Der Unterschied zwischen Webreporting und Webanalyse

Es ist ja gar nicht so einfach... Gefühlt gibt es eintausend Begriffe dafür, was man aus einem Analyse-Tool herausbekommt: Webtracking, Webanalyse, Reporting, Webanalytics, Webstatistics, Traffic-Analyse, Webcontrolling und so weiter. Aber wenigstens sind Webreporting und Webanalyse ja das Gleiche. Richtig? Falsch! Zwischen diesen beiden Begriffen gibt es einen Unterschied, den man auf jeden Fall kennen und beachten sollte.

Zunächst mal die Theorie…

Schaut man sich die Definitionen an, wird es schon klarer:

Reporting

Der Begriff Reporting ist laut Wikipedia wie folgt definiert:

Unter dem Begriff betriebliches Berichtswesen (auch Reporting) versteht man die Einrichtungen, Mittel und Maßnahmen eines Unternehmens zur Erarbeitung, Weiterleitung, Verarbeitung und Speicherung von Informationen über den Betrieb und seine Umwelt in Form von Berichten. Berichte sind für eine vorgegebene Zielsetzung zusammengefasste Informationen.

Das bedeutet im Klartext, hier werden Informationen gesammelt, zusammengefasst und in Berichten, Dashboards oder anders visuell aufbereitet. Damit geht man dann ins Chefbüro und legt es ihm auf den Tisch. Der Chef wirft dann einen Blick rein, ‚aha, läuft alles so weiter wie letzte Woche‘, und klappt den Bericht wieder zu. Ein Reporting kann im Prinzip jeder anfertigen. Alles, was er dazu wissen muss ist, wie er an die Daten kommt und in welches Template oder in welches Excel-Sheet diese hinein kopiert werden müssen.

Analyse

Die Definition von Analyse im Allgemeinen (auch Wikipedia) lautet hingegen so:

Eine Analyse […] ist eine systematische Untersuchung, bei der das untersuchte Objekt oder Subjekt in Bestandteile (Elemente) zerlegt wird und diese anschließend geordnet, untersucht und ausgewertet werden. Insbesondere betrachtet man Beziehungen und Wirkungen (oft: Wechselwirkungen) zwischen den Elementen.

Über das Sammeln und Aggregieren von Informationen hinaus, besteht der Unterschied zum Reporting also darin, dass hier die einzelnen Bestandteile untersucht, einzeln betrachtet und bewertet werden. Ganz wichtig sind außerdem Beziehungen und Aus-/Rückwirkungen zu und mit anderen Komponenten des Systems.

Wann brauche ich was?

Die Webanalyse soll uns einen tieferen Einblick in unsere Website oder App geben. Diese Insights bekommt man – wie der Name schon sagt – nur, wenn man genauer hinsieht und sich eingehend mit den Zahlen beschäftigt. Dafür ist wichtig, dass man die Zahlen kennt, weiß, wie das Unternehmen tickt und die „Sprache“ der Firma spricht. Ein Webanalyst ist also unbedingt jemand, der sich mit den Zielstellungen der Firma und der Branche auskennt, denn er muss die Daten interpretieren, den Kontext und die Auswirkungen aufs Unternehmen verstehen und Handlungsempfehlungen aus den Erkenntnissen ableiten.

Ein Fall für die Webanalyse

Nun braucht man ja nicht wöchentlich eine detaillierte Webanalyse durchführen. Sinnvoll ist eine solche Analyse, wenn man einmal den Status Quo der Website/App erheben möchte. Um einen umfassenden Einblick zu bekommen, betrachtet man dabei alle relevanten Kommunikationskanäle, Werbemaßnahmen, seine Ziel- bzw. Nutzergruppe, die Branche und weitere Faktoren, die sich auf das Unternehmen auswirken können. Dieses Hintergrundwissen fließt in die Analyse ein, so dass man die Daten richtig bewerten kann und ein valides Gesamtbild entsteht.

Webanalyse als Auflistung
Der Output einer Webanalyse kann, wie hier, auch nur Text oder eine Aufzählung sein, in der die Erkenntnisse beschrieben werden. Die Daten wurden schon vorher untersucht und bewertet.

Ein weiteres Anwendungsbeipiel ist das Controlling von Zielen und Kampagnen. Maßnahmen, die onsite oder offsite durchgeführt werden sollen, bedürfen einer gewissenhaften Vorbereitung. Es fängt schon mit den Nutzern an, die auf den unterschiedlichsten Wegen und mit verschiedenen Absichten auf die Website kommen. Vor Kampagnenstart sollte die Webanalyse also herausstellen, welche Zielgruppen sich auf der Website tummeln und entsprechende Nutzerprofile dafür definieren. Nicht weniger wichtig ist die Analyse nach einer Kampagne, die offenlegt, in welchem Maße die Ziele erreicht wurden, aus welchen Gründen die Kampagne ein Erfolg oder Misserfolg war und was für’s nächste Mal zu beachten ist.
Die Webanalyse verfolgt demzufolge ein konkretes Ziel und kostet Zeit.

Ein Fall für’s Webreporting

Während der Kampagne macht man dann Webreporting, das heißt man beobachtet die definierten Kennzahlen und justiert gegebenenfalls nach, wenn die Performance nachlässt. Das ist auch die wesentliche Aufgabe des Reportings: die wichtigsten Kennzahlen immer im Blick zu behalten und Anpassungen schnell vornehmen zu können.
Das Reporting fließt somit ins regelmäßige Tagesgeschäft ein und ist möglichst weit automatisiert. Reportings sind typischerweise als Dashboards angelegt und werden in regelmäßigen Abständen an die betreffenden Personen im Haus versendet.

Webreporting als Dashboard
Webreportings lassen sich gut in Dashboards abbilden. Hier können die wichtigsten Kennzahlen für den Empfänger zusammengefasst und anschaulich dargestellt werden.

Kurz zusammengefasst:

Unbewertete Informationen, meist visuell schön aufbereitet = Webreporting.
Insights, Handlungsempfehlungen und Auswirkungen auf die Firma = Webanalyse.

Ist ja eigentlich auch egal, wie man es nennt, Hauptsache, es kommt das Richtige dabei heraus! Viel Spaß beim Analysieren! :-)

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