Von Bällen und Netzen – ein persönlicher Rückblick auf vier Saisons als netzstratege

2014 ist WM-Jahr, das ist bekannt. Dieses Jahr findet das Turnier am Zuckerhut statt. Und beim Ausblick auf solche Großereignisse denkt man unweigerlich an das vergangene zurück. Man erinnert sich an die großen Spiele wie das 4:1 gegen England und das 4:0 gegen Argentinien, aber auch an das enttäuschende Halbfinalaus gegen Spanien. Ich persönlich erinnere mich bei diesen Spielen auch fast immer daran, wo und mit wem ich die Spiele verfolgt habe. Vor ein paar Tagen war es wieder soweit. Ich dachte an den Sommer 2010 und wie ich ihn verbracht habe. Keine Frage, es war ein tolles Turnier in Südafrika. Für mich persönlich bleibt etwas anderes in besonderer Erinnerung: es war mein erster Sommer als netzstratege. In diesem Monat feiern wir netzstrategen also 4-jährigen Geburtstag. Auch wenn meine eigene fußballerische Laufbahn schon eine Weile zurückliegt, möchte ich die Gelegenheit für einen persönlichen Rückblick auf diese vier Jahre mit der Vereinsbrille zu nutzen. Oder um es mit dem ehemaligen Bundes-Co-Trainer Horst Hrubesch zu sagen: „wir müssen das ganze einmal Paroli laufen lassen“.

Ein paar Impressionen aus unserem Alltag als Strategen

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Raus aus den Großclubs – rein ins Abenteuer
Alles begann vor ungefähr fünf Jahren, als André und Stephan mit der Idee zu mir kamen, einen eigenen kleinen Verein zu gründen. Wir drei waren alle lange Zeit in Großclubs aktiv und hatten davon genug. Man setzte dort meist auf „traditionelle deutsche Tugenden“ und das Funktionärswesen war stark ausgeprägt. Ein bisschen so wie Fußballdeutschland in den 90ern. Wir merkten, dass die Welt sich außerhalb unseres Mikrokosmos weiterentwickelt. So wie im Fußball andere Nationen wie Frankreich und vor allem Spanien den deutschen Kickern den Rang abliefen und dabei sogar stilprägend sein sollten. So begann das Internet das Informations- und Kommunikationsverhalten der Menschen zu revolutionieren. Wir wussten am Anfang nur: in dieser spannenden Zeit der Veränderung wollen wir aktiv mitgestalten. Unser Verein sollte die sich verändernden Beziehungen zwischen Menschen, Medien und Unternehmen in den Mittelpunkt stellen. Dabei ist heute wie damals die entscheidende Frage: mit welchen Strategien lassen sich die Vernetzung und Digitalisierung der Gesellschaft wertschöpfend nutzen? Und auch ein Vereinsname war schnell gefunden: netzstrategen wollten wir heißen. Und so heißen wir auch heute.

Gründung im Vereinsheim in der Stephanienstraße
Etwa ein Jahr später starteten wir in unsere erste offizielle Saison. Unser Clubheim in der Stephanienstraße in Karlsruhe sollte eine gute Heimspielstätte sein. Wir sicherten uns zum Start internationale Erfahrung. So war Neuseeländer Jim die erste große Verstärkung für unser Kreativabteilung. Weißrussin Elena überzeugte vom ersten Spiel an mit ihrer Ausdauer und Hartnäckigkeit, während Stephan und ich im ersten Jahr für die langen Wege (vornehmlich auf der A8) zwischen unserem damaligen Trainingsgelände in Stuttgart und Karlsruhe zuständig waren. Darüber hinaus besuchten wir regelmäßig unsere Fanclubs in München und Köln. Der Start war geglückt. Doch bald stellte sich heraus, unsere Spielweise war zu laufaufwendig. Und so beschlossen wir, unsere Kräfte im Clubheim Stephanienstraße zu bündeln. Das Trainingsgelände war unnötig geworden, zumal unser damaliger Stuttgarter Trainingspartner nach Freiburg gezogen war. So pendelten Stephan und ich fortan zwischen Clubheim und Fanclubs hin und her.

Das Kernteam wächst zusammen
Das zweite Jahr ist bekanntlich das Schwerste, sagt der Fußballvolksmund. Für uns sollte die zweite Saison zumindest ähnlich aufregend werden wie die erste. Nach ein paar Transfers hatte sich das Kernteam gefunden. Unter anderem sorgte nun Orga-Strategin Dao dafür, dass der Kasten sauber blieb. Und Jim freute sich über Unterstützung im Angriffsspiel durch das Nachwuchstalent Michi. Alle Zu- und Abgänge würden hier zu weit führen. Und natürlich gab es auch das ein oder andere Mißverständnis bei den Verpflichtungen. Im Großen und Ganzen zeichnete sich damals aber schon ab, dass wir beim Scouting von Talenten und auf dem Transfermarkt ein ganz gutes Händchen haben sollten. Außerdem kamen nun auch andere Sportarten dazu, so z.B. durch die Gründung der ITstrategen im Sommer 2011. Langsam aber sicher wurde es voll in unserem lieb gewonnenen Vereinsheim in der Stephanienstraße. Ein neues Stadion musste her. Club-Chef André sondierte schon frühzeitig die Lage in Gesprächen mit der Stadt. Und im Herbst der zweiten Saison war klar: wir würden eine neue Heimstätte finden. Wenn man so will: ein echtes Stadion auf dem Gelände des Alten Schlachthofs.

Wir wurden überrascht – unser Geburtstagsvideo

Rückschläge und Comebacks
In unserem Fall sollte dritte Jahr das bislang wohl schwerste der Vereinsgeschichte werden. Doch zunächst fing alles gut an. So bezogen wir euphorisch unsere neue Schlachthof-Arena. Die Innen-Architekten Jim und Michi leisteten mit Unterstützung des Rests der Truppe ganze Arbeit, so dass der Alte Schlachthof vom ersten Tag an unsere Festung für Heimspiele werden sollte. Doch nach nur wenigen Wochen schlug das Verletzungs- und Krankheitspech zu, was vor allem das erste Halbjahr zu einer echten Bewährungsprobe machte. Doch damit nicht genug: im Sommer des Jahres 2012 kam es zu einer Art Punktabzug, der uns zusätzlich kräftig durchgerüttelt hat. Im Nachhinein betrachtet hat diese schwerere Zeit auch sein gutes. Wir haben uns davon nicht unterkriegen lassen und echtes Teamwork an den Tag gelegt. Wir haben um jeden Punkt gekämpft ohne das große Ganze aus dem Auge zu verlieren. Und so haben wir uns im zweiten Halbjahr zurückgekämpft. Und wir wollten mehr. Wir investierten im August / Oktober 2012 in ein Jugendleistungszentrum (bzw. bilden wir seitdem aus). Generell setzten wir nun verstärkt auf den Nachwuchs. Und das so konsequent, das zum Ende der dritten, Anfang der vierten Spielzeit drei von uns Nachwuchs bekommen sollten. Nicht zuletzt sorgte für einen versöhnlichen Abschluss eines aufreibenden Jahres 2012.

Umzüge und volle Hütten
Mit dem Start der vierten Saison hatten wir die vorherige Spielzeit aus den Kleidern geschüttelt. Von nun an ging der Blick ausschließlich nach vorn und wir arbeiteten weiter an der gesunden Mischung. Sportchef Stephan zog es mit seiner Familie zurück nach Karlsruhe, wodurch das Team noch enger zusammenrücken konnte. Ich selbst sollte von nun an einen neuen Schwerpunkt auf das Training legen, indem wir unsere Akademie-Angebote offensiver bespielen. So bezog ich im Sommer unser neues Trainingszentrum in der Kölner Innenstadt. Außerdem sollte unser Marketing professionalisiert werden. Neben ein paar Fanartikeln und dem ein oder anderen E-Mailing und unserer Website war da ja nicht viel. Marketing-Strategin Mira legte im Oktober des vierten Jahres einen Traumstart hin. Sie sorgt seitdem vor allem für eine volle Arena, wenn wir einmal monatlich zu „netzstrategen/machen/feierabend“ einladen.

Auf in die fünfte Saison
Jetzt – noch recht kurz nach der Winterpause – habe ich den Eindruck, dass sich die Aufbauarbeit der letzten vier Jahre mehr und mehr auszahlt. Die Erfahrung aus der Arbeit mit über 140 Kunden (sagt zumindest unser Archiv) gibt mir das Gefühl, auf einem guten Weg zu sein. Immer in dem Bewusstsein, dass das alles nicht selbstverständlich ist und es jederzeit unvorhersehbare Entwicklungen geben kann. Warum sollte das bei uns anders sein als im Fußball oder jedem anderen Lebensbereich. Eine Beobachtung aus der Welt des runden Leders bestätigt mich in diesem guten Gefühl: wirklich erfolgreich sind Vereine, die eine eigene Spielidee und eine langfristige Vision haben und dabei trotzdem handlungsschnell sind. Sie arbeiten im Team und legen großen Wert auf ihre Kultur. Das bedeutet, dass sie viel kommunizieren und dabei auch mal die Fetzen fliegen. Sie sind offen für Entwicklungen von außen, ohne auf jeden fahrenden Zug aufspringen zu wollen. Schnellschüsse, Alleingänge und Willkür sind ihnen fremd. So freu ich mich sehr und bin schon ein wenig stolz darauf, in meine mittlerweile fünfte Saison als netzstratege zu gehen. Mögen noch viele weitere folgen.

Headerbild von subewl über flickr

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