Beyond Tellerrand Konferenz 2018 – ein Resumee

Dieses Jahr fand die zweitägige Konferenz beyond tellerrand erstmals in München statt. Das Event richtet sich primär an Entwickler und Designer und wir haben viel Gutes über die berühmt-berüchtigte familiäre Atmosphäre und das fantastische Line-up gehört. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen, daher haben sich Tom, Daniel, Fabian und ich auf den Weg in die bayrische Metropole gemacht. Unsere Eindrücke und unser persönliches Resümee haben wir für euch zusammengefasst.

Location und Bühnen

2010 von Marc Thiele ins Leben gerufen, gab es die Konferenz bisher nur in Berlin und Düsseldorf. Der Auftakt in München fand im eindrucksvollen Künstlerhaus statt – einer Location die dem Event mit ihrer prunkvollen Atmosphäre definitiv gerecht wurde, auch wenn ich von anderen Teilnehmern gehört habe, dass die vorherigen Veranstaltungsorte noch ausgefallener waren. Der erste Eindruck: sehr gut.

Da es keine speziellen Themen-Cluster gab, war es sehr angenehm, dass alles auf einer Bühne stattfand. So mussten wir uns nicht zwischen den Vorträgen entscheiden, sondern konnten entspannt sitzen bleiben und uns vom Programm führen lassen.

Nadieh Bremer
Foto von Stefan Nitzsche

Speaker und Vorträge

Das Line-up der Speaker konnte sich sehen lassen: 13 Speaker aus 7 Ländern haben in Impuls- und praxisnahen Vorträgen direkt anwendbare Tipps aus ihren Themenbereichen gegeben. Alle Vorträge und Moderationen wurden auf Englisch gehalten, wodurch bei der beyond tellerrand nicht nur die Speaker, sondern auch die Teilnehmer aus allen Ecken der Welt zusammenkamen. Die meisten Vorträge sind bereits auf Vimeo verfügbar.

Die Konferenz hatte kein übergeordnetes Thema, daher behandelten die Vorträge unterschiedliche Aspekte der digitalen Welt. So gab Sara Soueidan einen Crash-Kurs zu SVG-Filtern, Vitaly Friedman vom Smashing Magazine sprach über neue Herausforderungen im Responsive Webdesign und Harry Roberts brachte neue Argumente ins Spiel, die für die ständige Performance-Optimierung sensibilisierten.

In seinem Vortrag Why fast matters wurde klar, dass die nächsten Milliarden an Internetnutzern, die bald in ihren Regionen Zugang erhalten werden, nicht in den Genuss einer auch nur annähernd so schnellen Internetverbindung kommen werden, wie wir sie derzeit in Mitteleuropa genießen. Diese Differenzen in der Geschwindigkeit haben bereits jetzt dramatische Auswirkungen auf die Ladezeit einer Seite, stellen die User Experience komplett auf den Kopf und fordern uns dadurch umso mehr heraus.

Weniger Handlungsaufforderungen, dafür umso mehr Inspiration gab uns dina Amin mit ihrem Vortrag zu ihrer persönlichen Geschichte A Tinker Story , der tosenden Applaus auslöste.

Den krönenden Abschluss machte Stefan Sagmeister, Geschäftsführer der renommierten New Yorker Design Agentur Sagmeister & Walsh mit seinem Vortrag Why Beauty Matters und sensibilisierte dafür, dass Schönheit auch gleich Funktion ist und dass sich beide Themen stets beeinflussen. Wie für seine Vorträge bekannt, stimmte er zum Ende ein Lied auf die Schönheit an und das gesamte Publikum sang mit. Wir finden: Ein perfektes Ende für die zwei Konferenztage.

Atmosphäre

Die Atmosphäre bei der beyond tellerrand war, wie versprochen, außergewöhnlich familiär: Viele der Teilnehmer sind schon seit Jahren dabei und kennen sich untereinander. Zudem gab es eine ganze Reihe an fleißigen Helfern, die teils aus dem Ausland angereist sind, nur um beim T-Shirt-Verkauf oder am Einlass zu helfen. Man merkt was für eine treue Community zusammen mit Marc Thiele hinter der Konferenz steht – trotzdem fühlt wir uns auch als Neuzugänge sehr wohl und herzlich aufgenommen. Da die Pausen zwischen den Vorträgen großzügig gestaltet waren, gab es ausreichend Zeit zum Austausch und Networking mit anderen Teilnehmern. Einige blieben aber auch bei der Stage sitzen und lauschtem dem legendären DJ Tobi Lessnow, der zwischen den Vorträgen Zitate der Speaker in seine Musik mixte – ein weiterer kleiner, aber außergewöhnlicher Bestandteil der Konferenz. So kam auch in den Pausen ziemlich Stimmung auf.

Unsere Highlights

Tom Hare

Tom Hare Development-Stratege


Als Web Developer haben mir die Präsentationen von Vitaly Friedman und Harry Roberts am meisten gefallen. Sie haben viele Probleme aus meinem beruflichen Alltag adressiert und einige neue Methoden zur Website Performance Optimierung empfohlen – ein Thema mit dem ich mich viel beschäftige.

Auf der anderen Seite waren die Präsentationen von dina und Aoi Yamaguchi wunderbar kreativ und haben mich äußerst beeindruckt. Ich habe niemals gedacht, dass ich auf einer ‘Tech- Konferenz’ japanische Kalligraphie lernen würde!

Daniel Kudwien

Daniel Kudwien Produkt-Stratege


Technisch gab es die meisten Impulse von Vitaly Friedman. In seinem Vortrag zu Responsive Design präsentierte er die aktuellsten Trends und Best Practices aus den Bereichen Web Frontend Development und Performance Optimization — viele bunte Schlagwörter, für die es sich auf jeden Fall lohnt, etwas genauer nachzuforschen:

Anthropologisch regte Simon Collison an über die neue Schnittmenge Digital Nature nachzudenken, also wie sich die drei Themen Digitales, Natur und Gesundheit zunehmend überschneiden und so durch Big Data sowie gemeinsame Netzwerke und Communities dazu führen, dass wir Welt und Natur anders erfahren.

Pragmatisch forderte Chris Heilmann dazu auf, die Verfügbarkeit und Verwendung heutiger Technologien neu zu denken. In seinem Vortrag zu Automation & Standards stellte er klar, dass heute immer weniger Menschen Programmieren lernen müssen, weil sich die Technologie stetig verbessert und vereinfacht.

Es ist absehbar, dass Bots in naher Zukunft auch (eine Website) programmieren können; dass sich Software selbständig weiterentwickeln wird. Gemeinsame Standards verbessern Qualität, Pflege, Wartungskosten. Aber zu viele Standards können auch das Gegenteil von disruptiver Kreativität darstellen.

Leidenschaftlich erklärte Nadieh Bremer in ihrem Vortrag zu ihrer Profession Data Visualization Design, wie ihr Prozess zur Erstellung einer neuen Visualisierung aussieht. Von ersten Sketches auf Papier, Datensammlung, Datenaufbereitung, Datenverarbeitung, bis hin zur technischen und grafischen Umsetzung mit D3 und anschließender Ausgestaltung und Veredlung beschrieb sie alle Bestandteile und verriet Tipps & Tricks aus ihrem großen Erfahrungsschatz.

Ihre äußerst spannenden und interaktiven Visualisierungen zu Herr der Ringe und Dragonball Z stellten außerdem klar, dass auch in unserem Zeitalter heute noch der Grundsatz gilt: Wahre Meister beschäftigen sich auch in ihrer Freizeit mit ihren fachlichen Interessengebieten und entfachen so für sich selbst und andere Leidenschaft — Großes Kino!

Inspirierend war der Vortrag von dina Amin zum Thema Produkt-Design. Aus ihrer Not machte sie eine Tugend: Sie zerlegt gerne Produkte. Auch Unscheinbares kann ein überraschendes Innenleben haben. Spiel doch mal mit Fantasie!

Fabian Marz

Fabian Marz Development-Stratege


Ich fand vor allem die weniger technischen Vorträge sehr inspirierend. Besonders gefallen haben mir dabei die Vorträge von dina Amin, Robin Christopherson und Aoi Yamaguchi. Nicht allein durch den Inhalt, auch durch die Personen und Geschichten dahinter. Als Robin Christopherson die Bühne betrat und sagte, dass er blind sei, habe ich nicht schlecht gestaunt. Hätte man seinen Screenreader nicht hören können, hätte ich das nicht unbedingt vermutet.

Des Weiteren haben es alle Speaker und Vorträge geschafft mich für ihr Thema zu begeistern. Ich hätte nicht gedacht, dass Daten-Visualisierung und E-Mail-Templates mein Interesse wecken können. Es gab nicht einen Vortrag, bei dem ich gelangweilt im Stuhl hing. Durch das bunt gemischte Line-up (und den grandiosen DJ Tobi Lessnow) habe ich prägende Einblicke in andere Bereiche sammeln können und viel Neues gelernt.

Auch die Zeit zwischen und nach den Vorträgen konnte ich gut nutzen, um mich mit der Community und den Speakern bei einem Getränk auszutauschen. Für mich war die beyond tellerrand ein voller Erfolg und sicherlich nicht mein letzter Besuch.

Isabel Schrage

Isabel Schrage Projekt-Strategin


In den Vorträgen ging es weniger um außergewöhnliche neue Trends, sondern darum Herangehensweisen zu überdenken, das Bestehende zu verbessern und in allen Aspekten zugänglicher zu machen: Barrierefreiheit im Netz war ein häufig wiederkehrendes Thema und ist etwas, an das wir alle mit mehr Sorgfalt denken müssen.

Chris Heilmann forderte in seiner Keynote Sacrifing the golden calf of ‘coding’ dazu auf keine Scheu vor Automatisierungen zu haben und so mehr Zeit für wichtigere, individuelle Themen zu gewinnen. Vieles im Web wiederholt sich und das Rad muss nicht jedes Mal neu erfunden werden – hier bin ich absolut bei ihm. So bleibt zum Beispiel mehr Zeit, um die Performance von Websites zu optimieren, wie Harry Roberts in seinem Vortrag Why fast matters hervorragend illustrierte.
Ein persönliches Highlight für mich, als E-Mail-Marketing-Strategin, war Mark Robbins, der uns neue interaktive Möglichkeiten in E-Mails zeigte und damit bewies: E-Mails sind alles Andere als langweilig!

 

Mehr Infos zur Konferenz gibts auf der Website der beyond tellerrand.

Für alle an digitalen Konferenzen Interessierten: am 17. April 2018 findet zum zweiten Mal die hallo.digital in Karlsruhe statt. Mehr Infos, das Line-up und Tickets findet ihr unter hallo.digital.

 

Titelbild und eingebettete Fotos von Stefan Nitzsche

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