smarte Möbelstücke bewundern, überwiegend aus den Bereichen Licht und Küche. Da ist das Thema ja aber auch schon nicht mehr ganz so neu.
Vergeblich habe ich aber nach Geräten wie Amazons Alexa oder Google Home gesucht, die die Steuerung unserer Häuser übernehmen. Nein, jeder Hersteller bastelt seine eigene App und macht sein eigenes Ding. Um mein Smartes Zuhause der Zukunft steuern zu können, will ich mir doch aber nicht 20 verschiendene Apps installieren oder alternativ alles von einem Hersteller kaufen müssen!
Tatsächlich habe ich in den weiten Messenhallen dann doch noch einen Relaxsessel gefunden, der sich per Alexa steuern ließ. Ein Anfang! Danke an dieser Stelle übrigens an unseren Kunden Sergio, der mir den Tipp gegeben hatte, dass es dieses Sessel irgendwo auf der Messe zu sehen gibt.

Der Beweis: schon heute können wir Möbel mit Alexa steuern.

Ich denke dieses Thema wäre einen ausführlichen Kongress-Slot wert gewesen: Wer steuert eigentlich unsere Möbel in Zukunft? Wer gewinnt den längst tobenden Kampf um die digitalen Assistenten in unseren Häusern? Und welche Rolle spielt der Handel in Zukunft, wenn mein Sessel direkt mit Amazon oder Google verknüpft ist?

Zurück zum Thema eCommerce im Möbelhandel. Wo geht die Reise hin?

Glaubt man Marc Appelhoff, Vorstand von home24, werden die großen, teuren Warenkörbe auch künftig im stationären Handel ausgecheckt. Glaubt er das wirklich, oder sagt er das nur, weil das Auditorium zu einem ordentlichen Teil aus eben diesen stationären Händlern besteht, die es in Sicherheit zu wiegen gilt?

Ich glaub’s nicht, ganz ehrlich.

Und sonst? Plattformen sind wichtig!

Leider sind aber weder Google noch Amazon beim Kongress vertreten und so dreht sich die Diskussion überwiegend um ebay, Otto und moebel.de. Auch in dieser Diskussion zeigt Michael Petersen, dass er verstanden hat, wie der Hase läuft. Ich muss bei Google einen guten Job machen. Recht hat er. Die andern sind selbstverständlich auch relevante Player, keine Frage, aber bei so einem Kongress das Thema Google inhaltlich praktisch auszuklammern, halte ich für grob fahrlässig.
Auch der “Schuhverkäufer” schwört übrigens auf Suchmaschinenoptimierung. Ein Blick auf seine Websites während seiner irritierenden Ausführungen zeigt aber, dass er längst den Anschluss verpasst hat und mit Praktiken arbeitet, die schon seit fast 10 Jahren nicht mehr aktuell sind.

Große Einigkeit herrschte bei den Erfolgsfaktoren “Kundenorientierung” und “Prozesse”. Spannend, dass home24 Hersteller rauswirft, die es nicht schaffen, Möbel so zu liefern, dass sie für das 2 Mann Handling taugen. Und wer sich nicht an Lieferzeiten hält, ist ebenfalls raus. Denn klar, beide Punkte sind absolut entscheidend: Kann ich effizient und mit überschaubaren Kosten liefern? Und kann ich schnell und zuverlässig liefern? Insbesondere die Einhaltung von Lieferterminen entscheidet am Ende, ob ein Kunde happy ist, oder bei Trusted Shops eine schlechte Bewertung hinterlässt. Das Möbelstück kann noch so gut sein – wenn der Prozess drumherum nicht passt, hagelt es Kritik.

Und was bleibt sonst vom Tag?
Das Gefühl, dass einige Player ihren Vorsprung rasant ausbauen werden. Während viele andere noch Kongresse wie den heutigen besuchen und irgendwie ratlos zurückbleiben.

Zurück beibt auch ein Sturm, der über Deutschland hinwegfegt und mich damit zwingt, einen Reiseplan B zu entwickeln. Denn meine geliebte Bahn bringt mich heute nicht mehr heim. Dem WLAN beim Kongress sei Dank, schreibe ich diese Zeilen in einem verdammt engen Flixbus, der mich von Köln zurück nach Karlsruhe bringt. Hoffentlich. Irgendwann.
Nachdem alle Autovermietungen ausverkauft waren und Blablacar keine sinnvollen Verbindungen anbieten konnte, habe ich mit viel Glück das vorletzte Ticket für den Flixbus ergattert. Bloß, der fährt am Flughafen Köln/Bonn los. Kein Problem, MyTaxi installiert und ein Taxi bestellt. Kam nur leider keins, weil die ganze Stadt aufs Taxi umsteigen wollte. Also Car2Go als App installiert, auf Empfehlung meines Freundes und Kollegen Lars. Wow, cooler Registrierungsprozess und sogar die Führerschein-Kontrolle konnte ich digital erledigen. Vorder- und Rückseite abfotografieren, Selfie dazu, fertig. Leider kam nach einer halben Stunde die Ernüchterung: Fotos vom Führerschein angeblich zu unscharf und zudem ist mit meiner Adresse etwas nicht in Ordnung. Ich soll persönlich vorsprechen. Schade, direkt an der Messe wäre ein Smart für mich gestanden.
Also draussen mit etwas Geduld und Glück ein Taxi erwischt und geteilt – der Taxifahrer machte heute mal ein gutes Geschäft. Ganz analog.
Freu mich darauf, wenn es endlich selbstfahrende Autos gibt! Aber das ist ein anderes Thema…

Es gibt noch viel zu tun!

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