15 Regeln, die Ihr beim Texten beachten solltet

Als Editorial-Stratege habe ich ein Auge auf die Texte unserer Projektpartner. Die Ratschläge, die ich dort an konkreten Beispielen mit den Content-Verantwortlichen durchgehe, lassen sich in 15 einfachen Regeln zusammenfassen.

1.) Verständlich schreiben

Ihr seid Experten auf eurem Gebiet, euer Kunde nicht unbedingt. Wenn wir von Repositories, Staging, Widgets und Branches reden, kommt beim Gegenüber oft nur Techno Babble an. Expertensprache will auch immer imponieren, setzt euch zum Ziel zu erklären und wenn es keine Alternative für das Fachwort gibt, erklärt es. Deflektorschüsseln repolarisieren darf nur Scotty von der Enterprise.

Scotty bei der Arbeit

2.) Erschafft Personas eurer Leser und Kunden

Eine Persona ist eine fiktive Person, die ihr anhand eures Wissenstands über eure Zielgruppe konstruiert. Sie hat, Vor- und Nachname, einen Job, einen Familienstand, Wünsche, einen bestimmten Kenntnisstand zu eurem Produkt oder eurer Marke, Hobbies, Erwartungen und unter Umständen Einschränkungen. Wenn ihr also darüber schreiben wollt, dass der Lithium-Ionen-Akku des JackHammer 3000 20% mehr Leistung und 50% mehr Kilojoule bringt, schaut nochmal auf das Profil von Herbert (50, zwei Kinder, Polier, leidenschaftlicher Angler) und fragt euch, ob er damit etwas anfangen kann.

3.) Alles geht kürzer

Zu diesen Zeitpunkt = jetzt
Keine Seltenheit = häufig/oft
War nicht mehr wegzudenken = gehört dazu
Er ist mit der Leitung des Administratorenteams in der Informationstechnik betraut = Er leitet das Admin-Team der IT

4.) Mach besser ein Verb rein

Verben machen einen Satz lebendig. Möchte man über die Lebendigkeit des Satzes reflektieren, die durch Verwendung pointierter grammatikalische Gefüge erzeugt wird, bleibt nur die Karriere im akademischen Umfeld. Da stehen sie auf so Schweinkram mit Satzzeichen und Worten, die auf -ieren enden.

4.1) Aktiv formulieren

Passive Satzkonstruktionen haben die Eigenschaft Aussagen unnötig aufzublähen und Verantwortlichkeiten zu verschleiern, was die Sätze unpersönlich und unleserlich macht = Passive Satzkonstruktionen sind Mist.

5.) Adjektive bewusst verwenden

Gerade im Marketing ist die Versuchung groß diese fantastischen, reichweitenstarken, hochwertigen, viralen und kuratierten Adjektive zu verwenden, um den anderen fantastischen, reichweitenstarken, hochwertigen, viralen und kuratierten Dingen da draußen zu zeigen, wo der Barthel den Most holt. Zwei von drei Adjektiven sind oft für die Tonne. Besonders acht geben solltet ihr auf Beiworte, die die selbe Aussage wie das Hauptwort haben. Meine Lieblingsbeispiele: Gezielte Maßnahme und feste Überzeugung.

6.) Baut keinen Donausdampfschifffahrtskapitänskajütenwortfrankenstein

Rückantwort = Antwort
Eigeninitiative = Initative
Geschäftsführungsleitlinien = Leitlinien für die Geschäftsführung

Euere Webseite wird es euch auch danken, wenn ihr das Layout nicht durch Wortmonster zerschießt

Frankenstein ist gar nicht mein Name!

7.) Klare Aussagen treffen

Als international tätiges Unternehmen haben die netzstrategen Niederlassungen in der Rheinmetropole und der Fächerstadt. = Uns könnt ihr in Köln oder Karlsruhe treffen und wir sprechen ganz passables Englisch.

8.) Sinnvolle Synonyme

Anstelle von Köln „Rheinmetropole“ zu schreiben ist in Ordnung. Einmal. Beim Verb sagen gibt uns eine beliebige Synonym-Seite hunderte von Treffern. Doch erwähnen ist etwas anderes als informieren, also prüft eure Wahl sorgfältig. Für viele Substantive gibt es keine vernünftigen Synonyme: Lenkrad bleibt Lenkrad, denn ein Lenker ist etwas anderes und des Rennfahrers liebstes Stück…interpretationsoffen.

9.) Wortdoppelungen vermeiden

Manchmal funktionieren Wortdoppelungen als Stilmittel. Meistens lassen Wortdoppelungen einen Satz unbeholfen wirken, was uns oft zu Punkt Acht zurückbringt. Gleichklingende Worte haben den selben Effekt: Gründungen von Gründern sind so ein Beispiel.

10.) Redundanzen vermeiden

Eine fiese Falle sind Adjektive, die eigentlich das Hauptwort ergänzen sollen. Fallen sind meistens fies und sakrale Kirchengebäude auch verschwendete Tastenanschläge.

11.) Auf richtige Beziehungen achten

Im Eifer des Gefechts geht ein Komma oder ein Verbindungswort schnell verloren. Doch zwischen “Komm, wir essen Opa” und “Komm, wir essen, Opa” gibt es einen lebenswichtigen Unterschied.

12.) Verben vor Substantivierung

Wir ergreifen regelmäßig Maßnahmen zur Mitarbeitergewinnung in Form von Stellenausschreibungen. Klingt doof und geht kürzer: Wir schreiben regelmäßig Stellen aus, um neue Mitarbeiter zu gewinnen.

13.) Nebensätze sind OK, ehrlich!

Nur Hauptsatz an Hauptsatz reihen. Dichter dürfen das. Schüler gehen mit der Technik auf Nummer sicher. Für den Rest der Menschheit ist das gelegentliche Komma völlig in Ordnung, schließlich sind wir meist nicht lyrisch unterwegs und haben die Grundschule – hoffentlich – hinter uns.

Frühes Wiki

14.) Zusammenlassen, was zusammen gehört

Einige Regeln aus der Fachliteratur:

  • Satzteile, die logisch zusammgehören, nie durch mehr als zwölf Silben voneinander trennen
  • Nebensätze, die die Handlung tragen vermeiden. Was die Handlung trägt, gehört in den Hauptsatz
  • Vorsicht bei Sätzen, die den Hauptsatz unterbrechen, oft machen sie ihn schwer verständlich
  • Subjekt und Prädikat nah beinander halten
  • Variiert euren Satzbau, siehe Nummer 13

Mehr davon findet ihr hier:

15.) Fehlr passieren, immer, jedem

Für das Vier-Augen-Prinzip gibt es keinen Ersatz. Ansonsten hilft der Medienwechsel: Ausdrucken und mit dem Bleistift drüber gehen oder auf dem Tablet lesen. Wenn ihr die Zeit habt, lasst den Text eine halbe Stunde liegen und lest ihn dann nochmal, idealerweise nicht im Texteditor.

Alle Beiträge von Peter

Unsere meistgelesenen Beiträge

Zwei Jahre Chromebook: Ein Erfahrungsbericht

Google Chromebook
|
Gute 25 Jahre PC-Nutzung - von Anfang an mit Windows. Dann raucht im wahrsten Sinne des Wortes mein teures und gar nicht so altes Lenovo-Notebook ab. Und ich bestelle mir einfach ein Chromebook und bin schneller weg aus der Windows-Welt, als ich es für möglich gehalten hätte. Zwei Jahre ist das nun her - und ich habe zwischendurch immer wieder über meine Erfahrungen mit dem Chromebook berichtet.