Beacons: Gebt den Nutzern und der Technologie Zeit!

Wer sich in diesen Tagen mit der Zukunft des Einzelhandels beschäftigt, kommt um das Thema "Beacons" kaum herum. Fast hat es den Anschein, als klammerten sich alle in der Branche an dieses kleine Stück Hardware - in der Hoffnung, endlich eine Lösung für die Probleme des lokalen Einzelhandels gefunden zu haben. Nun ja.

Was Beacons sind und wie Sie funktionieren, habe ich bereits vor einiger Zeit zusammengefasst. Einsteigern empfehle ich daher zuerst die Lektüre des alten Artikels.

In der Zwischenzeit ist die Berichterstattung in den Fachmedien zum Thema Beacons explodiert. Kein Tag, an dem nicht mehrfach über das Thema gesprochen wird, neue Startups auftauchen und die unfassbaren Chancen der kleinen Sender heraufbeschwört werden.
Allein im gestrigen Newsletter vom „Location Insider“ (27.08.2014) waren 5 Meldungen zum Thema Beacons enthalten.

Beacons: Blase, Hype oder doch eine Chance?

Wir haben uns in den letzten Wochen intensiv mit dem Thema Beacons und deren Einsatzmöglichkeiten für unsere Kunden befasst.

Unsere Erkenntnis: Spannend, aber zu früh und nicht für jeden Händler.

Auch der Nachfrage-Verlauf bei Google Trends legt den Verdacht nahe, dass hier gerade ein Thema mächtig gehypt wird, das garnicht so sehr nachgefragt wird:

Heute steht es unserer Meinung nach um die Technologie wie folgt:

„Alle Welt spricht darüber, kaum jemand nutzt sie.“

(Location Insider)

Vor allem in den Köpfen der Nutzer sehen wir aktuell noch die größten Hürden:

  • Aufwand/Nutzen: Installiere ich mir wirklich für jeden Händler eine App?
    (Insbesondere kleine Händler werden nicht in der Payback-Liga mitspielen (können) und brauchen zwangsläufig eine eigene App, um Beacons nutzen zu können.)
  • Mehrwert: Was bieten mir diese Apps (ausser, dass der Händler mich tracken und mit im Laden Nachrichten schicken kann)?
  • Unsicherheit: Was passiert, wenn ich mein Bluetooth immer an habe? Wer kann wie auf mein Smartphone zugreifen, wie schnell ist mein Akku leer?

Experten empfehlen, beim Einsatz von Beacons vorsichtig und konservativ vorzugehen, um die Nutzer/Kunden nicht zu verstören. Also erstmal keine Nachrichten an die Nutzer senden, sondern nur deren Verhalten tracken, idealerweise in Verbindung mit den Sessions auf der Website des Händlers.

Hier ist also viel Kreativität gefragt:
Wie bringe ich einen Nutzer dazu, sich online auf der Händler-Website zu registrieren, eine App zu installieren und sich darin auch noch anzumelden, damit der Händler den Kunden identifiziert und sein Verhalten auswerten kann? Wenn, dann vermutlich nur über die Gutschein vor Ort – die viele Kunden aber eben eher abschrecken könnten, weil sie unerwartet und technisch „nicht nachvollziehbar“ auf dem Gerät landen und ein Gefühl der Überwachung wecken könnten.

Die Katze beisst sich also in den Schwanz: Das stärkste (oder zumindest überall vorgebrachte) Argument für die App (Gutscheine & Rabatte) kann gleichzeitig auch für die größte Verunsicherung sorgen. Als Kunde sage ich mir doch: „Gib mir den Gutschein gleich online oder in der App – und warte nicht, bis ich im Laden vorm Regal stehe. Vielleicht komme ich dann auch eher in den Laden?“

Unserer Meinung könnte ein Universal-Warenkorb ein besseres Argument sein, als Gutscheine & Rabatte: Ich stelle mir Online meine Wunschprodukte auf einer Merkliste zusammen, und kann sie mir im Laden (mobil über die App) nochmal ansehen. Das funktioniert natürlich nur in Segmenten, in denen vor dem Ladenbesuch intensiv im Internet recherchiert wird.
Dazu braucht es aber wiederum keine App, eine responsive Website tut es auch und ist damit für den Händler günstiger.

Für den einzelnen Einzelhändler sehen wir also aktuell wenig Chancen beim Einsatz von Beacons. Große Kaufhäuser, Einkaufzentren und Einkaufsstraßen hingegen könnten schneller und einfacher die Herzen der Kunden erobern, wenn sich die Händler zusammen schließen und die Besucherströme beispielsweise in Läden locken, die der Kunde nicht auf dem Schirm hatte. Auch Kundenkartenmodelle wie Payback haben sicher schon heute viele Möglichkeiten, weil sie mit nur einer App viele Händler und deren Filialen nutzen könnten.

Wir sind uns sicher, dass in der Beacon-Technologie auch für kleine Händler einige coole Chancen liegen. Vielleicht brauchen wir ja übermorgen keine App mehr, um Beacons nutzen zu können – und eine (mit dem Smartphone aufgerufene) Website genügt? Dann fallen uns Anwendungsfälle in Hülle und Fülle ein – der Umweg App ist uns aktuell leider oft viel zu umständlich.

Wie ist eure Meinung: Würdet ihr als Händler Beacons einsetzen? Würdet ihr als Kunde über Beacons angesprochen werden wollen? Was wären für euch echte Mehrwerte?

Alle Beiträge von Stephan

Unsere meistgelesenen Beiträge

Zwei Jahre Chromebook: Ein Erfahrungsbericht

Google Chromebook
|
Gute 25 Jahre PC-Nutzung - von Anfang an mit Windows. Dann raucht im wahrsten Sinne des Wortes mein teures und gar nicht so altes Lenovo-Notebook ab. Und ich bestelle mir einfach ein Chromebook und bin schneller weg aus der Windows-Welt, als ich es für möglich gehalten hätte. Zwei Jahre ist das nun her - und ich habe zwischendurch immer wieder über meine Erfahrungen mit dem Chromebook berichtet.